Nach BUND-Studie über kleinere Flughäfen

Bremer Airport bei Umweltschützern beliebter als andere Flughäfen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) stellt mit einer neuen Studie die Daseinsberechtigung von Regionalflughäfen infrage. Wie Bremen abschneidet, und warum der BUND die Bremer Häfensenatorin kritisiert.
20.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Florian Schwiegershausen und Teresa Dapp
Bremer Airport bei Umweltschützern beliebter als andere Flughäfen

Bremen kommt in der Studie über die Regionalflughäfen weniger schlecht weg als andere Airports. Die Betriebskostenunterstützung für den Bremer Flughafen kritisiert der BUND aber ebenso wie an anderen Standorten.

Frank Thomas Koch

Bremen/Berlin. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat mit einer neuen Studie die Daseinsberechtigung von Regionalflughäfen infrage gestellt. Bei dieser Analyse ist der Bremer Flughafen noch mit am besten weggekommen. Das ist allerdings auch dem Zeitraum des Vergleichs geschuldet.

In der Studie hat der BUND zusammen mit dem Forum Ökologische Marktwirtschaft (FÖS) 14 regionale Airports untersucht. Die Forscher beschäftigten sich dabei mit der Wirtschaftlichkeit, der Bedeutung für die Verkehrsanbindung und der Entwicklung der Passagierzahlen von Flughäfen mit 200.000 bis drei Millionen Fluggästen im Jahr.

Gelbe Karte für Bremer Airport

Auch wenn Bremen in dieser Analyse bei zwei der drei Aspekte positiv abgeschnitten hat, erhielt der Airport – wie der Flughafen Memmingen im Allgäu – die gelbe Karte. Weniger Minuspunkte gab es für Bremen wegen des „hohen Konnektivitätswerts“: Der Flughafen schaffe einen Mehrwert durch die Zubringerflüge zu den großen Drehkreuzen, während bei vielen anderen regionalen Airports die Billigflieger für das größte Passagieraufkommen verantwortlich sind. Ebenso positiv schnitt Bremen bei den Betriebskostenzuschüssen seitens der Kommunen ab. Die gibt die Untersuchung von 2014 bis 2018 mit „Null“ an. Da der Bremer Airport nun auch dringend finanzielle Unterstützung braucht, würde er in der Zukunft bei der Wiederholung dieser Studie schlechter abschneiden.

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Claudia Schilling (SPD), die als Häfensenatorin auch für den Flughafen zuständig ist, ließ mitteilen, dass sie die Bewertung des BUND begrüßt, der den Bremer Flughafen als zukunftsfähigen und systemrelevanten Airport eingestuft hat. Daraufhin meldete sich der Bremer BUND-Geschäftsführer Martin Rode zu Wort und sagte, die Senatorin verdrehe die Ergebnisse: „Die Regionalflughafen-Studie ist kein Plädoyer für den Flughafen Bremen, sondern zeigt ganz deutlich, dass das System der Regionalflughäfen grundsätzlich in Frage gestellt werden muss. Regionalflughäfen müssten längst schon aus ökologischen und ökonomischen Gründen reihenweise geschlossen worden sein.“

BUND fordert Ende der Subventionen für Regionalflughäfen

Die Studie fordert laut Rode vielmehr, dem Luftverkehr „endlich die wahren Kosten“ anzulasten, Subventionen konsequent zu unterbinden und faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber der Bahn sicherzustellen. Der BUND-Geschäftsführer sieht den Bremer Airport in keinem guten Licht angesichts der „Erhaltungsinvestitionen in zweistelliger Millionenhöhe, die der Flughafen nicht selbst aufbringen kann“.

Die Regionalflughäfen insgesamt zeigten „die ganze Absurdität des Fliegens“ auf, sagte BUND-Bundeschef Olaf Bandt. Er und die Verfasser der Studie kritisierten wie Rode, wie diese Flughäfen mit Betriebskostenzuschüssen in Millionenhöhe künstlich am Leben erhalten würden. Aus ihrer Sicht sollten die Regionalflughäfen geschlossen werden, die in der Analyse eine „rote Karte“ erhielten: Erfurt-Weimar, Frankfurt-Hahn, Kassel-Calden, Niederrhein-Weeze, Paderborn/Lippstadt, Rostock-Laage und Saarbrücken.

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Fünf orangefarbene Karten mit nur jeweils einer positiven Bewertung bei den drei Kriterien gingen an die Flughäfen Friedrichshafen, Dresden, Karlsruhe/Baden-Baden, Dortmund und Münster/Osnabrück. Grundlage für den Vergleich waren Geschäftsberichte 2014 bis 2018. Nicht erst seit Corona gebe es erhebliche Überkapazitäten in der Flughafeninfrastruktur.

Mehr verkehrspolitischer Nutzen am Bremer Airport

Bremen hat laut Studie einen höheren verkehrspolitischen Nutzen als andere Standorte. Das liege an der Anbindung an den internationalen Flugverkehr. Bei den Verbindungen an anderen Regionalflughäfen handele es sich fast ausnahmslos um Urlaubsflüge.

Der Flughafenverband ADV wies die Forderungen zurück und verlangte Kostenentlastungen insbesondere bei Sicherheitsvorkehrungen, die in anderen EU-Ländern vom Staat getragen würden. Das polyzentrische Flughafensystem sei ein Abbild der föderalen Struktur Deutschlands mit seinen starken Wirtschaftszentren und Metropolregionen, erklärte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Der Verband verwies zusätzlich auf die Bedeutung der Flughäfen im Frachtverkehr und als Standortfaktor für Unternehmen. Die regionalwirtschaftlichen Effekte lägen in der Regel deutlich über den von den Gesellschaftern getragenen Verlusten.

Handelskammern als Anteilseigner von Flughäfen

Wie die Akteure für ihre Region die Bedeutung eines Flughafens sehen, lässt sich auch an den Anteilseignern ablesen: So sind beispielsweise am Flughafen Münster/Osnabrück die Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern jeweils mit weniger als einem Prozent beteiligt. Bei diesem Flughafen machen die Einnahmen aus Steuern und Gebühren einen Anteil von 69 Prozent am Umsatz aus – so hoch wie an keinem anderen untersuchten Standorten.

Für Bremen lag dieser Umsatzanteil bei 36 Prozent. Was die Studie nicht berücksichtigt hat: den Nutzen, den der Bremer Airport dadurch stiftet, dass er von Airbus mitbenutzt wird. Dies wäre ein Aspekt, den es so ähnlich von anderen Unternehmen vielleicht in Friedrichshafen gibt.

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