Schütting-Preis 2016 in Bremen

Mehr als nur Ideen

Beim "Schütting-Preis 2016 für Innovationen im Mittelstand" ist der erste Preis an die Bremerhavener Biozoon GmbH gegangen. Sie entwickelt Verfahren zur industriellen Herstellung von besonderem Essen.
27.09.2016, 22:55
Lesedauer: 4 Min
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Von Peter Hanuschke und Katharina Frohne
Mehr als nur Ideen

Geballte Innovation: Preisträger, Finalisten und Jurymitglieder des diesjährigen Schütting-Preises.

Frank Thomas Koch

Beim "Schütting-Preis 2016 für Innovationen im Mittelstand" ist der erste Preis an die Bremerhavener Biozoon GmbH gegangen. Sie entwickelt Verfahren zur industriellen Herstellung von besonderem Essen.

Innovative Unternehmen haben den Vorteil schlechthin: Entweder ihre Produkte oder Dienstleistungen haben ohnehin ein Alleinstellungsmerkmal oder sie sind denen der Mitbewerber immer einen Schritt voraus. Auch im Land Bremen gibt es diese besonderen Vorreiter. Die Besten wurden am Dienstagabend von der Handelskammer Bremen mit dem begehrten Schütting-Preis ausgezeichnet. Der erste Platz ging an die Bremerhavener Biozoon GmbH, Platz zwei belegte die Nopar International GmbH aus Bremen und über den dritten Platz freute sich die Rotek GmbH aus Bremerhaven.

Passend zum Preis fand die Veranstaltung im Schütting statt. Als um 18.45 Uhr die Gewinner bekannt gegeben wurden, gab es für die Innovationen kräftigen Applaus. Womit die Unternehmen die Jury überzeugt haben, das wurde anschaulich im Kurzfilm präsentiert. Biozoon punktete mit Hähnchenschnitzeln aus dem 3D-Drucker. Das Unternehmen arbeitet an Verfahren zur industriellen Herstellung von Essen für Menschen mit Kau- und Schluckbeschwerden. Dafür gab es den „Schütting-Preis 2016 für Innovationen im Mittelstand“. Der Preis ist mit 7500 Euro dotiert. 5000 Euro gab es für den zweiten Sieger: Nopar fertigt Flipchart-Medien, die nahezu an jedem Untergrund haften. Der dritte Platz, der mit 2500 Euro dotiert ist, ging an Rotek, die Motoren für die Anforderungen von Industrie 4.0 herstellen. Mit einem Sonderpreis wurde das Bremer Familienunternehmen, die Statex Produktions- und Vertriebs GmbH ausgezeichnet, und zwar für eine textile Leiterbahn, die für eine flexible Tablettastatur eines namhaften US-Herstellers gedacht ist.

Der Schütting-Preis, der alle vier Jahre vergeben wird, wurde zum achten Mal verliehen. Mitmachen können alle mittelständischen Unternehmen, die Mitglied der Handelskammer Bremen sind. Wie begehrt der Preis ist, zeigte die Rekordteilnehmerzahl von 44 Unternehmen quer aus den Wirtschaftsbereichen Industrie, Handel und Dienstleistung.

„Großkonzerne haben hier keine Chance“, sagte Moderator Moritz Döbler, Chefredakteur des WESER-KURIER. Es ging an diesem Abend allein um den Mittelstand und seine Innovationsfähigkeit.

„Deutschland braucht einen starken, zukunftsfähigen Mittelstand“, zitierte Festredner Peter Ritzenhoff vor den über 100 Gästen eine Broschüre des Bundesforschungsministeriums. Und Deutschland habe einen innovationsstarken Mittelstand, heißt es dort weiter. Doch der Rektor der Hochschule Bremerhaven relativierte diese Aussage – allein durch Zahlen: „Die auf den Umsatz bezogenen Innovationsausgaben von Großunternehmen übersteigen die von Klein- und mittelständischen Unternehmen um fast das Dreifache.“ Seit 1995 seien die Innovationsausgaben in Großunternehmen um etwa 250 Prozent gestiegen, beim Mittelstand habe dieser Anstieg lediglich bei 36 Prozent gelegen.

„Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass deutlich mehr Innovationskraft im Mittelstand steckt, als die nackten Zahlen es ausdrücken – und das zeigen wiederum die Einreichungen beim Schütting-Preis“, so Ritzenhoff. Die regionalen Innovationsaktivitäten seien auf einem guten Weg. „Aber ich sehe noch große Entwicklungspotentiale, die es zu wecken oder zu nutzen gilt.“ Ein zentraler Schlüssel bestehe in der noch deutlich intensiveren Vernetzung von Wissenschaft

Festredner Peter Ritzenhoff sieht die regionalen Innovationsaktivitäten auf einem guten Weg.

Festredner Peter Ritzenhoff sieht die regionalen Innovationsaktivitäten auf einem guten Weg.

Foto: Frank Thomas Koch

und Wirtschaft. Eine Vernetzung, die auf ein interagierendes Innovationssystem ausgerichtet sei. „Diese Aufwendungen zur Vernetzung stellen aus meiner Sicht ausgesprochen sinnvolle Investitionen dar, die sowohl von der Wissenschaft als auch von der Wirtschaft aufzubringen sind.“

Dazu passend hatte eingangs Kammer-Präses Harald Emigholz in seiner Begrüßungsrede festgestellt, dass „in Bremen ein positives Mikroklima für Innovationen entstanden ist“. Man könne durchaus von einer Aufbruchstimmung bei den Unternehmen sprechen. Hinzu kämen „exzellente Wissenschaftseinrichtungen“, die über die Landesgrenzen Deutschlands hinaus erfolgreich und vernetzt arbeiteten. „Hier steckt ein riesiges Potenzial, das für die Unternehmen an unserem Standort hochinteressant ist.“

Am Ende der Preisverleihung beantwortete sich eine Frage, die Emigholz in seiner Begrüßung gestellt hatte – er wollte wissen, wie aus einer Idee ein Produkt wird – auf ganz anschauliche Weise: Wer wollte, der konnte gleich mehrere Produkte des Schütting-Preis-Gewinners probieren. Biozoon hatte das Fingerfood-Buffet um Gurkensalat aus eigener Produktion erweitert. Und das gab es dann in Breiform.

Die Jury:
- Professorin Karin Luckey, Rektorin der Hochschule Bremen
- Janina Marahrens-Hashagen, Vizepräses der Handelskammer Bremen und Vorsitzende des Ausschusses für Industrie, Umwelt und Energiefragen
- Professorin Katja Windt, Präsidentin der Jacobs University Bremen
- Professor Peter Ritzenhoff, Rektor der Hochschule Bremerhaven
- Professor Bernd Scholz-Reiter, Rektor der Universität Bremen
- Harald Emigholz, Präses der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven
- Dr. Günther W. Diekhöner, Geschäftsführender Gesellschafter, DD Die Denkfabrik Forschungs- und Entwicklungs GmbH
- Moritz Döbler, Chefredakteur WESER-KURIER
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