Strohschirm Manufaktur produziert Sonnenschirme aus Reet

"Mallorca-Feeling" auf Balkonien

Bremen. Aus dem Urlaub wird viel mitgebracht. Im Fall von Steve Hergert war es eine Geschäftsidee, aus der ein Unternehmen mit vielversprechender Perspektive entstanden ist. Die Strohschirm Manufaktur in Habenhausen setzt auf ökologische und lokale Produktion.
05.07.2014, 15:00
Lesedauer: 3 Min
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Von INA BULLWINKEL
"Mallorca-Feeling" auf Balkonien

Steve Hergert ist Geschäftsführer der Bremer Strohfirmmanufaktur.

Klama

Aus dem Urlaub wird viel mitgebracht. Im Fall von Steve Hergert war es eine Geschäftsidee, aus der ein Unternehmen mit vielversprechender Perspektive entstanden ist. Die Strohschirm Manufaktur in Habenhausen setzt auf ökologische und lokale Produktion und begeistert immer mehr Gastronomen und Privatleute, die sich für Sonnenschirme aus dem Material Reet interessieren.

Es gab Situationen, da wollte Steve Hergert schon alles an den Nagel hängen. Immer wieder ist der Geschäftsführer der Strohschirm Manufaktur auf Grenzen und Probleme gestoßen, die unlösbar für ihn erschienen, sagt er. Erst fand er keinen Lieferanten für das Reet und dann war da noch das Problem mit dem Transport der großen Schirme. Außerdem nahmen ihn die Banken anfangs nicht ernst und zweifelten am finanziellen Erfolg der Geschäftsidee.

Doch Steve Hergert ließ nicht locker und der Zuspruch seiner Kunden gibt ihm heute recht. „Jetzt bekommen wir fast täglich neue Aufträge für unsere Strohschirme herein“, sagt Hergert. Jungen Unternehmern, die genauso wie er eine Idee haben, empfiehlt der Unternehmer deswegen Durchhaltevermögen und immer an sich zu glauben. Dass diese Strategie langsam Früchte trägt, macht den 37-Jährigen sichtlich stolz. Mittlerweile könne er sich nicht nur über Kunden aus Deutschland freuen, sondern auch aus Urlaubsländern wie den USA, Spanien oder auch Dubai.

Steve Hergert war einst selbst im Urlaub, als er auf die Idee kam, Strohschirme in Deutschland zu verkaufen. Auf Mallorca saß er jeden Tag mit seiner Frau unter einem Sonnenschirm aus Reet. Die Frage, warum es solche Schirme in Deutschland nicht gibt, ließ ihn nach seiner Rückkehr in die Heimat nicht mehr los. Hergert witterte eine Marktlücke und wollte das „Mallorca-Feeling“ nach Deutschland importieren. So tüftelte der gelernte Einzelhandelskaufmann anderthalb Jahre lang an einem Prototypen herum.

Inzwischen hat er sich zusammen mit seiner Frau ein Unternehmen mit sechs Mitarbeitern in Habenhausen aufgebaut – die beiden sind gemeinsame Geschäftsführer der Strohschirm Manufaktur. In diesem Jahr will Hergert seine Firma erneut vergrößern: Der Geschäftsmann plant, eigene Verkäufer im Groß- und Einzelhandel auszubilden.

Doch bevor die ersten Schirme überhaupt produziert werden konnten, mussten die Probleme mit dem Reet und dem Transport gelöst werden. Einen geeigneten Lieferanten fand Steve Hergert schließlich nach einiger Sucherei in dem alteingesessenen Familienunternehmen Hiss Reet aus Bad Oldesloe. Dabei decken die schleswig-holsteinischen Reetdachdeckermeister die Schirme eigentlich genauso, wie die Dächer, mit denen sie sonst meistens zu tun haben. Der Transport der Schirme sei nach Angaben von Steve Hergert am Ende allerdings die noch größere Herausforderung gewesen. „Da dachte ich, jetzt ist alles vorbei“, sagt Hergert. Er wusste einfach nicht, wie er die wuchtigen Schirme transportieren sollte. Beim Kuchenschneiden kam ihm dann die Idee, den Schirm einer Torte gleich in mehrere Stücke zu zerlegen, damit er am Ende in einen Lkw passt. Der Unternehmer sicherte sich das Patent und ist heute nach eigenen Angaben der einzige, der Strohschirme mit einem Durchmesser von bis zu vier Metern transportieren lassen kann.

Alles an Hergerts Strohschirmen ist laut dem Geschäftsführer „Made in Germany“ – bis auf das Reet, das aus dem Ausland importiert wird. „Aber nicht aus China“, betont Steve Hergert. Er wolle nur das beste Reet für seine Schirme einkaufen und das komme nun einmal aus dem Donaudelta und dem Südosten der Türkei.

Die Schirme der Strohschirm Manufaktur gibt es in verschiedenen Größen und Ausführungen, auch individuelle Anfertigungen sind möglich. „Die Schirme sind wetterfest und bleiben standhaft auch bei Windstärke 12“, sagt Steve Hergert. „Sie werden wie Wäschespinnen im Boden verankert und können das ganze Jahr draußen bleiben.“ Als besondere Ausstattung gibt es auf Wunsch sogar eine Lichtanlage und eine integrierte Heizung, die sich per App von dem Handy steuern lassen können – ganz bequem vom Liegestuhl aus.

Zu den Kunden der Strohschirm Manufaktur gehören laut Hergert neben Gastronomiebetrieben, Beachclubs und „besser verdienenden“ Privatleuten mittlerweile auch einige Prominente. Es gebe aber auch Leute, die monatelang auf einen Strohschirm hinsparen. Das günstigste Modell ist nämlich erst ab 499 Euro zu haben.

Nach und nach soll das Sortiment der Strohschirm Manufaktur in der kommenden Zeit erweitert werden. Neben den Schirmen soll es nächstes Jahr auch rustikale Gartenmöbel geben, die optisch zu den Reetschirmen passen. Wie bei der Produktion der Strohschirme will das Unternehmen auch hier auf regionale Hersteller setzen und Produkte von Bremer Firmen verwenden.

Vom Land Bremen hat das junge Unternehmen vor kurzem eine Landesbürgschaft bekommen. „Damit konnten wir so richtig durchstarten und investieren“, sagt Steve Hergert. Er will sich vor allem für die Wintermonate ein zweites Standbein aufbauen.

Das Unternehmen hat bereits einen weiteren Standort in Santa Ponsa auf Mallorca und ein dritter entsteht gerade in San Diego im US-Sonnenstaat Kalifornien. „Unser Schirm ist eben ein saisonales Produkt und wir müssen auch im Winter überleben – wenn die Deutschen nicht an Sonnenschirme denken.“

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