Unternehmen fragen verstärkt nach

Corona-Tests für Mitarbeiter auf Reisen

Zwecks neuer Aufträge will so manches Unternehmen notwendige Geschäftsreisen nicht länger aufschieben. Entsprechend erhalten die Bremer Labore verstärkt Anfragen nach Corona-Tests für reisende Mitarbeiter.
24.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Corona-Tests für Mitarbeiter auf Reisen
Von Florian Schwiegershausen
Corona-Tests für Mitarbeiter auf Reisen

Corona-Test für Mitarbeiter gesucht: Firmen fragen verstärkt auch bei Laboren in Bremen nach Corona-Tests für ihre Mitarbeiter, weil deren Geschäftsreisen ins Ausland nicht länger aufgeschoben werden können.

Britta Pedersen /dpa

Eigentlich ist Torsten Grünewald bei der Handelskammer Bremen spezialisiert auf internationales Vertragsrecht und die Beratung für Im- und Exporte. Doch in den vergangenen Monaten ist er immer mehr zum Experten für die Corona-Situation in anderen Ländern geworden. Der Gesprächsbedarf seitens der Unternehmen sei groß: „Täglich erhalte ich Anrufe mit Nachfragen, wo Firmen denn Corona-Tests für ihre Mitarbeiter machen können.“ Dabei geht es um Reisen ins Ausland, erläutert Grünewald: „In den vergangenen Monaten hatten die Firmen ihre Geschäftsreisen ausgesetzt. Nun ist es aber langsam an der Zeit, die Geschäftspartner im Ausland wieder zu besuchen.“ Doch wenn Mitarbeiter nun ins Ausland reisen, werden von ihnen – abhängig vom Reiseland – aktuelle Corona-Tests erwartet.

Zwar hat beispielsweise Daimler die Zahl der Geschäftsreisen auf ein Minimum heruntergefahren, aber das Minimum bedeutet eben doch einige Trips. „Da zahlt das Unternehmen dem Mitarbeiter den Corona-Test“, sagte eine Daimler-Sprecherin dem WESER-KURIER. Dass für Corona-Tests aus geschäftstechnischen Gründen Bedarf sei, kann Andreas Gerritzen als Leiter des MVZ Medizinisches Labor Bremen in Horn-Lehe bestätigen: „Solche Anfragen von Unternehmen erhalten wir schon seit einigen Monaten. Wenn unsere Kapazitäten dies zulassen, können wir den Anfragen auch entsprechen.

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Allerdings hat bei uns die Diagnostik absoluten Vorrang.“ An erster Stelle stehen bei dem Labor also immer die Corona-Tests aus medizinischen Gründen. Und so macht Gerritzen auch die Einschränkung: „Da sind unsere Kapazitäten so stark gefordert, dass wir momentan entsprechende Anfragen von Unternehmen nach diesen PCR-Tests ablehnen müssen.„ Der Mediziner fügt an, dass sich das vielleicht ab Ende Oktober ändern könne, “wenn es dann auch Anti-Gen-Tests gibt. Ab dann können wir auch wieder entsprechende Anfragen von Unternehmen annehmen.“

Grünewald von der Handelskammer sieht bei Firmen den Bedarf, ausgesetzte Aufträge wieder aufzunehmen oder durch Gespräche neue Aufträge in die Pipeline zubekommen. Er sagt: „Da können auch Videokonferenzen nicht das direkte Gespräch ersetzen. Und wenn man das nicht führt, besteht die Sorge, dass sonst jemand anders den Auftrag erhält.“ Bestandskunden ließen sich vielleicht in den vergangenen Monaten aufgrund der Situation pflegen, aber bei Neukunden sei das schwieriger. Daher seien auch Präsenzmessen so sehr von Bedeutung: „Gerade für den Kontakt zu Erstkunden.“

Auf dem Landweg zurück nach Deutschland

Ebenso nennt Grünewald ein Beispiel, bei dem sich die Reisen nicht verhindern lassen: „Da haben Monteure im Ausland eine Anlage in Betrieb genommen.“ Das habe sich nicht weiter aufschieben lassen. Und als sich ein Monteur in Kroatien befand, wollte ihn sein Unternehmen nicht fliegen lassen, sondern auf dem Landweg über Slowenien und Österreich nach Deutschland zurückkehren lassen.

Auch das Laborzentrum Bremen beim Klinikum Mitte, das zum LADR-Laborverbund Dr. Kramer & Kollegen gehört, erhält solche Anfragen. Die Ärztliche Leiterin Mariam Klouche kann bestätigen, dass es Anfragen von Unternehmen für Mitarbeiter gibt, die eine Geschäftsreise antreten müssen. Derzeit gebe es Kapazitäten für solche Anfragen. "Dabei sage ich 'derzeit', denn das kann sich in den kommenden Wochen ändern“, betont die Medizinprofessorin.

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Sie stellt aber ebenso klar: "Vorrang bei uns im Labor haben aber die Tests für die Diagnostik und die Behandlung. Wer etwa wegen Corona stationär behandelt wird, bei dem wird alle zwei Tage ein Test genommen, um zu überprüfen, wie hoch die Viruslast ist. Dann haben auch die Tests des medizinischen Personals Vorrang und die des Personals, das in der Pflege arbeitet. Erst nachgeordnet wären dann die Tests für Geschäftsreisende an der Reihe.“

Vor Ort im Labor keine Corona-Tests möglich

Dabei sei es schon schwierig mit Corona-Tests, die nicht älter als 48 Stunden sind, wie es einige Länder verlangen. Tests mit 72-Stunden-Frist sind laut Klouche zu leisten: "Wenn der Test im Corona-Testzentrum oder beim Hausarzt gemacht wird, dann sollte er mit dem Hinweis versehen werden, dass es sich um eine Geschäftsreise handelt und die 72 Stunden relevant sind.“ Die Professorin weist darauf hin, dass vor Ort im Labor keine Corona-Tests möglich sind, um so mögliche Infektionsquellen auszuschließen: "Wir erhalten dazu immer wieder Anrufe." Manches Land verlangt einen Corona-Test, obwohl die Fallzahlen höher als in Deutschland sind. Bei Reisen dorthin empfiehlt sie: "Auf Abstand gehen und die gleichen Hygieneempfehlungen einhalten wie hier."

Aus Hannover heißt es von den Johannitern Niedersachsen, dass es bisher keine großen Anfragen gab. Die mobilen Einsatzteams könnten aber auch zu Unternehmen kommen. Bisher hatten die Johanniter Firmen nur bei Hygienekonzepten beraten. Aber vielleicht kommen solche Test-Anfragen bald hinzu.

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