Logistikbranche in Bremen

Mehr Beschäftigung

12,5 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten arbeiten in Bremen in der Logistik - eine boomende Branche mit weit auseinanderliegenden Lohn- und Gehaltsgruppen, so die Arbeitnehmerkammer.
17.06.2021, 19:01
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Von Peter Hanuschke
Mehr Beschäftigung

Im Land Bremen arbeitet der Erhebung der Arbeitnehmerkammer zufolge fast die Hälfte der Logistikbeschäftigten in der Lagerwirtschaft - unter anderem im Gütervkehrszentrum.

Christian Ring

Seit Jahren boomt die Logistikbranche – 41.700 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gibt es laut der Arbeitnehmerkammer im Land Bremen in diesem Sektor. Das entspricht 12,5 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Gegenüber 2013 sei die Beschäftigung im Bereich der Logistik (10,7 Prozent) etwas stärker angewachsen als die Gesamtbeschäftigung (10,3 Prozent) im Land Bremen. Allerdings gebe es hier sehr weit auseinander liegende Lohn- und Gehaltsgruppen. Die Arbeitnehmerkammer zieht 2013 als Vergleichsjahr heran, weil davor eine neue Berufsklassifikation im Logistikbereich durch die Bundesagentur für Arbeit stattgefunden hatte.

Im Land Bremen arbeitet der Erhebung zufolge fast die Hälfte der Logistikbeschäftigten in der Lagerwirtschaft. Die zweitgrößte Gruppe bilden Berufskraftfahrer. Prozentual am stärksten gestiegen ist die Zahl der Speditions- und Logistikkaufleute – im Vergleich zu 2013 um 19 Prozent. Zurückgegangen ist dagegen die Zahl der Arbeitsplätze im Güter- und Warenumschlag.

Der Anteil der Helfer, die im Logistiksektor arbeiten, ist laut Arbeitnehmerkammer genauso groß wie der der Fachkräfte. 95 Prozent der Hilfskräfte sind demnach in der Lagerwirtschaft tätig, davon seien die meisten der sogenannten Leistungsgruppe 5 zugeordnet, in der ein Bruttoverdienst von 2037 Euro gezahlt werde. Insgesamt gibt es fünf dieser Leistungsgruppen, von Gruppe eins ("Beschäftigte in leitender Stellung") über zwei ("Arbeitnehmer mit sehr schwierigen Tätigkeiten, für die spezielle Fachkenntnisse erforderlich sind") bis hin zur fünften Gruppe ("Ungelernte Beschäftigte"). Das durchschnittliche Einkommen im Logistiksektor liege bei 3.703 Euro brutto – etwa 350 Euro unter dem Bremer Durchschnitt.

Die Arbeitnehmerkammer geht davon aus, dass die zunehmende Digitalisierung viele Tätigkeiten in der Logistik überflüssig machen könnte. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung könnten schon heute mehr als die Hälfte der Logistiktätigkeiten von Maschinen oder mit Hilfe künstlicher Intelligenz erledigt werden. Dies korrespondiert mit den Ergebnissen der Beschäftigtenbefragung der Arbeitnehmerkammer aus dem Jahr 2019, wonach fast 25 Prozent der Beschäftigten im Logistiksektor ihren Arbeitsplatz durch die Digitalisierung gefährdet sehen. „Und doch wächst der Logistiksektor aktuell und trägt im Land Bremen entscheidend zum Beschäftigungsplus bei“, sagt Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer. Die Arbeitgeber müssten allerdings umdenken und ihre Mitarbeiter umfassend für die anstehende Digitalisierung qualifizieren. „Damit der Fortschritt am Ende nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird.“

Die meisten im Logistiksektor im Land Bremen tätigen Arbeitnehmer arbeiten laut dem Branchenreport der Arbeitnehmerkammer in Vollzeit. Die Vollzeitquote liege mit etwa 85 Prozent deutlich über der der Gesamtbeschäftigung. Auch Frauen arbeiteten in der Logistik häufig in Vollzeit – die meisten Vollzeitstellen für Frauen seien dabei bei den Helferinnen in der Lagerwirtschaft (plus 505), den Fachkräften der Logistik und Speditionskaufleute (plus 162), den Fachkräften in der Lagerwirtschaft (plus 150) und den Berufskraftfahrerinnen (plus 85) entstanden.

Vergleichsweise hoch sei die Leiharbeitsquote – und zwar insbesondere in der Lagerwirtschaft, in der die Hälfte der Logistikbeschäftigten tätig ist. Sie liege hier bei 17,2 Prozent - in der Gesamtwirtschaft sei der Anteil 3,4 Prozent. Die Beschäftigtenbefragung „Koordinaten der Arbeit im Land Bremen“ der Arbeitnehmerkammer habe gezeigt, dass sich mehr als die Hälfte der von Leiharbeit betroffenen Arbeitnehmer in der Logistik in hohem Maße dadurch belastet fühle.

Von den Arbeitsbedingungen her gebe es noch in anderen Bereichen Verbesserungsbedarf, sagt die Arbeitnehmerkammer und verweist auf den vom Deutschen Gewerkschaftsbund veröffentlichten Index „Gute Arbeit“. Dieser Index gebe Auskunft über die Arbeitsqualität in verschiedenen Branchen. Die Arbeitsqualität des Logistiksektors „Verkehr und Lagerei“ liege dabei im unteren Mittelfeld. Verbesserungspotenziale hätten die Beschäftigten hinsichtlich der individuellen Gestaltungsmöglichkeiten, der körperlichen Belastungen und der finanziellen Aspekte ihrer Arbeit gesehen. Danach haben drei von vier Befragten angegeben, keinen Einfluss auf die Arbeitsmenge zu haben. Knapp die Hälfte der Befragten stehe häufig unter Zeitdruck, müsse ungünstige Körperhaltungen einnehmen und bei Lärm arbeiten.

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