Made in Bremen

Autoteilehändler McPart lockt mit stationären und digitalen Handel

Was als Hobby begann ist heute ein Unternehmen mit vier Standorten. Der Autoteilehändler McPart setzt gleichmaßen auf stationären Handel und auf Digitalangebote.
06.09.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten
Autoteilehändler McPart lockt mit stationären und digitalen Handel

Angefangen hat alles in einer Garage. Aus dem Hobby Autotuning wurde das Geschäftsmodell Autoteilehandel. Heute haben die McPart-Geschäftsführer Lutz Keubler (von links), Oliver Pochodaj und Tim Warnke 45 Mitarbeiter an vier Standorten.

Karsten Klama

In der Geschichte modernen Unternehmertums hat sich schon mehrfach gezeigt: Garagen sind ein guter Ort, um von Geistesblitzen getroffen zu werden. Bei Tim Warnke und Oliver Pochodaj war es der Einfall, mit Autoteilen zu handeln. Das klingt zunächst nicht sonderlich spektakulär. Doch im Laufe der vergangenen beiden Jahrzehnte ist aus der Idee zweier junger Hobby-Schrauber eine Marke geworden, von der sich sogar Großkonzerne etwas abschauen können. Das inhabergeführte Unternehmen praktiziert Kundennähe erfolgreich mit allen möglichen bewährten und innovativen Mitteln. Bis vor einem Jahr hätte man behaupten können: So etwas wie McPart gibt es nur in Bremen. Doch dann kam in Oldenburg Standort Nummer Vier dazu.

Das Geschäftsmodell lautet: dein Autoteil vor Ort. Der Hauptsitz befindet sich an der Industriestraße, wo die Firma vor elf Jahren reichlich Platz für einen Neubau mit geräumigem Parkplatz und guter Erreichbarkeit fand. Die Nachbarschaft zu Werkstätten, Autohäusern und einem Tüv-Standort ist ebenfalls kein unerheblicher Standortvorteil für eine Branche wie diese. Permanent auf Lager ist eine Auswahl von geschätzten 100.000 Ersatzteilen und Zubehör für sämtliche gängigen Automarken. Also ein gut sortierter Baumarkt für Bastler und –schrauber? Mitnichten, betont Lutz Keubler, der im Geschäftsführertrio für das Marketing zuständig ist. „Selbstbedienung gibt es hier nicht“. Normalerweise stehen ständig vier Mitarbeiter am Tresen, der sich über die gesamte Länge des Verkaufsraumes zieht. Weil die Abstände vergrößert wurden, sind es derzeit etwas weniger, und die Schlangen davor ist etwas länger. Das wird sich in Kürze durch den neuen Abholmarkt ändern – aber davon später. Die Kunden kommen aus dem gesamten Umkreis der Stadt, darunter auch viele Berufspendler. Die Frauenquote ist auffallend groß, berichtet Tim Warnke: „Frauen achten mehr auf den Preis“.

Keine Billigware im Sortiment

McPart ist Partner des Centralen Autoersatzteile Rings, der für die Großeinkäufe von rund 150 Partnerbetrieben besonders günstige Konditionen aushandeln kann und eine hochwertige Eigenmarke entwickelt hat. Die Kunden von heute kommen meist gut informiert, weiß Warnke: Was die fabrikneue Bremsscheibe, der Ölfilter oder die Autobatterie kosten sollte, lässt sich schließlich im Vorfeld online abchecken. Das schottische Präfix im – europaweit geschützten - Firmennamen stehe für Sparsamkeit und verlässliche Qualität. „Billigware haben wir nicht im Programm. Alles, was es bei uns gibt, ist geprüft, genormt, zertifiziert“, sagt Pochodaj.

„Wir wissen zu 100 Prozent, wo es herkommt, kennen die Hersteller, und verkaufen die Teile für den Preis, den sie kosten sollten.“ Beim Verkaufspersonal handelt es sich ausnahmslos um Spezialisten mit einschlägiger Ausbildung und oft Meisterbrief im Kfz-Handwerk, die wissen, wovon sie reden, sagt Keubler. Sie können Laien geduldig erklären, wie man einen Scheibenwischer auswechselt, und genau so gut mit Profis über Elektronik fachsimpeln. Gewerbliche Kunden können bei McPart komplette Werkstatteinrichtungen ordern. „Aber wenn es eine halbe Stunde dauert, um drei Schrauben zu verkaufen, ist das für uns auch in Ordnung“, sagt Pochodaj. „Unsere Kunden kommen, weil sie gut beraten werden möchten.“

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Es sei die zentrale Herausforderung für den stationären Handel, „die Leute zurück ins Ladengeschäft zu holen“, erklärt Keubler. Um zu bestehen, muss es heute günstig, schnell und unkompliziert gehen. Für zusätzliche Bequemlichkeit wurde vor einigen Jahren das Kommunikationstool „App dir dein Teil“ entwickelt. Seither können die Kunden mit ihrem Smartphone von unterwegs Kontakt aufnehmen, ihr Ersatzteil ordern und sicher sein, dass bis zu ihrer Ankunft die Ware zur Abholung bereit ist oder in ihre Werkstatt geliefert wird. Wer Fragen hat, kann mit einem Mechatroniker chatten. Das Angebot wird so gut angenommen, dass inzwischen vier Mitarbeiter ausschließlich mit der Bearbeitung der App-Anfragen beschäftigt sind. Die optimale Ergänzung klassischer Tugenden des stationären Handels mit digitalen Mitteln beeindruckte die Jury des Bundesverbands digitale Wirtschaft derart, dass er die McPart-App vor drei Jahren mit dem „Point of Sale Marketing Award“ auszeichnete. Worauf das Team besonders stolz ist: „Wir haben uns gegen namhafte Konzerne durchgesetzt“, sagt Keubler.

Vom Hobby zum Ersatzteilhandel

Die Wurzeln von McPart liegen in der Tuner-­Szene der 1990er-Jahre. Warnke und Pochodaj hatten sich über das gemeinsame Hobby angefreundet und irgendwann begonnen, in der elterlichen Garage schmucke Antennen für gleichgesinnte Autofans anzufertigen. „Die Schläuche haben wir in Muttis Backofen geschrumpft“, erzählt Warnke. Beflügelt vom Erfolg („Wir haben Tausende verkauft“), eröffneten die beiden Partner mit kaufmännischer Ausbildung 2003 ihren Ersatzteilhandel inklusive Werkstatt an der Duckwitzstraße. „In den ersten Jahren standen wir zu zweit von früh bis spät im Geschäft“, erzählt Pochodaj. Mittlerweile beschäftigt McPart 45 Mitarbeiter an den Standorten in der Neustadt, in Oslebshausen, Vegesack und Oldenburg, und personelle Verstärkung ist weiterhin willkommen.

Einstellungsvoraussetzung ist Benzin im Blut. „Wir lieben alte Autos“, sagt Tim Warnke und weist mit rührendem Besitzerstolz auf seinen alten weißen Golf, der zurzeit auf einer Lagerfläche rundüberholt wird. Spätestens im Oktober wird er Platz für den „Click & Collect“-Markt machen müssen. Ein Drive-in-Takeaway, damit die Autoteile noch schneller unter die Leute gebracht werden: Auf eine solche Idee muss man erst mal kommen.

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