Nach Beschluss des Bundestages

Teilung der Maklergebühren: Zuspruch und Kritik aus Bremen

In Bremen mussten Käufer von Immobilien die Courtage für den Makler bisher ganz allein zahlen. Das soll sich nun ändern. Verbraucherexperten sehen jedoch auch eine verpasste Chance.
22.05.2020, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Teilung der Maklergebühren: Zuspruch und Kritik aus Bremen
Von Lisa Boekhoff
Teilung der Maklergebühren: Zuspruch und Kritik aus Bremen

Der Traum vom Eigenheim: Das neue Gesetz soll ihn erschwinglicher für Käufer machen – auch in Bremen und Niedersachsen.

Gerbracht

Das Echo hallt in vielen Tonlagen nach. Jüngst hat der Bundestag beschlossen, dass Maklerprovisionen beim Immobilienkauf in Zukunft geteilt werden soll. Das ist in Bremen derzeit noch nicht der Fall. Im kleinsten Bundesland trugen bisher allein die Käufer die Maklercourtage von 5,95 Prozent. Gerechnet auf einen Preis von 350.000 Euro klettern die Nebenkosten durch diesen Posten um mehr als 20.000 Euro. Wer hier eine Wohnung oder ein Haus erwerben möchte, kann nun also mit einer deutlichen Entlastung rechnen.

Zustimmung zum Gesetz gibt es jedoch nicht überall. Denn Experten erwarten nicht unbedingt eine Erleichterung. Die Teilung der Provision werde zwar von vielen Menschen als fair und gerecht empfunden, konstatiert Ingmar Vergau. Der Geschäftsführer von Haus & Grund Bremen ist aber überzeugt: „Die Verteilung der Maklerprovision wird den Erwerb nicht günstiger machen.“ Er geht sogar von einem Nachteil aus: Vergau erwartet, dass Eigentümer die Kosten jetzt oft in den Kaufpreis einkalkulieren werden. Das sei möglich, weil die Nachfrage in Bremen groß ist und dies viele Käufer unter Druck setzt.

Für den Käufer wird es teurer

Und wie ergibt sich der Nachteil? Weil die Einpreisung andere Nebenkosten, die vom Kaufpreis abhängen, erhöht: Notargebühr, Grundbucheintrag und Grunderwerbssteuer. „Das bedeutet, es wird am Ende für den Käufer teurer. Geholfen ist damit weder dem Käufer noch dem Verkäufer. Einzig und allein der Staat reibt sich die Hände, weil er aus Haus- und Grundstücksverkäufen mehr Geld abschöpfen kann“, kritisiert Vergau.

Das „Gesetz über die Verteilung der Maklerkosten“ wird im Bundesrat vermutlich Anfang Juni behandelt und soll nach einer Übergangszeit von sechs Monaten in Kraft treten. Die Bremer Bundestagsabgeordnete Sarah Ryglewski (SPD) begrüßt die Entscheidung. „Beim Kauf einer Wohnung oder eines Hauses sind hohe Nebenkosten für viele Menschen eine große Hürde“, äußerte sich die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium nach der Verabschiedung des Gesetzes. Wer den Makler beauftrage, übernehme mindestens die Hälfte der Provision. „Eine spürbare finanzielle Entlastung auch für Käuferinnen und Käufer in Bremen, die die Courtage bisher meist vollständig tragen mussten.“

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Jens Lütjen findet es zudem richtig, dass es nun eine bundesweit einheitliche Regelung geben soll. „In vielen Bundesländern ist die Aufteilung der Courtage schon erfolgreich umgesetzt worden“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter des Immobilienunternehmens Robert C. Spies. „Unser Haus ist mit dieser Entscheidung im Grundsatz zufrieden. Wir glauben, dass wir eine Regelung am Markt in Bremen erfahren werden, die vielen Ansprüchen im Bereich Verkauf und Kauf gerecht wird.“

Bremen ist derweil nicht allein. In Hamburg, Berlin, Brandenburg und Hessen sowie in Regionen Niedersachsens zahlen Käufer derzeit ebenfalls die Provision allein. Ihre Höhe variiert: In Berlin und Brandenburg ist die Courtage mit 7,14 Prozent am höchsten, in Hamburg liegt sie bei 6,25 Prozent, in vielen anderen Bundesländern dagegen jeweils bei 3,57 Prozent für Käufer und Verkäufer.

„Ich halte das für fair“

Florian Wellmann plädiert ebenfalls für diese Teilung. „Ich halte das für fair.“ Und sie passe zu seiner Aufgabe: Als Immobilienmakler sei er für beide Parteien tätig. Dieses Verständnis entspricht auch dem von Jens Lütjen. Der Makler übernehme eine Moderationstätigkeit zwischen Käufer und Verkäufer, einen fairen Konsens zwischen ihnen zu schaffen: „Es geht uns immer um einen bestmöglichen Interessenausgleich – für beide Seiten.“

Grundsätzlich begrüße man die Regelung zur Teilung der Provision, kommentiert auch Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen, das Gesetz. Damit steige die Rechtssicherheit und Transparenz für private Immobilienkäufer. Jedoch wäre die Einführung des Bestellerprinzips, wie es bei Mietobjekten gilt, ihrer Ansicht nach effektiver gewesen. Nur der Auftraggeber zahlt dann. „Erfahrungen in europäischen Nachbarländern zeigen, dass die Einführung des Bestellerprinzips zur Reduzierung der Maklergebühr führte“, sieht Oelmann den Vorteil für den Immobilienkauf. Gerade in angespannten Märkten mit vielen Maklern und hohen Preis sei nämlich mit mehr Wettbewerb zu rechnen.

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Um Käufer nachhaltig zu entlasten, fordert die Verbraucherschützerin eine bundesweit einheitliche Deckelung der Gebühren. Die Vorständin kritisiert außerdem, dass die Beratung der Makler höchst unterschiedlich ausfallen könne: Diese benötigten keine spezielle Ausbildung oder einen Sachkundenachweis. „Die Provision ist unabhängig von Art und Umfang der Beratung zu leisten und spiegelt daher in keiner Weise die Qualität des Maklers und dessen Leistung wider.“ Interessenkonflikte zwischen Verkäufer und Käufer seien nicht auszuschließen. Ingmar Vergau spricht ebenfalls von „schwarzen Schafen“ in der Branche. Für Auftraggeber sei darum wichtig, genau auf die Qualität und Ausbildung der Makler zu schauen.

Ob nun aber Verkäufer die Sache lieber selbst in die Hand nehmen? Von der Dienstleistung seines Hauses ist der Chef von Robert C. Spies überzeugt. „Jeder Vertrag und jeder Kunde ist anders. Die Kunst liegt darin, den Weg bis zur Beurkundung sehr individuell zu begleiten“, sagt Jens Lütjen. Sein Unternehmen gewinne 80 bis 90 Prozent der Aufträge auf Basis einer Empfehlung. Und häufig gebe es bei einem weiteren Immobiliengeschäft im Leben der Menschen eine zweite Begegnung: „Wir sehen die Kunden oft wieder.“

Verkehrte Erwartungen beim Immobilienkauf

Selbst wenn Portale und Apps es leicht machen, Wettbewerber Florian Wellmann betont ebenfalls: „Die Vorstellung ist falsch, dass sich ein Haus oder eine Wohnung – 3, 2, 1 – schnell verkaufen lässt.“ Der Verkauf einer Immobilie bleibe jedoch eine sensible Sache. Eigentümer hätten teils auch verkehrte Erwartungen: In der Annahme, dass die Immobilienpreise explodierten, werde dann in halbwegs guter Lage ein doppelt so hoher Wert wie vor wenigen Jahren aufgerufen. „Der Preis ist aber abhängig von vielen Parametern, die man sich angucken muss“, sagt Makler Wellmann. Es sei für eine Immobilie schädlich, wenn ein zu hoher Preis aufgerufen werden. Das Haus verweilt länger auf dem Markt und sein Wert sinkt.

Ingmar Vergau erwartet ebenfalls nicht, dass Verkäufer weniger auf Profis setzen: „Gerade die privaten Eigentümer verlassen sich beim Verkauf gerne auf den Sachverstand qualifizierter Makler.“ Selbst wenn der Markt Eigentümern weiter in die Hände spielt. Der Geschäftsführer von Haus & Grund beobachtet in diesen Wochen keinen Abbruch der Nachfrage und des Geschäfts: „Der Immobilienmarkt in Bremen und Bremerhaven boomt trotz Corona.“

Annabel Oelmann sagt wegen der neuen Regelung für den Markt keine großen Auswirkungen voraus. Wer eine Immobilie gefunden habe, die ihm gefalle und bezahlbar sei, für den sei die Maklergebühr zwar ärgerlich, aber gebe nicht den Ausschlag für den Kauf. Und es gelte: „Falls sich jemand wegen der Maklergebühr eine Immobilie nicht leisten kann, sollte er sowieso die Finger davon lassen.“

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