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Wie Medical Helpline Worldwide Urlaubern bei medizinischen Problemen hilft

Damit die Traumreise nicht zum Alptraum wird, hilft das Bremer Unternehmen Medical Helpline Worldwide Reisenden auf der ganzen Welt.
24.05.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Wie Medical Helpline Worldwide Urlaubern bei medizinischen Problemen hilft
Von Stefan Lakeband
Wie Medical Helpline Worldwide Urlaubern bei medizinischen Problemen hilft

Hilfe weltweit: Marco Röschmann (links) und Sven Aumann sind die Chefs von Medical Helpline Worldwide.

Christina Kuhaupt

Es sollte ein Urlaub im Paradies werden. Stefan R. reiste mit seiner Freundin nach Indonesien, zusammen wollen sie das Land erkunden. Beim Stopp auf der Insel Bali entschließt sich der 55-Jährige spontan, einen Tauchtrip zu machen. Am Abend danach geht es ihm plötzlich schlecht. Das Atmen fällt ihm schwer, jeder Schritt ist eine Herausforderung: Sind das die Symptome der Dekompressionserkrankung, die durch das Tauchen hervorgerufen wurde?

„Der Mann hat dann bei uns angerufen und mit einer Ärztin gesprochen“, sagt Marco Röschmann heute. Er ist Geschäftsführer von Medical Helpline Worldwide (MHW). Die Medizinerin in Deutschland habe diagnostiziert, dass eine Dekompressionserkrankung nicht ausge­schlossen werden kann, auch wenn die Symptome eher ungewöhnlich waren. Der Mann solle ins Krankenhaus. Dort stellt sich heraus: Der 55-Jährige hat einen Herzinfarkt – höchstwahrscheinlich. Genau könne das nicht gesagt werden, da es einen Spezialisten in der Gegend nicht gebe und er erst in sieben Stunden da sein könne. Der Hobby-Taucher und die Mediziner von MHW machen sich Sorgen, zweifeln an der Qualität der Behandlung. Sie entscheiden: Stefan R. soll in ein Krankenhaus, das besser ausgestattet ist. Dort wird der Verdacht bestätigt – und der Urlauber wird operiert. Kurze Zeit später fliegt er zurück nach Deutschland und wird in seiner Heimat von einem Kardiologen weiterbehandelt, den MHW in der Zwischenzeit organisiert hat.

Vor 20 Jahren gegründet

Es sind Momente wie diese, die eine Traumreise in einen Albtraum verwandeln.
Für Röschmann sind sie Alltag. Vor 20 Jahren hat er MHW gegründet, um genau in solchen Fällen da zu sein. Der heute 55-Jährige ist selbst Arzt und hat lange Zeit getaucht. Dadurch wusste er, wie wichtig die korrekte medizinische Betreuung bei Tauchunfällen ist und wie schlecht die Notfallversorgung für solche Situationen. Denn längst nicht jeder Notarzt kennt sich mit den Feinheiten der Tauchmedizin aus.

Also baut Röschmann zur Jahrtausendwende etwas auf, das mittlerweile einen etablierten Namen in der Tauchszene hat. Zehntausende Taucher setzen auf Aqua Med – so nennt MHW seinen Service für die Wassersportler. Auch wenn es auf den ersten Blick so aussehe: Eine klassische Versicherung sei das Bremer Unternehmen aber nicht.

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Das, was MHW macht, nennt Sven Aumann, neben Röschmann Geschäftsführer, Assistance. Eine Art Notfallhilfe. Man handle weder im Auftrag einer Versicherung noch sei man selbst eine, sagen beide Chefs. Dadurch könne man den eigenen Kunden einen besseren Service bieten. „Bei Versicherungen geht es darum, den finanziellen Schaden abzusichern“, sagt Aumann. Bei MHW stehe die Gesundheit im Vordergrund. Bei Unfällen oder Krankheiten sei man für die Kunden im Ausland ständig telefonisch erreichbar: Ärzte geben Empfehlungen, Mitarbeiter organisieren im Zweifelsfall einen Rücktransport und die weitere Behandlung in Deutschland. Auch bei Kleinigkeiten könne MHW helfen: Wer etwa im Ägypten-Urlaub Durchfall bekomme, der könne die Notfallnummer des Unternehmens anrufen und werde von einem Arzt beraten. „Die Hemmschwelle ist viel geringer, als sich vor Ort einen Arzt zu suchen“, sagt Röschmann.

Bevor er zu MHW kam, hatte Aumann bei mehreren Versicherungskonzernen gearbeitet. Dass es in Bremen etwas anders läuft, merkte er schon beim Vorstellungsgespräch. Aumann kam, wie er es aus den Jobs davor kannte, mit Anzug und Krawatte in die Büros des Bremer Unternehmens – und war damit formeller angezogen als nötig. Röschmann muss noch heute lachen, wenn er an die erste Begegnung denkt. „Das werde ich nie vergessen.“

Vorab-Infos über Impfungen und Risiken

Zur Arbeit von MHW gehört aber nicht nur die Betreuung auf der Reise, sondern auch deren Vorbereitung. Schon mehrfach habe die Firma Bremer Schulklassen betreut, die einen Austausch mit Kenia hatten. Vor der Reise, so erzählt es Röschmann, sei er dann in die Schule gegangen, habe Jugendliche und Lehrer über nötige Impfungen und mögliche Risiken informiert. Während der Reise sei dann die Hotline von MHW der erste Ansprechpartner gewesen. Wer dort anrufe, sagt Röschmann, lande direkt bei einem der 13 Ärzte, die für MHW arbeiten. Bei vielen großen Versicherern sei hingegen zunächst ein Call-Center-Mitarbeiter am Apparat.

Nachdem der Fokus lange Zeit auf Tauchern als Kunden lag, haben Röschmann und Aumann vergangenes Jahr Travelmedic ins Leben gerufen. Es bietet die gleichen Leistungen wie Aqua Med – allerdings ohne den Tauchschutz. Denn die meisten Probleme der Kunden hätten sowieso nichts mit dem Tauchen zu tun, sondern könnten auch in einem normalen Urlaub passieren.

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Bislang verlassen sich nach eigenen Angaben europaweit rund 100.000 Kunden auf den Service von MHW. Im Vergleich zu großen Versicherern sei das sehr wenig, sagt Aumann. Dadurch sei aber die individuelle Betreuung möglich. „Unsere Kunden sind eher das Pärchen, das mehrere Wochen mit dem Rucksack durch Südostasien reist, als die Familie, die Pauschalurlaub in Spanien macht“, sagt Aumann. Auch Expats, also Menschen, die für längere Zeit im Ausland leben, oder Unternehmen, die regelmäßig Mitarbeiter auf die Reise schickten, gehören zu den Kunden von MHW.

Gedämpft wurde die Entwicklung des Unternehmens – wie dieser Tage häufig zu hören – durch die Corona-Krise. Die beiden Geschäftsführer sind sich aber sicher, dass die Geschäfte künftig wieder besser laufen werden. Vorbereitet sind sie jedenfalls: Ende des Jahres will Medical Helpline Worldwide in neue, größere Büroräume am Bremer Flughafen ziehen.

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