Kommentar über die Flughafen-Krise

Letzter Aufruf für Bremens Airport

Wie konnten Senatsvertreter im Aufsichtsrat jahrelang dabei zusehen, dass das damalige Management die Legende vom zuschussfreien Airport verbreitete, fragt sich Wirtschaftsredakteur Philipp Jaklin.
29.09.2019, 12:00
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Letzter Aufruf für Bremens Airport
Von Philipp Jaklin
Letzter Aufruf für Bremens Airport

Klein und fein, aber auf Zuschüsse des Landes angewiesen: der Flughafen Bremen.

studio b bremen

Landrats-Pisten werden sie oft spöttisch genannt: Kleine Regionalflughäfen fernab der großen Drehkreuze, deren Planung eher der Fantasie größenwahnsinniger Provinzpolitiker entspringt als irgendwelcher wirtschaftlichen Vernunft; Terminals, die nie auszulasten sind und unmöglich Gewinne abwerfen können. So ist schon viel Steuergeld vernichtet worden. Die meisten deutschen Regionalflughäfen haben im vergangenen Jahr Verluste gemacht.

Der Flughafen Bremen, einer der größten regionalen Airports der Republik, hat solche Häme nicht verdient. Es gibt eine lange Luftfahrttradition in der Hansestadt. Kaum einer würde behaupten, dass dieser Flughafen nicht gebraucht wird. Wichtige Industriebetriebe wie Daimler oder Airbus sind auf ihn angewiesen, eine Pilotenschule nutzt ihn. Mehr als eine Millionen Reisende fliegen jedes Jahr ab Bremen in den Urlaub. Es soll sogar Hamburger geben, die den schnell erreichbaren Airport als entspannte Alternative zu ihrem zunehmend verstopften Flughafen zu schätzen gelernt haben.

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Und trotzdem erlebt der Hans-Koschnick-Airport gerade ein Millionendebakel. Jahrelang prahlte man in Bremen damit, als einziger deutscher Regionalflughafen komme er ohne Subventionen aus. Nun müssen plötzlich dringend öffentliche Hilfen her. Nach jahrelanger Misswirtschaft sind Investitionen von über 80 Millionen Euro fällig. Dazu hat die Pleite der Airline Germania ein tiefes Loch in die Bilanz gerissen. Die beeindruckende Erzählung vom subventionsfreien Airport ist als Mär enthüllt. Schlimmstenfalls war das ein Täuschungsmanöver, so lässt es sich im Rückblick nur vermuten – und bestenfalls ein Beispiel von eklatantem Management- und Kontrollversagen.

Zu geringe Passagierzahlen

Als sei es ein Naturgesetz, verweist der Senat neuerdings auf die Passagierzahlen: Mit weniger als fünf Millionen Reisenden pro Jahr, das sei doch völlig klar, sei kein Flughafen wirtschaftlich zu betreiben. Wenn das so klar ist – wie konnten Senatsvertreter im Aufsichtsrat dann jahrelang dabei zusehen, dass das damalige Management um Ex-Flughafenchef Jürgen Bula die Legende vom zuschussfreien Airport verbreitete? Man glaubte es offenbar nur zu gern. Und man ließ zu, dass dringende Ausgaben nicht flossen, um den Betrieb langfristig abzusichern und den neusten Stand der Technik zu ermöglichen. Hier viel kritischer nachzufragen und genauer hinzuschauen, wäre Aufgabe des Kontrollgremiums und des Wirtschaftssenators gewesen. Oder ist man doch hinters Licht geführt worden?

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Den Preis für solch unverantwortliches Wirtschaften haben die Bürger im Land Bremen zu zahlen. Geringer dürfte er durch den jahrelangen Aufschub kaum geworden sein. Hier erinnert der Fall an den Niedergang der früheren Bremer Landesbank, wo Politiker im Aufsichtsrat riskante Geschäfte jahrelang geflissentlich ignorierten, bis es fast zum Kollaps kam. Der Staat als Unternehmer scheitert eben allzu oft an der unternehmerischen Kontrolle. Er muss sich externen Sachverstands bedienen und dafür Profis einspannen, sonst droht das teure Debakel.

Das Drama um die Landesbank endete damit, dass der Senat letztlich leichten Herzens auf das Institut verzichtete. Den Flughafen will Bremens Politik unbedingt retten – zu Recht, denn der Airport ist ein wichtiger Standortfaktor, sichert Jobs und gehört zur zentralen Infrastruktur. Hierfür öffentliches Geld auszugeben, ist gerechtfertigt und auch den Wählern viel leichter zu erklären als Milliarden zur Rettung maroder Geldinstitute.

Mit der Sanierung überfordert

Allerdings könnte Bremen mit der Sanierung überfordert sein. Denn klar ist: Die 12,6 Millionen Euro, die Bremen nun schnell lockermachen will, werden nicht reichen. Dass alleine jährliche Zuschüsse des Landes für die Flughafenfeuerwehr dem Airport den nötigen Spielraum für Investitionen verschaffen, erscheint fraglich. Und der neue Flughafenchef Elmar Kleinert muss erst noch beweisen, dass er zusätzliche Einnahmen erwirtschaften kann – zum Beispiel mit mehr Einzelhandel oder Gastronomie.

Also müssen womöglich andere Lösungen her – das Land könnte unter Druck geraten, Partner und Investoren zu suchen, die Kapital und am besten Expertise mitbringen. Aber warum ist Bremen überhaupt alleiniger Betreiber des Koschnick-Airports? Selbst das reiche Hamburg hat in Fuhlsbüttel einen privaten Flughafeninvestor als Mitgesellschafter zur Seite. Am Flughafen Leipzig sind außer dem Freistaat Sachsen auch das Land Sachsen-Anhalt beteiligt plus mehrere Kommunen. Bremen ist ein Flughafen für die Metropolregion im Nordwesten. Ihn zu erhalten, sollte auch eine Aufgabe für die ganze Region sein.

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