Nach Klier-Insolvenz So geht es Bremens Friseuren

Die Friseurinnung Bremen sieht trotz der Insolvenz der Friseurkette Klier keine Bedrohung für die Branche. Insgesamt gehe es den Salons einigermaßen gut, heißt es für Bremen. Für einige Firmen gilt das nicht.
12.12.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Mario Nagel

Trotz der Insolvenz von Deutschlands größter Friseurkette Klier blickt die Bremer Friseurinnung verhalten optimistisch in die Zukunft. „Klier ist natürlich ein prominenter Name, bei dem jeder sofort aufmerksam wird„, sagt Stefan Schiebe, der als Innungsgeschäftsführer 90 Friseure vertritt. Klar sei, dass es der Branche zurzeit nur “einigermaßen gut„ gehe. “Aber uns ist bislang nicht bekannt, dass ein Salon coronabedingt schließen musste“, sagt Schiebe weiter.

Anfang Dezember ist bekannt geworden, dass die Klier-Gruppe Insolvenz angemeldet hatte. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Wolfsburg betreibt bundesweit etwa 1350 Salons. Wie die Gruppe mitteilte, hat das Insolvenzverfahren die nachhaltige Sanierung der Klier Hair Group (KHG) zum Ziel. Trotz der Insolvenz bleibe die Geschäftsführung im Amt, der Betrieb laufe uneingeschränkt weiter.

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Kurzfristig müsse man sich aber von dauerhaft unprofitablen Salons und Shops trennen, um die Klier-Gruppe als Ganzes erhalten zu können, sagte Geschäftsführer Michael Melzer. Wie viele Salons innerhalb der Sparmaßnahmen geschlossen werden müssen, ist bislang unbeantwortet geblieben. Laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung droht einem knappen Drittel der Klier-Salons das Aus: 450 Läden sollen demnach geschlossen werden.

In Bremen betreibt die Friseurkette mindestens drei Salons: Im Werder-Karree in Habenhausen, im Hansa-Carree in Hastedt sowie im Weserpark in Mahndorf. Wie viele Filialen es genau sind, teilte Klier nicht mit. Trotz einer möglichen Schließung hat Zülal Dalgic, Salonleiterin im Weserpark, die Hoffnungen auf eine Zukunft des Geschäfts noch nicht aufgegeben. „Es ist normal, dass man sich Gedanken macht„, sagt sie. “Aber Insolvenz heißt ja nicht, dass alle Salons zumachen.“ Man werde die schwere Zeit durch eine gute Zusammenarbeit bewältigen. Zudem werde nach Corona alles besser werden, glaubt Dalgic. Vor allem die Stammkunden würden derzeit am meisten helfen, da sie trotz der Insolvenz weiterhin in ihren Salon kämen.

Folgen für Bremer Salons unklar

Die Klier-Salons in Habenhausen und Hastedt wollten sich nicht äußern und verwiesen auf die Firmenzentrale in Wolfsburg. Ob die drei Bremer Salons wirtschaftlich profitabel sind oder sie zu denen gehören, die durch die Insolvenz vor dem Aus stehen, beantwortete die Friseurkette nicht. Man könne sich in der derzeitigen Situation nicht zu jedem einzelnen Salon äußern, hieß es. Mit Stand September 2020 hatte Klier in Deutschland nach eigenen Angaben etwa 8500 Beschäftigte. Wie viele davon in den drei Bremer Salons tätig sind, ließ Klier ebenfalls offen.

Heiko Klumker, Betreiber des Salons Heiko’s Friseurteam in Huchting und Vorsitzender der Friseurinnung Bremen, sieht seine Branche trotz der prominenten Insolvenz nicht bedroht. „Klier ist eine Friseurkette, da werden viele Gründe zur jetzigen Situation geführt haben„, sagt er. “Bei mir schrillen die Alarmglocken jedenfalls nicht, auch wenn ich natürlich kleinere Umsatzeinbußen habe.“ Derzeit würden die sogenannten Event-Frisuren ausbleiben, weil es keine Veranstaltungen gibt.

Klumker hat außerdem nach eigenen Angaben schon häufiger gehört, dass der fällige Friseurbesuch ausgefallen lassen wurde, weil man ohnehin zu Hause sei und dort nicht gesehen werde. „Insgesamt betrachtet, kommen die Kunden aber auch weiterhin – vor allem die Stammkunden„, sagt er. “Da ist ein gewisses Vertrauen da, weil sie uns kennen und wissen, dass wir alles für den Gesundheitsschutz unternehmen.“

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Im Friseursalon Street Glamour am Schweizer Eck in Tenever ist die Lage deutlich schlechter. „Zurzeit sieht es nicht so gut aus„, sagt Inhaberin Süreyya Kadrii, die auch Vorstandsmitglied in der Frisurinnung ist. “Der November war ein toter Monat, so etwas habe ich in 25 Jahren noch nicht erlebt.“ Der Grund liegt für sie auf der Hand: Corona. Es seien kaum Menschen auf der Straße, folglich käme auch keine Laufkundschaft in den Salon. Auch die Stammkunden blieben zurzeit fern – teilweise aus Angst, teilweise weil sie gar nicht raus könnten. „Hier im Stadtteil sind sehr viele Menschen in Quarantäne“, sagt Kadrii.

Nach dem sechs Wochen andauernden Lockdown im Frühjahr habe sich das Geschäft aus wirtschaftlicher Sicht beinahe normalisiert, erst seit dem neuerlichen Lockdown gäbe es den extremen Umsatzeinbruch. „Ein, zwei Monate kann ich diese Situation noch überstehen, länger nicht“, sagt die Geschäftsinhaberin. Die Klier-Insolvenz sei zwar erschreckend, doch das sei eine große Friseurkette. „Am ärmsten sind die kleinen Salons dran. Wer die Pandemie übersteht, hängt davon ab, in welchem Stadtteil der Laden ist.“

Von einer weiteren Zwangsschließung noch ausgenommen

Ein ganz so düsteres Gesamtbild mag Innungsgeschäftsführer Schiebe nicht zeichnen: Der erste Lockdown habe die Unternehmen in eine Art Schockstarre gebracht, doch mittlerweile sei die Situation entspannter. „Die Friseure haben sich viel Mühe gegeben, um Konzepte zu erstellen und den Gesundheitsschutz zu gewährleisten", sagt er. Das habe dazu geführt, dass die Salons derzeit von einer weiteren Zwangsschließung noch ausgenommen sind. Klar ist für Schiebe allerdings auch, dass einige Salons ohne die finanziellen Hilfen durch die sogenannten Novemberhilfen hätten schließen müssen. „Dadurch wurden sicherlich einige Betriebe gerettet.“

Dankbar müsse man auch den Kunden sein, die einen Teil der entstandenen Mehrkosten durch gestiegene Preise kompensieren. „Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe und -umhänge, Plexiglasscheiben – das sind zusätzliche Kosten, die kaum ein Friseursalon alleine tragen kann. In der Branche wird sehr knapp kalkuliert“, sagt Schiebe. Auch deshalb müsse man in den kommenden Wochen und Monaten abwarten, wie sich die Lage in der Friseurbranche entwickelt. Die eine oder andere Insolvenz sei jedenfalls nicht grundsätzlich auszuschließen.

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