Werks-Aus für Frühstücksflockenhersteller Letzte Produktion bei Kellogg

Ab Donnerstagabend werden in Bremen keine Frühstücksflocken mehr hergestellt: Am frühen Nachmittag startete die Schicht für die Produktionsmitarbeiter von Kellogg. Eine Fahne des US-Konzerns wehte auf Halbmast.
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Letzte Produktion bei Kellogg
Von Maren Beneke

Die Produktion von Frühstücksflocken ist ab heute in Bremen Geschichte: Am frühen Donnerstagnachmittag ist die letzte Schicht der Mitarbeiter des Kellogg-Werks auf dem Gelände in der Überseestadt gestartet. Am Morgen haben sich die Führungskräfte noch einmal getroffen, eine Fahne des US-Konzerns wehte den Tag über auf Halbmast.

Vom Ende der Produktion sind mehr als 200 Mitarbeiter betroffen. Aus dem Umfeld der Fabrik ist zu hören, dass am Donnerstag noch einmal viele Tränen geflossen sind. Wohl auch, weil aus Sicht des Bremer Werks bis zuletzt eine gute Leistung abgeliefert worden ist. Zuletzt seien die Produktionskapazitäten sogar noch einmal erhöht worden. „Die Trauer ist groß, aber wir sind stolz auf das, was wir geleistet haben“, sagte ein Mitarbeiter, der nicht näher genannt werden möchte, dem WESER-KURIER. Ganz verabschiedet hat sich Kellogg von dem Areal an der Weser allerdings noch nicht: Ein Teil des Geländes soll gut fünf weitere Jahre als Lagerfläche genutzt werden.

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Kellogg Deutschland wurde 1963 in der Hansestadt gegründet, ein Jahr später nahm das Werk die Cerealien-Produktion auf. Bis Ende 2014 war der US-Müsli-Konzern mit zwei Unternehmen in Bremen vertreten: mit der Kellogg Manufacturing GmbH als produzierende Gesellschaft und mit der für Marketing und Vertrieb im deutschsprachigen Raum zuständigen Kellogg Deutschland GmbH. Kellogg Deutschland zog bereits Ende 2014 nach Hamburg, seitdem gab es in der Hansestadt nur noch die Produktionssparte.

Im Oktober 2016 wurde schließlich bekannt, dass auch das Werks-Aus beschlossene Sache ist. Als Begründung wurden damals die zurückgegangenen Produktionszahlen zugrunde gelegt: Eine Standortanalyse habe ergeben, dass die Fabrik in Bremen im Vergleich mit anderen Fabriken den größten Volumenrückgang und die größte Anzahl an nicht ausgelasteten Anlagen zu verzeichnen habe, sagte ein Unternehmenssprecher damals. 2016 wurden an der Weser zwischen 50 000 und 52 000 Tonnen Cerealien hergestellt. Zum Vergleich: 2011 waren es noch 72 000.

Mit Bremen gibt Kellogg nun eines seiner beiden Produktionswerke auf dem europäischen Festland auf. Außer in Valls (Spanien) stellt der Konzern seine Cerealien in Europa nun nur noch in Großbritannien in Manchester und Wrexham her. Im polnischen Kutno produziert das Unternehmen die 2012 übernommene Chipsmarke Pringles.

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Streit um weitere Nutzung

Um die weitere Nutzung des frei werdenden Kellogg-Areals in der Überseestadt hatte es seit Bekanntwerden des Produktions-Endes über Monate hinweg Streit gegeben. Anfang November präsentierten Senat und Unternehmen schließlich eine Lösung, wie es mit dem 15 Hektar großen Grundstück in bester Stadtlage weitergeht: Stadt und Kellogg wollen das Gelände gemeinsam entwickeln. Das ist in einer Absichtserklärung festgehalten worden. Bis Ende Mai wird weiterverhandelt. Dann soll ein städtebaulicher Vertrag zwischen beiden Parteien geschlossen werden, in dem der weitere Planungsprozess, aber auch Fragen etwa zur Aufteilung den Kosten geregelt werden. Die Stadt bekommt also ein Mitspracherecht, wie es auf dem Grundstück weitergeht.

Schon jetzt sind sich aber alle Seiten darüber einig, dass Wohnungen, öffentliche Einrichtungen sowie Raum für Dienstleistungen und Gewerbe auf dem Areal vorstellbar sind. Im bundesweiten Baurecht ist diese Form der Mischnutzung nach Angaben des Bauressorts erst kürzlich als urbanes Gebiet festgeschrieben worden. Im weiteren Planungsprozess wird es dazu ein umfangreiches Beteiligungsverfahren mit allen Betroffenen geben, also auch den Nachbarn, die in dem Teil des Europahafens schon ansässig sind.

Mit dem benachbarten Unternehmen WPD steht zudem schon jetzt ein Investor bereit, der das Gelände von Kellogg kaufen möchte. Kommt der Kaufvertrag zustande, übernimmt der Windparkprojektierer sämtliche Rechte und Pflichten, die zuvor zwischen Stadt und dem US-amerikanischen Konzern vereinbart wurden. Gleichzeitig wird WPD zum Investor, entwickelt das Grundstück also mit.

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WPD hat daran nicht nur ein Interesse als Investor, sondern will auch selbst als Bauherr tätig werden. Denn die Firmenzentrale in Nachbarschaft zum Kellogg-Gelände ist zu klein geworden für die mehreren Hundert Mitarbeiter des Windparkprojektierers. Zudem träumt WPD-Chef Klaus Meier von einem „grünen Quartier“, also einem Gelände, auf dem es Tankstellen für E-Autos gibt, der Strom aus bereits andernorts errichteten Windkraftanlagen kommt und die Gebäude mit Fernwärme geheizt werden.

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