Firmensitz der Pleite-Reederei auf dem Teerhof

Lösung für Beluga-Zentrale wird gesucht

Bremen. Mit verkleinerter Flotte ist Beluga wieder halbwegs auf Kurs, jetzt nehmen sich die Sanierer die Kommandozentrale vor: Der Firmensitz der Pleite-Reederei ist zum Fall für Makler geworden. Erste Interessenten haben sich in dem Gebäude schon umgeschaut.
23.04.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Lösung für Beluga-Zentrale wird gesucht
Von Christian Weth

Bremen. Mit verkleinerter Flotte ist Beluga wieder halbwegs auf Kurs, jetzt nehmen sich die Sanierer die Kommandozentrale vor: Der Firmensitz der Pleite-Reederei ist zum Fall für Makler und Entwickler geworden. Wie es aus Kreisen der Immobilienbranche heißt, wird daran gearbeitet, neue Unternehmen für das Bürohaus zu gewinnen. Erste Interessenten hätten sich in dem Gebäude, das für 30 Millionen Euro errichtet wurde, schon umgeschaut. Doch Zusagen gebe es bisher keine.

Teerhof 59. Die Adresse stand für den Aufstieg des einstigen Vorzeige-Reeders Niels Stolberg - jetzt steht sie für seinen Niedergang. Genau das könnte zum Problem werden. An dem Gebäude, das Anfang des Jahres vom Bund Deutscher Architekten ausgezeichnet wurde, haftet der Makel des Scheiterns, meinen Branchenkenner. Manche glauben sogar, noch einen weiteren Grund gefunden zu haben, warum sich Interessenten nicht bloß zurück-, sondern auch bedeckt halten: Wer sich zu sehr beeilt, in die Beluga-Zentrale einzuziehen, könnte als Kriegsgewinnler gelten. Und das will niemand.

Gerüchte, wer einziehen könnte, gibt es mehr als genug. In Wirtschaftsforen im Internet werden Kraft Foods und Kühne & Nagel als Kandidaten gehandelt: zwei Global Player, Lebensmittelhersteller der eine, Logistiker der andere. Doch wer nachfragt, bekommt entweder keine oder eine abschlägige Antwort. "Nein, solche Pläne sind mir nicht bekannt", sagt Inge Lauble-Meffert von Kühne & Nagel. Dabei hätte es der Logistiker gar nicht weit. Schließlich liegt seine Firmenzentrale in Bremen vis-à-vis zum Beluga-Gebäude - und soll obendrein nicht mehr ausreichend Platz für die Mitarbeiter bieten.

Als ausgemacht gilt indes für Bremer Immobilienhändler, dass Finanzinvestor Oaktree nach seiner Beluga-Übernahme schon bald die verbliebene Reederei-Crew vom Teerhof abzieht. Insider rechnen nur noch in Wochen. Dafür spreche nicht bloß die rührige Suche nach Interessenten für den alten Firmensitz, sondern auch die Adresse des neuen Unternehmens "Hansa Heavy Lift", in das Beluga aufgehen soll: Martini-straße1. Mehrere Etagen des Gebäudes, an dem mittlerweile der Namenszug des Reederei-Nachfolgers prangt, sollen der US-amerikanischen Gesellschaft bereits seit Längerem gehören. Also müsse sie dort keine Miete zahlen.

Anders als auf dem Teerhof, wie es heißt. Zwar habe Oaktree die Reederei übernommen. Doch Eigentümerin des Bürohauses, das erst vor drei Jahren eröffnet wurde, sei der Finanzinvestor deshalb nicht. Makler ordnen Gebäude und Grundstück einer Gesellschaft zu, die den Titel "Zweite Teerhof-Beteiligungs GmbH" trägt. Und in der mische eine Beluga-Tochter mit, die noch nicht aufgelöst ist. Bis Ende März hat die Pleite der Reederei insgesamt 13 hauseigene Unternehmen in die Insolvenz getrieben. In nur neun Tagen.

Auch das Bremer Top-Restaurant "Outer Roads", das sich über die Stockwerke fünf und sechs der Beluga-Zentrale erstreckt, blieb nicht verschont. In den beiden Etagen regiert seither Stefanie Lüthje als vorläufige Insolvenzverwalterin. Wie und ob es mit dem Gastronomiebetrieb weitergeht, der Gästen einen Panoramablick auf Weser und City gewährt, vermag die Bremer Juristin nicht abschließend zu sagen. Und was in den unteren Etagen des Gebäudes vor sich geht, wisse sie schlichtweg nicht: "Bisher hat noch kein Interessent für die Büro-Geschosse mit mir Kontakt aufgenommen."

Dass es Interessenten gibt, dementiert Christian Berg nicht. Der Sprecher von Insolvenzverwalter Edgar Grönda, zuständig für die restlichen Stockwerke des 10000 Quadratmeter großen Gebäudes, bestätigt es aber auch nicht. Er bleibt unbestimmt, wenn es um die Zukunft der Firmenzentrale geht. Genauso wie Oaktree nichts Konkretes über den Umzug der von 600 auf rund 80 Mitarbeiter geschrumpften Belegschaft verlauten lässt. Berg sagt nur, was er schon öfter gesagt hat: dass es zu früh ist, um etwas zu sagen - und dass die dreimonatige Prüfungsfrist für die Insolvenz noch nicht verstrichen ist.

Während Berg kein genaues Datum nennt, bis wann die Frage geklärt sein könnte, was aus der Firmenzentrale der angeschlagenen Reederei wird, wollen Unternehmen der Immobilienbranche mehr wissen. Sie gehen davon aus, dass noch vor Ablauf der Prüfungsfrist über die Zukunft des Beluga-Gebäudes entschieden ist und ein Konzept mindestens eines Unternehmens vorliegt. Manche sprechen sogar von den nächsten beiden Wochen - und nicht etwa von irgendeiner Firma, sondern von einer aus der maritimen Branche. Wie Beluga, nur ohne negative Vorzeichen.

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