Bremer Hafenarbeiter Löhne für BLG-Beschäftigte sinken

Bremen. Die Beschäftigten der BLG müssen in Zukunft eine deutliche Absenkung ihrer Löhne und Gehälter hinnehmen. Unter dem Eindruck der massiven Einbrüche im Hafenumschlag und in der Automobilindustrie ist ein neuer Haustarif ausgehandelt worden, der bis Ende 2011 gilt.
12.01.2010, 20:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Annemarie Struss-v. Poellnitz und Krischan Förster

Bremen. Die Beschäftigten der BLG müssen in Zukunft eine deutliche Absenkung ihrer Löhne und Gehälter hinnehmen. Unter dem Eindruck der massiven Einbrüche im Hafenumschlag und in der Automobilindustrie ist ein neuer Haustarif ausgehandelt worden, der bis Ende 2011 gilt. Das setzt auch den Gesamthafenbetriebsverein (GHBV) unter Druck: Morgen beginnen die Verhandlungen um eine Absenkung der Löhne auch beim GHBV. Dagegen regt sich heftiger Widerstand.

Hunderte empörter Hafenarbeiter werden heute in Bremen erwartet. Sie wollen sich gegen das von der Hafenwirtschaft geplante 'massive Lohndumping wehren', teilte der Betriebsrat des GHBV mit. Bei den heute beginnenden Verhandlungen zwischen dem Unternehmensverband Bremische Häfen (UBH) und der Gewerkschaft ver.di soll die Einführung einer neuen, im gesamten Hafenbereich geltenden Billig-Lohngruppe vereinbart werden. Künftig sollen GHBV-Mitarbeiter als Fahrer auf dem Autoterminal der BLG nur noch neun Euro pro Stunde bekommen. Bisher waren es zwischen 13 und 15 Euro. 'Das lassen wir uns nicht gefallen', sagt GHBV-Betriebsratsmitglied Jürgen Boettcher. Für manche der insgesamt bis zu 850 Betroffenen seien das 1000 Euro im Monat weniger, 'davon kann doch keiner leben'.

Für die BLG-Beschäftigten liegt ein fertig verhandelter Haustarifvertrag auf dem Tisch, der wegen Erkrankung einiger Akteure noch nicht unterschrieben ist. 'Die Ergebnisse sind auf elf Betriebsversammlungen mit den Mitarbeitern diskutiert und schweren Herzens akzeptiert worden', sagt der Betriebsratsvorsitzende für die Bremer Unternehmensteile, Dieter Strerath.

Die einzelnen Betriebsteile der BLG sind unterschiedlich betroffen. Aus historischen Gründen gibt es zahlreiche verschiedene Regelungen. Am härtesten trifft es die im Bereich Cargo Beschäftigten in den stadtbremischen Häfen. Dort ist der Umschlag um 45 Prozent eingebrochen. Die Mitarbeiter werden in die unterste Lohngruppe des Hafentarifs eingruppiert. Sie müssen auf fünf Prozent ihres Lohnes verzichten und künftig 40 statt 37 Stunden arbeiten, erhalten aber eine Ausgleichszahlung.

Die Erhöhung der Arbeitszeit auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich gilt für alle Beschäftigungsteile. Außerdem gibt es etliche Umgruppierungen. Das Ziel der Unternehmensleitung bei den Verhandlungen war die Flexibilisierung der Arbeit, damit Beschäftigte je nach Auftragslage in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden können, sowie eine dauerhafte Absenkung des Lohnniveaus. Für die Betriebsräte und die Gewerkschaft ver.di ging es vor allem darum, die Beschäftigten abzusichern. Das ist mit dem erzielten Ergebnis gelungen. Betriebsbedingte Kündigungen wird es bei der Stammbelegschaft nicht geben. Allerdings sind Ende des Jahres 70 befristete Verträge ausgelaufen.

Ein Sonderfall ist der Bereich Autotec in Bremerhaven. Der einst als 'größte Autowerkstatt Europas' gefeierte Betrieb soll umstrukturiert werden und lukrative Aufgaben an das Autoterminal Bremerhaven abgeben. Damit verbunden ist der Wechsel von 208 der rund 500 Arbeitskräfte. 'Eine Benachteiligung für die Beschäftigten der BLG ist damit nicht verbunden', versichert Personalleiter Dieter Schumacher. Sie könnten wählen, ob sie ihren alten Tarif behalten oder in den Hafentarif wechseln.

Das sieht Hans-Werner Schmolke von der IG Metall anders. Er hält die geforderte Mehrarbeit ohne Lohnausgleich für nicht akzeptabel und befürchtet, die Autowerkwerkstatt könnte ganz aufgelöst werden. Für diesen Bereich gibt es noch keine Einigung zwischen den Tarifparteien. Besonderer Streitpunkt ist ein sogenannter Fahrerpool, der beim Autoterminal angesiedelt ist. Hier gilt für alle neuen Beschäftigten ein Tarif von neun Euro Stundenlohn.

Dadurch wird der Druck auf den Gesamthafenbetriebsverein nun noch größer. Der Personaldienstleister, von den Hafenunternehmen ohnehin nur in Spitzenzeiten eingesetzt, bekommt die Folgen der Krise am heftigsten zu spüren.

Bereits im Sommer waren 1000 Jobs endgültig verloren gegangen. Angesicht der anhaltenden Flaute drohen rund 650 Hafenarbeitern jetzt weitere schmerzhafte Lohneinbußen. Künftig soll auch für die Containerbrücken- und VanCarrier-Fahrer, wenn sie in den Automobilumschlag wechseln, die neue unterste Lohngruppe gelten. Statt bis zu 20 Euro gibt es dann nur noch neun Euro.

GHBV-Geschäftsführer Hubertus Ritzke sitzt morgen mit am Verhandlungstisch. Ihm dürfte es kaum gelingen, den Verein zu erhalten und gleichzeitig seinen Mitarbeitern Einbußen zu ersparen. 'Wir haben wohl keine andere Wahl', sagt Ritzke. Der Betriebsrat sieht jetzt die Politik gefordert. 'Die Wirtschaft mit der BLG an der Spitze versucht, die Krise auszunutzen und die Einsparungen auf uns abzuwälzen', sagt Boettcher.

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