Überdachung für Schwimmdock

Lürssen hübscht Blohm+Voss auf

Die Bremer Lürssen-Gruppe will 13 Millionen Euro in die Überdachung des Blohm+Voss-Schwimmdocks 10 im Hamburger Hafen investieren. Architektonisch fügt sich die Konstruktion nahtlos ins Hafenpanorama ein.
29.01.2020, 21:44
Lesedauer: 3 Min
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Lürssen hübscht Blohm+Voss auf
Von Peter Hanuschke
Lürssen hübscht Blohm+Voss auf

Der Entwurf für die Hallenkonstruktion für das Blohm+Voss-Schwimmdock stammt vom Stuttgarter Architekten Werner Sobek. Blohm+Voss gehört seit 2016 zur Bremer Unternehmensgruppe Lürssen.

Werner Sobek

Überdachte Schwimmdocks zeichnen sich selten durch architektonische Raffinesse aus. In der Regel sind sie eher praktisch und für den Zweck gebaut. Im Hamburger Hafen soll sich das ändern, dafür will die Bremer Lürssen-Gruppe sorgen: Das Unternehmen will 13 Millionen Euro am Standort seiner Werftentochter Blohm+Voss in die Überdachung des Docks 10 investieren – und das in einer ganz besonderen Optik.

Mit einer Länge von 287 Metern wäre das 1966 gebaute Dock 10 das größte überdachte Schwimmdock Europas. Die nach Entwürfen des Stuttgarter Architekten Werner Sobek gestaltete Hallenkonstruktion wird sicherlich nicht die Elbphilharmonie als Touristenattraktion ablösen, aber für einen noch längeren Stopp bei Hafenrundfahrten sorgen – als Blickfang im Hamburger Hafenpanorama.

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„Die Traditionswerft Blohm+Voss gehört zum maritimen Standort Hamburg und ist aus dem Hafenpanorama nicht wegzudenken„, sagte Dorothee Stapelfeldt (SPD), Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, bei der Präsentation des Entwurfs an diesem Mittwoch in Hamburg. “Der Entwurf für das neue Dach von Dock 10 sichert den Werftbetrieb im dann größten überdachten Schwimmdock Europas und überzeugt durch seine hohe gestalterische Qualität, die der prominenten Lage gegenüber von den Landungsbrücken und dem Fischmarkt gerecht wird.“

Für Lürssen geht es aber nicht nur um die Optik: „Der Umbau ermöglicht es uns, das Reparatur- und Refit-Leistungsspektrum für bestehende und potenzielle Kunden von Jachten, Marine- und Kreuzfahrtschiffen deutlich zu erweitern und die Attraktivität des Standorts insbesondere für unsere Jacht-Kunden noch einmal zu steigern", sagte Klaus Borgschulte, Aufsichtsratsvorsitzender von Blohm+Voss. Die optimierte Infrastruktur schaffe zugleich sehr gute Bedingungen für den Neubau komplexer Marine-Aufträge – etwa für den Bau der neuen Fregattenserie MKS 180. „Darüber hinaus verbessern wir maßgeblich die Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und machen uns von Wettereinflüssen unabhängiger.

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Durch die Einhausung können wir zudem die Lärmemissionen sowie den Energieverbrauch deutlich reduzieren.“ Zudem sei es das Ziel von Lürssen, dass sich die Baukosten für die Hallenkonstruktion im Kostenrahmen anderer sonst üblichen Varianten bewegten, sagte Lürssen-Sprecher Oliver Grün dem WESER-KURIER. Die Hallenkonstruktion besteht künftig an der Längsseite aus Fachwerkstützen, die abwechselnd nach innen und außen gedreht angeordnet sind. Durch die dazwischen gespannten und gekrümmten Flächen entsteht eine Faltung.

Die Membran der Fassadenflächen sorgt laut Lürssen für ein schönes Licht im Inneren, während im mittleren Bereich der Nordfassade eine transparente Membran eine Art Schaufenster zu den Landungsbrücken entstehen lässt. „Von den Landungsbrücken aus können wir weiterhin die großen Schiffe bestaunen, die an der Elbe in erster Reihe neu gebaut werden oder zur Überholung bei Blohm+Voss zu Gast sind„, sagt Franz-Josef Höing, Oberbaudirektor in Hamburg.

“Werner Sobek zeigt mit seinem souveränen Entwurf, dass es möglich ist, technische Anforderungen und architektonische Ansprüche auf das Schönste zu verbinden.„ Das Dock 10 werde so zum Schaufenster und setzt einen neuen Akzent in der Hafenkulisse. Architekt Sobek sagt zur Konstruktion: „Die textile Hülle ist poetisch und nützlich zugleich. Sie schützt Menschen und Objekte vor den Unbilden des Wetters, ohne die Blickbeziehungen zwischen innen und außen zu stören.“ Dock 10 werde so zu einer wichtigen Ergänzung des Hamburger Stadtbildes.

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Laut Lürssen ist geplant, den Bau der Hallenkonstruktion ab Mitte 2020 bei Blohm+Voss umzusetzen. Dazu soll zunächst die aktuell in Elbe 17 gedockte Jacht in Dock 10 geschwommen und anschließend gemeinsam in Elbe 17 gedockt werden. Während des Aufbaus der Hallenkonstruktion laufen die Arbeiten an der Jacht nach Angaben von Lürssen unvermindert weiter.

Nach einer voraussichtlichen Bauzeit von rund sechs Monaten werden das Schwimmdock sowie die Jacht bis zur geplanten Fertigstellung des Schiffes an den Bremer Werftstandort Berne verholt. Voraussichtlich 2022 geht das Dock dann wieder zurück an seine ursprüngliche Position bei Blohm+Voss in Hamburg.

Blohm+Voss wurde 2016 durch die Lürssen-Gruppe übernommen. Seither hat der neue Eigentümer nach eigenen Angaben bereits etwa 20 Millionen Euro in die Hamburger Werft investiert. Nach Abschluss der Arbeiten an der Einhausung erhöht sich die Investitionssumme bei Blohm+Voss damit auf über 33 Millionen Euro.

+++ Dieser Text wurde aktualisiert um 21:44 Uhr +++

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