Bremer Verkehrsfliegerschule

Wenig Chancen auf einen Platz im Cockpit

Für angehende Lufthansa-Piloten an der Bremer Verkehrsfliegerschule stehen die Chancen derzeit schlecht, künftig für die Airline zu fliegen. Grund: die schlechte wirtschaftliche Situation von Lufthansa.
25.06.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Wenig Chancen auf einen Platz im Cockpit
Von Peter Hanuschke
Wenig Chancen auf einen Platz im Cockpit

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind auch an der Bremer Verkehrsfliegerschule zu spüren: Der Lufthansa-Standort ist noch bis voraussichtlich 1. September geschlossen.

Frank Thomas Koch

Pilot einer Passagiermaschine bei der Lufthansa zu sein, gehört für viele zu den Traumberufen. Seit Jahrzehnten bildet die Airline ihre Piloten selber aus, unter anderem an der Verkehrsfliegerschule Bremen. Doch seit der Corona-Krise sind die meisten Flieger am Boden, und für die Zukunft planen die Airlines mit einem niedrigeren Verkehrsaufkommen als vor Corona: Deshalb rechnet die Lufthansa damit, dass der Geschäftsverlauf der kommenden drei Jahre zu einem Stellenabbau führt – jeder siebte Pilot wäre davon betroffen, etwa 600.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind auch an der Verkehrsfliegerschule zu spüren: „Unsere Flugschul-Standorte sind aufgrund der Corona-Krise noch bis voraussichtlich 1. September geschlossen“, sagt Dirk Sturny, Sprecher von Lufthansa Aviation Training. Es finde zurzeit weder eine theoretische noch eine praktische Ausbildung statt. „Die meisten Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit.“

Lesen Sie auch

Etwa 800 Flugschüler sind aktuell in einer Ausbildung bei der European Flight Academy (EFA) und von den Auswirkungen betroffen. Unter der Marke EFA vereint Lufthansa Aviation Training seit 2017 alle Flugschulen der Lufthansa-Gruppe unter einem Dach. Damit bildet die EFA den Pilotennachwuchs für sämtliche Airlines der Lufthansa-Gruppe aus. „Absolventen der European Flight Academy erhalten einen exklusiven Zugang zum internen Stellenmarkt der Airlines der Lufthansa Group“, heißt es auf der Internetseite.

Der exklusive Zugang scheint durch die finanzielle Schieflage der Lufthansa derzeit eher verschlossen. „Unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Situation der LH Group, dem auf lange Zeit absehbar fehlenden Pilotenbedarf der LH Group Airlines und den operationellen Anpassungsbedarfen werden derzeit Handlungsoptionen für die Zukunft der EFA erarbeitet“, sagt Sturny.

Wie das die Zukunft der Verkehrsfliegerschule beeinflusst, ist momentan offen. Neben Bremen gibt es in Deutschland noch einen Standort in Rostock-Laage, in den USA findet die Ausbildung in Goodyear sowie in Vero Beach statt und in der Schweiz gibt es Standorte in Zürich und Grenchen. Immerhin nimmt die EFA noch Bewerbungen an. Allerdings fänden derzeit keine Auswahlverfahren statt, sagt Sturny. Und es gebe auch keinen Starttermin für die nächste zweijährige Ausbildung.

Lesen Sie auch

Der Eigenanteil einer Ausbildung liegt bei 90 000 Euro. Die künftigen Piloten des aktuellen Ausbildungslehrgangs müssen dieses Geld erst dann zurückzahlen, wenn sie einen Platz im Cockpit einer Lufthansa-Group-Airline haben. Dann startet die Rückzahlung in monatlichen Raten von fünf, zehn oder 15 Prozent des monatlichen Bruttogehaltes. Eine Unterbrechung der Lufthansa-Pilotenausbildungslehrgänge, die 1956 in Bremen starteten, gab es zuletzt 2015 und dann für zwei Jahre.

Grund waren langwierige und ungelöste Tarifstreits mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, die seit Beginn 2014 zu einem faktischen Einstellungsstopp zu den Bedingungen des Konzerntarifvertrags führte. Lufthansa wollte erst wieder einstellen, wenn die aus ihrer Sicht tariflichen Bedingungen für die notwendige Kostensenkung erreicht sind. Auch aktuell wird zwischen der Airline und der Gewerkschaft gestritten. Es geht dabei um eine Einigung zu möglichen Sparbeiträgen des Personals.

Info

Zur Sache

Lufthansa-Aktionäre entscheiden

Auf der Hauptversammlung entscheiden die Aktionäre an diesem Donnerstag über eine Kapitalbeteiligung des Bundes und damit indirekt auch über das damit verbundene Rettungspaket von neun Milliarden Euro. Der größte Lufthansa-Aktionär, der Milliardär Heinz Hermann Thiele, kann allein mit seinen Anteilen den Staatseinstieg blockieren. Lufthansa hat für diesen Fall angekündigt, möglichst schnell ein Schutzschirmverfahren zu beantragen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+