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Onlinehändler Campuspoint wächst in der Krise

Schon lange wollte sich Florian Heinemann selbstständig machen. Mitten in der Pandemie hat er nun den Onlinehändler Campuspoint übernommen – und wünscht sich langsameres Wachstum.
25.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Onlinehändler Campuspoint wächst in der Krise
Von Stefan Lakeband
Onlinehändler Campuspoint wächst in der Krise

Früher Vertriebler, jetzt Unternehmer: Florian Heinemann hat den Onlinehändler Campuspoint übernommen.

Christina Kuhaupt

Wer dieser Tage mit Florian Heinemann sprechen möchte, erwischt ihn meist zwischen etlichen Kartons: Notebooks, Monitore, Tastaturen – sie sind einfach überall. Selbst im Besprechungsraum seiner Firma stapeln sich die Schachteln in den Regalen. Bei Heinemann – so viel lässt sich mit Sicherheit sagen – ist viel los.

Genau genommen war es das schon immer. Der 42-Jährige ist ausgebildeter Kommunikationselektroniker, war Fallschirmjäger bei der Bundeswehr und wäre beinahe Fitnessfachwirt geworden. Seit einigen Wochen schmückt ein neuer Titel seinen Lebenslauf: Unternehmer.

Heinemann hat zusammen mit seinem Freund und Geschäftspartner Marco Weiß Campuspoint übernommen, einen Bremer Onlinehändler für Notebooks und Desktop-Computer. Und dort laufen die Geschäfte gut – daher die unzähligen Kartons.

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„Ich würde mir wünschen, das Wachstum ginge langsamer. So etwas will erst einmal verdaut werden“, sagt Heinemann. Zweimal im Monat werde die komplette Ware ausgetauscht, so groß sei die Nachfrage. Wie alle Unternehmen spürt auch Campuspoint die Corona-Pandemie. Neben strengen Hygieneauflagen zeigt sie sich aber auch noch anders: durch extrem hohe Nachfrage. „Alle Leute brauchten plötzlich Notebooks. Fürs Homeoffice, fürs Homeschooling oder fürs Studieren zu Hause“, sagt der Geschäftsführer. Die Folge: Vergangenes Jahr ist Campuspoint um 40 Prozent gewachsen; in diesem Jahr werden es wohl 20 sein. Heinemann rechnet mit einem Umsatz von 30 Millionen Euro.

Seit 20 Jahren gibt es das Unternehmen. Den ersten Kontakt zwischen Heinemann und dem ehemaligen Besitzer gab es vor fünf Jahren. Der hatte auf einer speziellen Plattform nach einem Nachfolger gesucht, Heinemann hatte dort nach einem Unternehmen geschaut, bei dem er einsteigen konnte. Geklappt hat es damals aber noch nicht. Campuspoint sei zu klein gewesen. „Der Jahresüberschuss war so gering, davon hätte ich meine Familie nicht ernähren können“, sagt der Bremer. Interessiert war er trotzdem. Deswegen blieben er und der Besitzer in Kontakt, haben sich immer wieder ausgetauscht.

Dass Heinemann Unternehmer werden wollte, sei ihm irgendwie schon immer klar gewesen. Schon vor Jahren habe er zu seiner Frau gesagt: „Wir brauchen 'ne coole Idee und dann gründen wir irgendwas.“ Bevor er den Schritt ins Unternehmertum wagte, war Heinemann zuletzt im Vertrieb verschiedener Technikhersteller. Samsung, LG, Lexmark, Fujitsu – alles große Namen. Mit jedem Jobwechsel stieg die Verantwortung, aber auch die Arbeit. Allein 2019 hatte er 120 Übernachtungen in Hotels, einmal sammelte er eine dreistellige Zahl von Flügen innerhalb eines Jahres. Als Chef eines Onlinehändlers wird das anders sein. Heinemann freut sich, die Töchter persönlich ins Bett bringen zu können und nicht per Video-Telefonat „Gute Nacht“ zu sagen.

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Auch bei Campuspoint soll es familiär zugehen. Das hat er sich fest vorgenommen. „Es wird keine Firmenfeier geben, bei der nicht Partner und Kinder mit eingeladen sind“, sagt er. Wenn Mitarbeiter mal ihr Kind mit ins Büro nehmen müssen? „Kein Problem.“ Das, was er für sich herausnehme, gelte auch für seine Angestellten.

26 Mitarbeiter hat Campuspoint aktuell. „Und alle sehr IT-affin“, wie Heinemann sagt. „Bei uns ist wohl jeder in der Lage, ein Notebook auseinanderzuschrauben und die einzelnen Teile zu benennen.“ Das Wissen der Mitarbeiter sei auch das, was Campuspoint so besonders mache. Denn Notebooks gebe es überall, bei Mediamarkt, notebooksbilliger.de oder dem Discounter um die Ecke. „Unsere Kunden wissen aber in der Regel ganz genau, was sie wollen“, sagt der Unternehmer. Und im Zweifel könnten die Mitarbeiter helfen. Erst kürzlich habe Heinemann sich gewundert, warum ein Angestellter ein Notebook, eine Dockingstation und zwei Bildschirme aufgebaut habe. Ein Kunde habe wissen wollen, wie diese Geräte zusammenarbeiten. „Da das aus den technischen Daten nicht hervorging, hat es der Mitarbeiter einfach getestet, um eine Antwort geben zu können.“

Beratung habe schon immer dazugehört, sagt Heinemann. Bis 2013 hatte Campuspoint ein Geschäft an der Bremer Uni. Damals sei das so gewesen, sagt der 42-Jährige. „Wer sich einen Computer zusammenstellen lassen wollte, der ist in einen Laden gegangen.“ Heute passiere das alles online. Der Fokus auf Studierende ist aber geblieben. Einige Hersteller böten spezielle Rabatte. Daher ist besonders zum Semesterstart viel los bei Campuspoint. Rund 80 Prozent mache das Geschäft mit Studierenden aus, der Rest komme von Universitäten, Instituten, anderen Bildungsträgern und Unternehmen. Hier sieht Heinemann noch Potenzial. „Ich kann mir vorstellen, dass wir irgendwann einen dreistelligen Millionenbetrag als Umsatz haben“, sagt der Bremer.

Als nächster großer Schritt steht aber erst einmal etwas anderes an: Heinemann will das Chaos loswerden und Besprechungen nicht mehr zwischen Notebook-Kartons und Bildschirmschachteln führen. Deshalb kommt in wenigen Wochen der Umzug in eine größere Immobilie. Der Mietvertrag ist bereits unterschrieben.

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