Schmiergeld-Vorwürfe

Korruptionsverdacht belastet Airbus

Schon seit vergangenem Jahr ermitteln britische Korruptionsjäger gegen Airbus. Ein Brief des Konzernchefs Tom Enders macht nun die Tragweite deutlich.
09.10.2017, 18:53
Lesedauer: 3 Min
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Von Sebastian Kunigkeit
Korruptionsverdacht belastet Airbus

Die Umstände des Verkaufs von 15 Eurofighter-Kampfjets nach Österreich ist einer der Vorwürfe an den Airbus-Konzern.

dpa

Fragt man beim Airbus-Betriebsrat in Bremen nach, erfährt man nur wenig zu den erneuten Korruptionsvorwürfen gegen den Luftfahrtkonzern. „Eine akute Bedrohungslage von Arbeitsplätzen sieht derzeit keiner“, heißt es dort lediglich. Sonst habe man bislang keine Erkenntnisse zu den Vorwürfen.

Die Ansage von Airbus-Chef Tom Enders an seine Mitarbeiter verrät jedoch, wie dramatisch die Situation ist. „Keep calm and carry on“, schrieb er in einem Rundschreiben an die Beschäftigten des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns - ruhig bleiben und weitermachen. Eine britische Durchhalteparole aus Kriegszeiten.

Behörden ermitteln nach einer Selbstanzeige schon länger wegen Korruptionsverdachts. Enders ungewöhnlicher Brief machte nun die Dimension der Angelegenheit deutlich: Der Deutsche sprach von einer Krise und warnte vor der Möglichkeit „schwerwiegender Konsequenzen, einschließlich erheblicher Strafen für das Unternehmen“.

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Auch an der Börse war daraufhin am Montag Verunsicherung zu spüren. Die Airbus-Aktie stand am Nachmittag mehr als zwei Prozent im Minus. „Der Markt erwartet unserer Ansicht nach Strafen zwischen 0,5 und 1,0 Milliarde Euro, was plausibel erscheint“, meinte ein Börsenhändler - bislang sind solche Zahlen aber reine Spekulation.

Berichte des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ und des französischen Internetportals „Mediapart“ hatten das Thema zurück ins Rampenlicht gebracht. Gesprochen wird über zwei Themenblöcke: Zum einen die Umstände des Verkaufs von 15 Eurofighter-Kampfjets nach Österreich. Zum anderen Ermittlungen britischer und französischer Behörden wegen Korruptionsvorwürfen beim Geschäft mit Passagierflugzeugen.

Zahlungen an Firmen in Großbritannien seit 2012 geprüft

Das britische Serious Fraud Office (SFO) ermittelt seit vergangenem Jahr wegen des Verdachts auf Betrug, Bestechung und Korruption. Airbus hatte nach eigenen Angaben selbst „falsche Angaben und Auslassungen“ in Anträgen auf Finanzierungshilfen für Airbus-Kunden entdeckt und bei den Behörden angezeigt. Es geht um die Zusammenarbeit mit externen Beratern.

Zu Details äußert das Unternehmen sich weiterhin nicht. Schon deutlich länger laufen die Untersuchungen zum Kampfjet-Geschäft mit Österreich. Airbus erklärt auf seiner Webseite, dass diese Ermittlungen in Wien und München nicht mit denen in Frankreich und Großbritannien zusammenhingen - und auch die Behörden haben bislang nicht von einer Verbindung gesprochen.

Die Staatsanwaltschaft München prüft im Zusammenhang mit dem Eurofighter-Verkauf seit 2012 Zahlungen an Firmen in Großbritannien. Sie geht nach früheren Angaben dem Verdacht nach, dass aus dem Konzern Geld in schwarze Kassen geflossen sein könnte, um daraus Schmiergeld zu zahlen.

"Konstruiert und juristisch substanzlos"

Es gebe aber „wenig Anhaltspunkte“ für Bestechung, hatte die Behörde im Februar erklärt. Wann die Ermittlungen abgeschlossen werden, ist noch unklar, die Behörde äußert sich derzeit auf Anfrage nicht dazu. „Airbus hat immer klar gesagt, dass es die Vorwürfe im Herzen dieses Falls als unbegründet ansieht“, teilte das Unternehmen am Wochenende mit.

Auf österreichischer Seite hatte das Thema Anfang des Jahres durch heftige Vorwürfe und eine Strafanzeige der Regierung wegen Täuschung und Betrugs neuen Pfeffer bekommen. Es geht unter anderem um die damals vereinbarten Gegengeschäfte - also Geschäfte zugunsten der österreichischen Wirtschaft, die von der Eurofighter Jagdflugzeuge GmbH vermittelt werden sollten.

Airbus weist die Anschuldigungen aus Wien komplett zurück: „Diese Vorwürfe sind konstruiert und juristisch substanzlos“, erklärte Airbus-Chefanwalt Peter Kleinschmidt kürzlich. Als aus Airbus-Sicht deutlich heikleres Thema erscheinen daher die Korruptionsvorwürfe beim Geschäft mit Verkehrsflugzeugen. Enders verteidigte in seinem Brief die Selbstanzeige - „der einzige Weg im Einklang mit unseren Wertvorstellungen“, wie er schreibt.

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Spekuliert wird, dass diese grundsätzlich auch die Möglichkeit zu einer Einigung mit der SFO eröffnen könnte, einem sogenannten Deferred Prosecution Agreement, bei dem das Verfahren gegen Zahlung einer Strafe beigelegt werden könnte. Klar ist aber, dass das Unternehmen (circa 67 Milliarden Euro Umsatz und 134.000 Mitarbeitern) an der Angelegenheit noch länger zu knabbern haben wird.

Das könnte auch am Image kratzen - zu einem Zeitpunkt, wo der amerikanische Erzkonkurrent Boeing bei der Zahl der Flugzeugbestellungen in diesem Jahr bislang deutlich in Führung liegt. Airbus setzt deshalb schon länger auf demonstratives Auskehren. So berät etwa der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel das Unternehmen seit einigen Monaten bei der Kontrolle von Rechtsstandards.

Der Konzern betont, dass der Verwaltungsrat sich noch vergangene Woche voll hinter Enders und Chef-Jurist John Harrison gestellt habe. Hinter den Kulissen scheint es jedoch heftig zu rumoren. Darauf lässt jedenfalls Enders Satz schließen, es sei „mit Leaks, falschen Informationen und auch mit Versuchen Einzelner zur rechnen, im eigenen Interesse das Top-Management zu diskreditieren“.

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