Kundgebung Metaller verhandeln in Bremen über höhere Löhne

In Bremen starten am Freitag die Tarifverhandlungen in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie. Die IG Metall hunderte Mitglieder aufgerufen, an einer Kundgebung in der Innenstadt teilzunehmen.
16.09.2022, 10:46
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Metaller verhandeln in Bremen über höhere Löhne
Von Florian Schwiegershausen

Am Freitagvormittag hat die IG Metall Küste zu einer Demonstration mit Kundgebung in Bremen aufgerufen und hunderte Mitglieder erwartet, die durch die Stadt ziehen. Diese seien hoch motiviert, sagte Bezirksleiter Daniel Friedrich am Mittwoch. Nach der Zurückhaltung in der Corona-Krise müsse es angesichts der Inflation und der hohen Energiepreise ein deutliches Lohnplus geben. Nach der Kundgebung werden im Bremer Intercity-Hotel die ersten Gespräche für die Tarifverhandlungen der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie (kurz M+E-Industrie) beginnen. Mit der Forderung nach einem Lohnplus von acht Prozent geht die IG Metall Küste in die Gespräche. Sie verhandelt für 130.000 Beschäftigte der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie. In Bremen waren es bei der letzten Tarifrunde 25.000 Beschäftigte.

Der Tarifbezirk Küste umfasst Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und das nordwestliche Niedersachsen. Die Gewerkschaft verlangt das Lohnplus über eine Laufzeit von einem Jahr – und zwar als Erhöhung, die dauerhaft in die Tariftabellen einfließt. Es ist die höchste Forderung seit 2008.

Kaum Insolvenzen in der Branche

„Was wir aus den Betrieben hören, ist besser als das, was wir in den Schlagzeilen lesen“, verteidigte Friedrich die Forderung. Die Branche sei nicht von vermehrten Insolvenzen betroffen. Die Luftfahrt verzeichne ein stabiles Wachstum, die Medizintechnik bleibe auf einem starken Niveau und auch die Maschinenbauer würden „sehr gut dastehen“. Kurzarbeit gebe es etwa in der Autoindustrie nur, weil Teile nicht rechtzeitig geliefert werden.

Die Arbeitgeber wiesen die Forderung zurück. „Die IG Metall hat den Ernst der Lage noch nicht zur Kenntnis genommen. Die Lage ist schlimm, und sie verschlechtert sich von Tag zu Tag“, sagte der Hauptgeschäftsführer vom Verband der Metall- und Elektroindustrie Nordmetall, Nico Fickinger. „Es ist nicht die Zeit für Maximalforderungen. Drei Viertel der Unternehmen bleiben laut einer Umfrage auf den explodierenden Preisen sitzen, sie können die Kosten nicht an ihre Kunden weitergeben“, betonte er. Jedes fünfte Unternehmen im Bezirk Küste sei wegen der hohen Material- und Energiekosten existenziell gefährdet.

IG Metall lässt Arbeitgeber zu Wort kommen

Bei der Kundgebung der IG Metall am Freitagvormittag in Bremen wird auch die Verhandlungsführerin des Arbeitgeberverbands Nordmetall, Lena Ströbele, sprechen. IG-Metall-Bezirksleiter Friedrich betonte, dass das nicht alltäglich sei. Vor den Gewerkschaftsmitgliedern möchte Ströbele, die Geschäftsführerin der Lürssen-Werftengruppe ist, dafür werben, dass man nur zusammen nach vorn komme: "Wir wollen auch in der Krise die Arbeitsplätze der M+E-Industrie im Norden halten." Das wird laut Ströbele nur gelingen, wenn die Betriebe die dramatisch gestiegenen Belastungen durch Energie- und Vorprodukte-Kosten oder Lieferkettenprobleme schultern können: "Wir brauchen die gemeinsame Erkenntnis der Sozialpartner, dass nur eine differenzierte und ausgewogene Einigung den M+E-Standort Norddeutschland erhält und stärkt." Zusammen nach vorn ist auch das Motto der diesjährigen Kampagne, mit der die Arbeitgeber die Tarifverhandlungen begleiten.

Lesen Sie auch

Bereits am Montag hatten in Hannover die Tarifverhandlungen für den Bezirk Niedersachsen/Sachsen-Anhalt begonnen. Bundesweit arbeiten fast vier Millionen Beschäftigte in der Branche. Die Entgelt-Tarifverträge laufen zum 30. September aus. Warnstreiks wären ab dem 28. Oktober möglich. In der Regel wird im Laufe der Verhandlungen ein Pilotbezirk vereinbart, dessen Abschluss dann die übrigen Regionen übernehmen.

Hälfte der Betriebe auf Gasausfall vorbereitet

Was den möglichen Gasausfall im Winter angeht, sieht IG-Metall-Bezirksleiter Friedrich übrigens etwas weniger als die Hälfte der Betriebe gut auf eine solche Situation vorbereitet. Das sei das, was der Gewerkschaft über die Betriebsräte aus den Unternehmen gemeldet wurde. Allerdings stellt Friedrich fest: "Das bedeutet, dass die andere Hälfte der Betriebe nicht auf eine solche Situation vorbereitet ist. Und wer sich erst jetzt mit Alternativen beschäftigt, für den ist es eigentlich zu spät. Denn inzwischen sind auch die Preise für Öltanks durch die Decke gegangen."

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+