Laut „Manager-Magazin“

Daimler unter Druck: Nun 30.000 Stellen auf dem Prüfstand

Trotz erster Anzeichen einer Besserung will der Autobauer Daimler weltweit offenbar noch mehr Stellen abbauen als ursprünglich geplant. Laut Medienberichten ist inzwischen von 30.000 Stellen die Rede.
22.07.2020, 18:23
Lesedauer: 2 Min
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Daimler unter Druck: Nun 30.000 Stellen auf dem Prüfstand
Von Florian Schwiegershausen
Daimler unter Druck: Nun 30.000 Stellen auf dem Prüfstand

Bei Daimler ist inzwischen der Abbau von weltweit 30.000 Stellen im Gespräch.

Marijan Murat/DPA

Rote Zahlen im zweiten Quartal setzen den Autobauer Daimler unter Druck und zwingen Vorstandschef Ola Källenius in der Corona-Krise offenbar zu einem nochmals verschärften Sparkurs. Im operativen Geschäft verbuchte der Konzern von April bis Juni ein Minus von rund 1,68 Milliarden Euro. Das war nochmal etwas mehr als vor einem Jahr, als Daimler wegen milliardenschwerer Rückstellungen für die Dieselaffäre und Airbag-Rückrufe vorübergehend in die Miesen rutschte – aber zugleich auch weniger als zuvor befürchtet. Die komplette Bilanz für das zweite Quartal legt Källenius am Donnerstag vor. Offen sind vor allem noch die Umsatzentwicklung und das Konzernergebnis.

Unklar ist, ob Källenius auch weitere Details zu seinen Sparplänen durchblicken lässt. Waren es vor einer Woche noch bis zu 20.000 Stellen, die im Unternehmen weltweit wegfallen könnten, ist nun von 30.000 Jobs die Rede. Das berichtete das „Manager-Magazin“ am Mittwoch unter Berufung auf einen Daimler-Finanzer. Demnach lasse Källenius Werksschließungen durchrechnen. Er wolle die Gewinnschwelle um bis zu 15 Prozent senken und die Kosten entsprechend drücken. Die Pläne dazu will der Daimler-Konzernchef kommende Woche dem Aufsichtsrat präsentieren.

Woche für Woche wird die Streichliste größer

Personalvorstand Wilfried Porth hatte vor knapp zwei Wochen betont, dass mehr als die bisher bekannten 1,4 Milliarden Euro im Personalbereich eingespart und auch mehr als die bisher kolportierten 15.000 Stellen gestrichen werden müssten. Zuletzt war von zwei Milliarden Euro und bis zu 20.000 Stellen die Rede, offiziell hat Daimler aber keine Zahlen genannt. Auch der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen wackelt, was für viel Unruhe in der Belegschaft sorgt.

Weltweit beschäftigt der Konzern rund 300.000 Menschen, 12.500 davon im Bremer Mercedes-Werk. Dessen Betriebsratsvorsitzender Michael Peters hatte erst vor zwei Wochen gesagt, dass er einen Stellenabbau am Standort in der Hansestadt für nicht vorstellbar halte: „Ich weiß um die schwierige Situation der Automobilbranche, allerdings sehe ich das Bremer Werk gut aufgestellt. Wer viele Autos bauen will, braucht auch viele Menschen.“

Chinesischer Markt wächst für Daimler wieder

Was die Markterholung angeht, sei die stärker ausgefallen als gedacht, hieß es vergangene Woche, als der Konzern erste vorläufige Zahlen vorlegte. Im Juni sei die Entwicklung sogar „stark“ verlaufen. Die Stammmarke Mercedes-Benz hatte zwar im zweiten Quartal mit insgesamt 457.711 Autos weltweit 20,2 Prozent weniger Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert als ein Jahr zuvor. Das lag aber vor allem an Europa und Nordamerika. In China fand Mercedes bereits wieder in die Wachstumsspur zurück und erzielte nach dem Ende des Lockdowns im wichtigsten Automarkt der Welt ein Auslieferungsplus von fast 22 Prozent. Auch inklusive des schwachen ersten Quartals hat der Autobauer dort nun seit Jahresbeginn wieder eine positive Bilanz vorzuweisen.

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