Made in Bremen

Mit Gambio soll jeder einen Onlineshop erstellen können

Das Bremer Unternehmen Gambio startete in einem Kinderzimmer. Mittlerweile gehört es zu den Großen auf einem hart umkämpften Markt: Onlineshops.
08.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Mit Gambio soll jeder einen Onlineshop erstellen können
Von Stefan Lakeband
Mit Gambio soll jeder einen Onlineshop erstellen können

Vom Kinderzimmer in die Werkstatt: Felix Hötzinger (links) und Daniel Schnadt helfen, Onlineshops einzurichten.

Christina Kuhaupt

Daniel Schnadt und Felix Hötzinger können wohl als Ausnahmen bezeichnet werden. Sie gehören zu den Leuten, die der Corona-Pandemie noch etwas Gutes abgewinnen können. Denn während im Frühjahr viele Einzelhändler schließen mussten und die Wirtschaft einbrach, wuchs ihr Geschäft. Schnadt und Hötzinger betreiben Gambio – eine Plattform, mit der jeder einfach Onlineshops einrichten können soll.

Was klingt wie eine schon tausendfach umgesetzte Idee, war 2004 ein großes Ding. So erzählt es Schnadt heute. Noch zu Schulzeiten hat er sein erstes Unternehmen gegründet: Mit einem Freund hat er E-Roller aus China importiert und anschließend verkauft. Erst über eBay, dann über eine eigene Plattform. „Damals hatte aber niemand einfach so einen Onlineshop“, sagt er. Auch Schnadt nicht – bis sich der Oldenburger Hilfe von einem Programmierer holt. Doch auch als die Verkaufsplattform stand, sei klar gewesen, dass es so nicht weitergehen konnte. „Ich brauchte Hilfe, um mit meinem eigenen Shop klarzukommen“, sagt Schnadt.

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Es ist die Geburtsstunde von Gambio. Denn schnell wird Schnadt klar, dass es einen Markt für einfache Onlineshops gibt. Nachdem sein eigener im Netz steht, bekommt er immer mehr Anfragen von anderen Händlern, die wissen wollen, wie er dieses oder jenes gemacht habe. Die beantwortet er aus seinem Oldenburger Kinderzimmer. „Meine Mutter hat sich in der ersten Zeit gewundert, warum ich die ganze Zeit mit einem Headset rumgelaufen bin“, sagt Schnadt.

Jetzt, 16 Jahre später, ist Gambio ein Unternehmen mit eigenen Büros in Bremen, 50 Mitarbeitern und einem System, mit dem jeder eine Verkaufsplattform aufsetzen kann. „Meine Mutter würde das hinbekommen“, sagt Schnadt.

Aus der Not geboren

Rund 25.000 Shops laufen über Gambio – vom kleinen Einzelhändler bis zum Unternehmen mit zweistelligem Millionenumsatz. Und zu Beginn der Corona-Krise ist der Kreis der Kunden gewachsen. „Während des Lockdowns haben sich viele Einzelhändler mit ihrem Onlineshop einen zweiten Kanal aufgebaut, um ihre Kunden weiter zu erreichen“, sagt Hötzinger. „Es war zwar aus der Not geboren, aber viele werden dabei bleiben.“ Davon ist Schnadt überzeugt.

Die Onlineshops sind dabei ganz unterschiedlich. Da gibt es das Unternehmen, das Kappen und Mützen mit bayerischen Motiven verkauft, das inhabergeführte Schuhgeschäft, das sich auch eine Onlinepräsenz aufgebaut hat, aber auch die Website eines großen Reifenhändlers.

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Für sie wollen Schnadt und Hötzinger Ansprechpartner sein. „Dass ein Händler erfolgreich ist, hängt nicht nur von der Shopsoftware ab“, sagt Schnadt. Es komme etwa auch darauf an, wo er in der Googlesuche auftauche und welche Zahlungsmöglichkeiten er anbiete.

Dass er sich mit Gambio in einem Spannungsfeld bewege, sei ihm bewusst. Den Tod der Innenstädte treibe man bei Gambio aber ganz sicher nicht voran, sagt Schnadt. „Online gegen stationär – das ist doch Quatsch.“ Aus der Erfahrung wisse er, dass ein Onlineshop für viele Händler mit Geschäft vor Ort eine gute Ergänzung sein kann.

Immer neue Leute gesucht

Genauso wie in den vergangenen Jahren Kunden mit ihren Onlineshops gewachsen seien, so sei auch Gambio immer größer geworden. Nach den Anfängen in Oldenburg zog das Unternehmen vor gut zehn Jahren in eine ehemalige Schweißerwerkstatt in Bremen. „Wir waren sechs Leute und hatten 400 Quadratmeter“, sagt Schnadt. „Auf den Vermieter haben wir wahrscheinlich ziemlich unseriös gewirkt.“ Die Büros haben sich dann aber doch schnell gefüllt. Mehr noch: Im gesamten Gebäudekomplex hat Gambio immer neue Bürofläche hinzugemietet. Mittlerweile arbeiten 50 Beschäftigte für das Unternehmen. Zudem würden immer neue Leute gesucht werden. „Wir wollen die Besten“, sagt Schnadt.

Deswegen werbe Gambio auch mit dem höchsten Azubigehalt für angehende Fachinformatiker in Bremen: 1222 Euro, deutlich über Durchschnitt. „Wer hier eine Ausbildung macht, der weiß, was er tut“, sagt Schnadt. Deswegen solle man auch ein Gehalt bekommen, von dem man leben könne. Die Auszubildenden arbeiteten richtig mit und lernten viel. „Wer bei uns eine Ausbildung macht, der muss sich nicht schämen, wenn er sich bei Google oder Facebook bewirbt“, sagt der Gründer. Viele blieben aber nach der Lehre bei Gambio, etliche Ex-Azubis seien mittlerweile in Führungspositionen.

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Ein klassisches Start-up will Gambio aber nicht sein. Die würden oft mit großen Verlusten wachsen. „Wir sind da eher konservativ“, sagen Hötzinger und Schnadt. Denn in Gambio stecke kein Fremdkapital. „Wenn es dein eigenes Geld ist, gehst du die Sache ganz anders an.“ Auch wenn Gambio vielleicht langsamer gewachsen sei, als es gekonnt hätte, sind beide zufrieden.

Hart umkämpfter Markt

Allerdings ist der Markt für Shopsoftware hart umkämpft. Ganz oben steht Marktführer Shopify aus Kanada mit einem Umsatz von 1,6 Milliarden US-Dollar (1,4 Milliarden Euro). Davon ist Gambio weit entfernt. Das weiß auch Schnadt. „Vor ein paar Jahren hätte ich mich nicht getraut, Gambio mit Shopify zu vergleichen“, sagt der 35-Jährige. Jetzt aber meint er: „Wir gehören zu den Großen.“

Auch deshalb ist Schnadt im Sommer einen Schritt gegangen, der vielen Gründern schwerfällt. Er hat die Führung seines Unternehmens abgegeben. Zu viele Aufgaben, die ihm keinen Spaß gemacht hätten, zu wenig Zeit, um am eigentlichen Produkt zu arbeiten. „Er hatte Rollen inne, bei denen er mit sich selbst hätte streiten müssen“, sagt Hötzinger dazu. Der 46-Jährige ist Schnadts Nachfolger als Geschäftsführer von Gambio. Der Gründer selbst ist mit dieser Entscheidung sehr zufrieden: „Jetzt läuft es besser als vorher.“

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