Wütende Kunden

Bremer Händler Profishop in der Kritik

Der Bremer Händler Profishop ist in der Corona-Krise gewachsen – nun häufen sich aber die Beschwerden der Kunden. Die Gründer versprechen Besserung.
03.04.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Bremer Händler Profishop in der Kritik
Von Stefan Lakeband
Bremer Händler Profishop in der Kritik

Der Bremer Onlinehändler ist durch die Pandemie stark gewachsen. Jetzt häufen sich die Beschwerden der Kunden.

Franziska Gabbert

Als Arasch Jalali und Anna Hoffmann vor acht Jahren Profishop gründeten, wollten sie vieles anders machen. Sie wollte das Beschaffungswesen für Unternehmen radikal vereinfachen und einen Marktplatz schaffen, auf dem Betrieb alles bekommen, was sie brauchen – von der Leiter bis zum Drucker. Lange ging das gut, besonders im vergangenen Jahr. Wegen der Lockdowns verzeichnet das Unternehmen aktuell Wachstumsraten von 300 bis 400 Prozent. Nun steht ihre Firma jedoch in der Kritik.

Ein Grund dafür ist Kay Jacobsen. Der Bremer Dachdecker war auf der Suche nach einer Tischsäge für eine Baustelle. Bei einer Recherche im Internet stieß er auf Profishop. „Ich kaufe gerne regional“, sagt Jacobsen. Also bestellte er das Gerät beim Bremer Händler und zahlte per Vorkasse. Anfang März hätte die Säge geliefert werden sollen, doch sie kam nicht. An der Profishop-Hotline habe ihm eine Mitarbeiterin gesagt, sie könne nicht weiterhelfen, sagt Jacobsen. Er solle online Kontakt aufnehmen. Doch auf seine Reklamation im Internet bekam er keine Antwort, auch auf den anschließenden Stornierungswunsch nicht. Sein Geld hatte Profishop jedoch schon.

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Die Bestellung von Jacobsen ist offenbar kein Einzelfall. Auf der Plattform Trusted Shops, auf der Kunden Webshops bewerten können, häufen sich seit Tagen die schlechten Bewertungen. „Ware nicht erhalten“, heißt es dort. Oder: „Kundenservice nicht vorhanden.“ Allein im vergangenen Monat hat Profishop dort mehr als 60 Ein-Stern-Bewertungen bekommen. Und im Grunde drehen sie sich alle um die zwei gleichen Probleme: Kunden bestellen Ware bei Profishop, warten aber vergebens auf die Lieferung. Und wenn sie beim Kundenservice nachfragen oder ihre Bestellung stornieren wollen, kommt keine Antwort. Ein enttäuschter Kunde fasst es so zusammen: „Der Shop ist von Profi soweit entfernt wie Bremen von Australien.“

Die Unternehmensgründer nehmen diese Rückmeldung sehr ernst, teilen sie mit. „Wir sind deutlich über Plan gewachsen“, sagt Hoffmann. Aktuell habe man mehrere 10.000 Bestellungen im Monat. Das habe die bestehenden Kapazitäten an ihre Grenzen geführt. Hoffmann vergleicht es mit dem jährlichen Ansturm, den der Einzelhandel im Weihnachtsgeschäft erlebt. „Nur, dass man vorher weiß, wann Weihnachten ist, wir aber nicht wussten, was in der Pandemie auf uns zukommt.“ Als eine Lösung hat Profishop ein Portal eingeführt, das die direkte Kommunikation zwischen Kunden und Hersteller ermöglicht. Denn Profishop dient lediglich als Marktplatz und stellt selbst keine Waren her und versendet keine Produkte.

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Das kann auch zu Problemen führen. Vergangenes Jahr habe man die Zusammenarbeit mit einem neuen Hersteller gestartet, der durch die Pandemie in Schwierigkeiten geraten sei. „Das hat zu Lieferverzögerungen geführt“, sagt Jalali. Schweren Herzens habe man daher die Zusammenarbeit im Februar wieder beendet. Auch andere Händler hätten ähnliche Probleme gehabt, sagen die Geschäftsführer. Sie sind zuversichtlich, dass sich die Lage bald entspannen werde. Auch weil man allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres 35 neue Leute eingestellt habe.

Kay Jacobsen hat mittlerweile woanders eine Säge bestellt. Als er sie an der Baustelle aufbaute, bekam er einen Anruf seiner Sekretärin, erzählt der Dachdecker. Ein Lastwagen habe die bei Profishop bestellte und eigentlich stornierte Säge geliefert. Jacobsen hofft nun, dass er das Gerät schnell zurückgeben kann, um sein Geld wiederzubekommen.

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