Entscheidung für MKS 180

Lürssen am Bau des Mehrzweckkampfschiffs beteiligt

Nicht nur bei Blohm+Voss soll das neue Mehrzweckkampfschiff „MKS 180“ gebaut werden. Wie Damen dem WESER-KURIER mittteilte, werden auch anderen Standorte des Bremer Unternehmens Lürssen mit eingebunden.
14.01.2020, 08:46
Lesedauer: 3 Min
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Lürssen am Bau des Mehrzweckkampfschiffs beteiligt
Von Florian Schwiegershausen
Lürssen am Bau des Mehrzweckkampfschiffs beteiligt

Hier bei Blohm+Voss soll ein Großteil des neuen Mehrzweckkampfschiffs "MKS 180" gebaut werden, aber auch an anderen Standorten der Bremer Lürssen-Werftengruppe.

Markus Scholz

Für die Deutsche Marine sollen die neuen Mehrzweckkampfschiffe (MKS 180) zur Allzweckwaffe werden. So hat es das Bundesverteidigungsministerium formuliert und entschieden: Der Auftrag für die vier MKS 180 im Wert von mehr als fünf Milliarden Euro ist ans niederländische Familienunternehmen Damen gegangen und an Blohm+Voss. Doch nicht nur in Hamburg, sondern auch an den anderen Standorten der Bremer Lürssen-­Werftengruppe soll an den neuen Marineschiffen gebaut werden. Bei Lürssen wollte sich niemand zu der Entscheidung äußern, man verwies auf die Damen-Gruppe, die die Federführung bei diesem Projekt hat.

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Mit diesem Auftrag erscheint nun auch die Überdachung von Dock 10 bei Blohm+Voss in einem anderen Licht. Hier kündigte Lürssen bereits vergangenen Juli an, auf 200 Metern eines der längsten überdachten Schwimmdocks Europas zu schaffen. Schon damals sagte der Aufsichtsratsratsvorsitzende von Blohm+Voss, Klaus Borgschulte, damit werde eine bessere Infrastruktur für potenzielle Marine-­Neubau-Aufträge geschaffen, „insbesondere das Projekt MKS 180“.

Die neuen Schiffe sollen eine Länge von gut 155 Metern haben und einer 110-köpfigen Besatzung Platz bieten. Das MKS 180 soll zwei Jahre ununterbrochen im Einsatzgebiet bleiben können und mithilfe von Einbaumodulen für unterschiedliche Missionen variabel einsetzbar sein. Es ist der größte Marineauftrag dieser Art in der Geschichte der Bundeswehr.

Europaweite Ausschreibung des Auftrages

Das Verteidigungsministerium hatte den Auftrag europaweit ausgeschrieben. Das hätte es nicht tun müssen, denn die EU-Statuten erlauben bei Rüstungsgütern eine nationale Ausschreibung. Um den Auftrag hatte sich anfangs Lürssen zusammen mit Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) beworben. Doch die waren als erste aus dem Rennen, sodass neben Damen noch die Werft German Naval Yards (GNY) in Kiel übrig blieb, wobei hier später auch TKMS beteiligt war.

Laut Damen werden rund 80 Prozent der gesamten Nettoinvestitionen als Wertschöpfung in Deutschland verbleiben. Das niederländische Familienunternehmen beschäftigt an 36 Standorten weltweit 12.000 Mitarbeiter und machte 2018 einen Umsatz von zwei Milliarden Euro. Die elektronischen Einsatzsysteme kommen vom französischen Rüstungskonzern Thales und werden zu 70 Prozent in Kiel und Wilhelmshaven gebaut.

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Im Vorfeld gab es Kritik, dass beim Zuschlag für Damen ein Teil der Wertschöpfung außerhalb Deutschlands verbleiben werde. Das hatte auch die Kieler Werft GNY in den vergangenen zwei Jahren als Argument genutzt, um darauf zu verweisen, dass sie für eine vollständige Wertschöpfung in Deutschland garantieren könne. Entsprechend enttäuscht zeigten sich nun diejenigen, die nicht zum Zuge gekommen sind.

Gerade bei TKMS könnte diese Entscheidung einen massiven Stellenabbau bedeuten. Konzernvorstand Oliver Burkhard teilte auf Twitter mit, dass mehr als 1000 Arbeitsplätze gefährdet seien. Die Hälfte davon entfielen demnach auf Hamburg. In Emden seien 200 Stellen bedroht und in Kiel 300.

Enttäuschung über Entscheidung

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) äußerte sich ebenso enttäuscht über die Entscheidung. Sie passe nicht zur Verabredung im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD, den Überwasserschiffbau in Zukunft als Schlüsseltechnologie einzustufen.

Die angekündigte Vergabe hat auch die IG Metall auf den Plan gerufen. „Der Zuschlag für die niederländische Damen-Gruppe und die Hamburger Werft Blohm+Voss darf die Zukunft anderer Werften und Zulieferer in Norddeutschland nicht gefährden“, äußerte sich der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Daniel Friedrich. „Bund, Länder, Unternehmen und IG Metall müssen gemeinsam nach Wegen suchen, wie die Standorte und Beschäftigung von Werften und Zulieferern in Norddeutschland erhalten bleiben.“

GNY-Sprecher Heiko Landahl-Gette sagte: „Wir wollen die Entscheidung erst mal aus- und bewerten.“ Laut Verteidigungsministerium erfolgt der Auftrag über die vier MKS 180 vorbehaltlich einer Nachprüfung vor der Vergabekammer. Bei der Auftragsvergabe von fünf Korvetten im Jahr 2017 hatte GNY gegen die Entscheidung geklagt und wurde am Ende doch noch beteiligt. Zu dieser Option hat sich GNY bisher nicht geäußert.

+++Dieser Text wurde um 22.59 Uhr aktualisiert+++

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