Aus für Logistik-Marketingverbund Logistikverbund Via Bremen vor dem Aus

Der Marketingverbund Via Bremen für die Logistikbranche und Hafenwirtschaft wird eingeschrumpft: Geschäftsführer und Geschäftsstelle werden abgeschafft. Via Bremen bleibt nur als Dachmarke übrig.
30.05.2017, 21:23
Lesedauer: 4 Min
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Von Maren Beneke und Peter Hanuschke

Der Marketingverbund Via Bremen für die Logistikbranche und Hafenwirtschaft wird eingeschrumpft: Geschäftsführer und Geschäftsstelle werden abgeschafft. Via Bremen bleibt nur als Dachmarke übrig.

Dass Standortmarketing in einer globalen Welt wichtig ist, darüber sind sich alle Akteure in der Bremer Hafen- und Logistikwirtschaft einig. Bloß in der Umsetzung spiegelt sich diese Erkenntnis nicht wider: Denn im Gegensatz zu Standorten wie Hamburg gibt es in Bremen gleich mehrere Organisationen, die sich im weitesten Sinne um die Vermarktung und Interessenvertretung der Häfen und ihrer Betriebe kümmern.

Und wer was macht, ist oft undurchsichtig. Deshalb wird nun aufgeräumt: Die Organisation Via Bremen wird es in ihrer bisherigen Form künftig nicht mehr geben, Geschäftsführer und Geschäftsstelle werden abgeschafft. Übrig bleibt Via Bremen lediglich als Dachmarke.

Vorstandsvorsitzender Robert Howe

„Via Bremen als eine Parallel-Organisation im operativen Bereich zur Bremischen Hafenvertretung aufbauen zu wollen, hat sich nicht bewährt“, räumt Robert Howe ein. Howe, Geschäftsführer der stadtbremischen Hafengesellschaft Bremenports, ist seit Kurzem Vorstandsvorsitzender von Via Bremen, nachdem Andreas Niemeyer überraschend von diesem Posten zurückgetreten war. Als Geschäftsführer der B. Dettmer Reederei war Niemeyer im engeren Vorstand der einzige Vertreter bei Via Bremen aus der Privatwirtschaft.

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Dass die Umstrukturierung bei Via Bremen jetzt stattfinde, liege auch daran, weil der derzeitige Geschäftsführer Günther Hörbst gekündigt habe, so Howe. Da Hörbst in Doppelfunktion die Geschicke bei Via Bremen und der Bremischen Hafenvertretung geleitet hat, gibt er auch diesen Posten auf. „Dass eine Person Geschäftsführer von beiden Organisationen ist, hat es nicht einfacher gemacht, jeweils ein klares Profil herauszuarbeiten“, sagt Howe.

Ähnliches ist von Tim Cordßen, Sprecher bei Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD), zu hören. Das Wirtschaftsressort gehört zu den Hauptförderern von Via Bremen. „Wir brauchen Via Bremen als Marke, aber nicht als Organisation“, sagt er.

Gebündelte Interessen und Marketing

Für die Wirkung und Funktion der Marke habe es Anfang Mai großen Zuspruch auf der Leitmesse Transport Logistic in München gegeben, wo Bremen und Bremerhaven mit einem Gemeinschaftsstand unter der Marke Via Bremen aufgetreten waren. Laut Cordßen sollen in Zukunft die Interessen der Hafenwirtschaft bei der BHV gebündelt sein, Bremenports übernimmt das Hafenmarketing.

Gegründet wurde Via Bremen 2011 als Standortmarke mit dem Zweck, die Hafen- und Logistikwirtschaft in Bremen zu repräsentieren. Im nationalen und internationalen Wettbewerb sollte der Standort unter dem Label bekannter gemacht werden. Die Vermarktung sollte dabei über die der Häfen hinausgehen: Vertreten werden sollten nicht nur klassische Hafenbetriebe, sondern der Logistikstandort Bremen als Ganzes.

Gründe, warum es bislang aber offenbar nicht gelungen ist, mit Via Bremen eine funktions- und tragfähige Organisation zu schaffen, gibt es einige. Zum einen hat die Umwidmung von einem Verein in eine Stiftung vor gut drei Jahren offensichtlich nicht den Erfolg gebracht, den sich die Verantwortlichen erhofft hatten. Damals hieß es, die Organisation wolle sich durch die neue Struktur stärker für die in großen Teilen mittelständisch aufgestellte Hafen- und Logistikwirtschaft öffnen.

Finanzielle Unterstützung

Das zeigt sich bislang allerdings nicht bei den maßgeblich handelnden Akteuren: Hauptförderer sind neben dem Wirtschaftsressort die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB), der Flughafen Bremen, Bremenports, BLG Logistics und die Bremische Hafenvertretung – und damit in großen Teilen Behörden und staatlich gelenkte Unternehmen. Die mittelständischen Betriebe aber, so ist zu hören, stehen nicht hinter dieser Struktur – finanzielle Unterstützung im erhofften Maß ist ausgeblieben.

Hinzu kommt, dass es offensichtlich seit Jahren ein Kompetenzgerangel zwischen den verschiedenen Organisationen gibt. Mit Bremenports existiert eine eigene Gesellschaft, die mit der Vermarktung der Infrastruktur der bremischen Häfen betraut ist. An einer klaren Abgrenzung aber, wo Hafenmarketing anfängt und wo es aufhört, fehlt es bislang und damit auch an einer klaren Definition, welchen Zusatznutzen Via Bremen eigentlich bringen kann. Die Zersplitterung in die einzelnen Instanzen hat bis zuletzt offenbar kaum jemand nachvollziehen können.

Auch die Zusammensetzung der Gremien von Via Bremen scheint nicht immer zielführend gewesen zu sein: Im Vorstand etwa sitzen Vertreter von Bremenports, WFB und BLG Logistics. „Via Bremen ist auch an der Passivität der handelnden Akteure gescheitert“, sagt ein Vertreter der Branche, der nicht näher genannt werden möchte. Ob sich mit dem Ende von Via Bremen in der bisherigen Form etwas an den Auseinandersetzungen ändert, ist fraglich: Vertreter der Hafenwirtschaft erwarten nun einen Rückfall in alte Grabenkämpfe zwischen Bremenports, BHV und der WFB, die ebenfalls Standortmarketing betreibt.

Schwierige Vermarktung

An der Vermarktung der Bremer Hafen- und Logistikwirtschaft haben sich in der Vergangenheit bereits mehrere – mal mehr, mal weniger erfolgreich – versucht. Einst gab es Keyports als Ableger von Bremenports. Dann das Kompetenzzentrum Logistik Bremen unter Führung von Hanspeter Stabenau, dem langjährigen Vorstandschef der Bundesvereinigung Logistik, und des ehemaligen Verkehrsstaatssekretärs Jörg Hennerkes.

Via Bremen war der nächste Versuch, eine geeignete Dachorganisation aufzubauen – mit insgesamt drei Geschäftsführern – immer in Doppelfunktion mit der BHV-Leitung – in den vergangenen sechs Jahren: Auf Klaus Platz, der altersbedingt ausschied, folgte 2014 Uwe Will, der sich im vergangenen Jahr ebenfalls in den Ruhestand verabschiedete. Hörbst übernahm die Bremische Hafenvertretung im April 2016 und im Juli dann auch Via Bremen.

Bei der Bremischen Hafenvertretung (BHV) läuft es dagegen rund: stetig steigende Mitgliederzahlen und regelmäßig ausgebuchte Veranstaltungen wie den Hafenclub, den Kapitänstag oder das Schlachtfest. Die Kündigung des Geschäftsführers habe keinerlei Auswirkungen auf die Zukunft der BHV – die sei geklärt, so BHV-Präsident Hans-Joachim Schnitger: Die kommissarische Geschäftsführung wird erneut Klaus Platz übernehmen. Bei der Nachfolge für die Leitung wolle man sich nun die nötige Zeit nehmen. Es gebe bereits aussichtsreiche Kandidaten.

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