Corona-Pandemie und Finanzen

Welche Auswirkungen Kurzarbeit für Arbeitnehmer haben kann

Millionen Arbeitnehmer verdienen durch die Kurzarbeit nicht nur aktuell weniger. Auch bei der Rente und der nächsten Steuererklärung müssen sie Einschnitte befürchten.
17.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Welche Auswirkungen Kurzarbeit für Arbeitnehmer haben kann
Von Stefan Lakeband
Welche Auswirkungen Kurzarbeit für Arbeitnehmer haben kann

Die Corona-Pandemie bringt, unter anderem durch Kurzarbeit, die finanzielle Situation vieler Menschen aus dem Gleichgewicht.

Ole Spata / dpa

Die Corona-Pandemie hat in diesem Jahr vieles durcheinandergebracht – auch die persönlichen Finanzen Hunderttausender Menschen. 3,3 Millionen Menschen sind oder waren zuletzt laut Ifo-Institut in Kurzarbeit. Sie hatten am Ende des Monats weniger auf dem Konto als normal. Neben diesen direkten finanziellen Einbußen dürfte sich das Coronavirus auch künftig bei vielen im Portemonnaie bemerkbar machen.

Vergleichsweise klein, aber doch vorhanden dürfte der Einfluss der Kurzarbeit auf die gesetzliche Rente sein. Darauf verweist unter anderem die Deutsche Rentenversicherung Nord. Zwar zahlen Arbeitnehmer in Kurzarbeit weiter in die Rentenkasse ein – ihre Beiträge sind allerdings verringert. Sie werden anhand des tatsächlich gezahlten – reduzierten – Verdienstes abgerechnet. Damit die Rentenbeiträge aber nicht drastisch gekürzt werden, werden auch auf den Verdienstausfall Abgaben fällig – in Höhe von 80 Prozent.

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Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ein Beispiel, das die Rentenversicherung berechnet hat: Ein Arbeitnehmer bekommt normalerweise 3000 Euro brutto im Monat. Durch die Kurzarbeit halbiert sich das Gehalt auf 1500 Euro. Auf dieses Geld zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ganz normal Sozialversicherungsbeiträge. Für die ausgefallenen 1500 Euro werden zu 80 Prozent Rentenbeiträge fällig, die voll vom Arbeitgeber gezahlt werden. Laut diesem Beispiel werden also Rentenbeiträge für 2700 Euro bezahlt, obwohl der Arbeitnehmer nur 1500 Euro verdient.

Klar ist aber, dass Arbeitnehmer trotz Aufstockung später geringere Ansprüche auf die gesetzliche Rente haben. Wie hoch, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. Im Beispiel der Rentenversicherung sind die Einbußen gering: Nach einem Jahr Kurzarbeit würde die Rente des Arbeitnehmers dadurch um rund drei Euro pro Monat sinken.

Vielen droht eine Nachzahlung

Wesentlich spürbarer können Einschnitte durch die Kurzarbeit hingegen schon im kommenden Jahr werden. Wer 2020 mehr als 410 Euro steuerfreie Lohnersatzleistungen wie Kurzarbeitergeld, Arbeitslosengeld I oder Insolvenzgeld erhalten hat, der muss für dieses Jahr seine Steuererklärung machen – und eventuell nachzahlen. Bernd Thomas, Steuerberater bei der Bremer Arbeitnehmerkammer weist darauf hin, dass das Kurzarbeitergeld zwar steuerfrei ist, aber dem sogenannten Progressionsvorbehalt unterliegt. Der sorgt dafür, dass der Steuersatz eines Arbeitnehmers steigt. Im Detail sieht das so aus: Das steuerpflichtige Einkommen – etwa das Gehalt – und das steuerfreie Einkommen – zum Beispiel Kurzarbeitergeld – ergeben das Gesamteinkommen eines Arbeitnehmers. Für dieses Gesamteinkommen wird ein Durchschnittssteuersatz ermittelt. Dieser wird auf das zu versteuernde Einkommen angewendet.

„Das ist eine schwierige Problematik“, sagt Steuerberater Thomas. In den Beratungsgesprächen der Arbeitnehmerkammer seien der Progressionsvorbehalt und seine Folgen häufig Thema, viele Bremer seien verunsichert. Ein Beispiel des Bunds der Steuerzahler zeigt, wie es durch den Bezug von Kurzarbeitergeld zu einer Steuernachzahlung kommen kann: Ein Arbeitnehmer – Single, Steuerklasse I – verdient monatlich 2500 Euro brutto. Durch die Kurzarbeit erhält er in diesem Jahr sechs Monate lang nur seinen halben Lohn, also 1250 Euro. Nun rechnet das Finanzamt aber noch die 2787 Euro steuerfreies Kurzarbeitergeld hinzu, um das Gesamteinkommen zu ermitteln – wodurch der persönliche Steuersatz des Arbeitnehmers steigt.

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Dieser erhöhte Satz wird auf das zu versteuernde Einkommen – den Arbeitslohn – angewendet. Dabei kommt am Ende des Jahres heraus, dass der Betrag der Lohnsteuer, den der Arbeitnehmer monatlich einbehalten hat, eigentlich hätte höher sein müssen. Laut Bund der Steuerzahler müsste der fiktive Arbeitnehmer daher rund 300 Euro nachzahlen.

Kurzarbeit führt aber nicht zwangsläufig zu einer Steuernachzahlung, wie ein weiteres Beispiel zeigt. Eine Arbeitnehmerin – Single, Steuerklasse I – verdient monatlich 3000 Euro brutto. In diesem Jahr ist sie jedoch für sechs Monate in Kurzarbeit null, bekommt also für ein halbes Jahr kein Gehalt, sondern nur Kurzarbeitergeld. Für den gesamten Zeitraum sind das etwa 7670 Euro. Für ihren regulären Arbeitslohn hat der Arbeitgeber bereits Lohnsteuer von monatlich rund 405 Euro einbehalten, also 2430 Euro. Durch den Bezug des Kurzarbeitergeldes ergibt sich laut Bund der Steuerzahler eine Einkommenssteuer von 1746 Euro. Die Arbeitnehmerin kann also mit einer Rückerstattung von etwa 680 Euro rechnen.

Finanzielles Polster für Nachzahlungen anlegen

Ob Nachzahlung oder Rückerstattung, das hängt laut Thomas von der Arbeitnehmerkammer immer vom Einzelfall ab. Zwar gebe es Internetseiten, auf denen sich genau das berechnen ließe. „Hier die richtigen Daten einzutragen, ist allerdings schwierig“, sagt er. Menschen, die dieses Jahr in Kurzarbeit waren, empfiehlt er, sich ein kleines Polster anzulegen – um nicht von einer Nachzahlung überrascht zu werden.

Auch wenn die Berechnung laut Thomas für den Laien kompliziert ist, so bleibt ein kleiner Trost. Die Steuererklärung dürfte im kommenden Jahr einfach sein. „Die Daten werden elektronisch dem Finanzamt übermittelt“, sagt er. „Da kann man eigentlich nichts falsch machen.“

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Der November ist der Monat, in dem viele Beschäftigte auch ihr Weihnachtsgeld vom Arbeitgeber erhalten. Daran ändert sich trotz Kurzarbeit nichts. Einmalige Zahlungen, wie etwa Weihnachtsgeld oder auch Urlaubsgeld, spielen laut der Agentur für Arbeit bei der Berechnung des Kurzarbeitergeldes keine Rolle. Soll heißen: Wer bislang tarifliches Weihnachtsgeld bekommen hat, der muss auch in Kurzarbeit ungekürztes Weihnachtsgeld erhalten.

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