Im Vergleich zum Vorjahr

Mehr Arbeitslose in Bremen

Der Konjunkturmotor läuft nicht rund, aber auf dem niedersächsischen Arbeitsmarkt geht es weiter bergauf - anders als in Bremen. Chancen gibt es hier trotzdem noch.
30.09.2019, 09:59
Lesedauer: 3 Min
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Mehr Arbeitslose in Bremen
Von Stefan Lakeband
Mehr Arbeitslose in Bremen

Die Arbeitslosigkeit in Bremen ist im September leicht gesunken.

Sonja Wurtscheid/dpa

Das Umfeld für Arbeitnehmer in Bremen wird rauer. Das zeigt die aktuelle Arbeitslosenstatistik, die an diesem Montag vorgestellt wurde. Die Zahl der Menschen ohne Job im Land Bremen ist zuletzt im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die Arbeitslosenquote kletterte auf zehn Prozent. Ein Jahr zuvor lag sie noch bei 9,7. Insgesamt waren 35 993 Menschen ohne Arbeit.

Laut Armin Zubrägel, stellvertretender Leiter der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven, deutet das auf ein „schwieriges wirtschaftliches Umfeld“ hin. Denn die Arbeitslosigkeit sei auch gestiegen, weil Menschen ihren Job verloren hätten. Vor allem in der Zeitarbeit sei es schwer, sagt Zubrägel. Genauso für Ungelernte mit Helferstellen. Diese würden oft als Erstes gestrichen werden.

Viel Geld für Weiterbildung

Dass anders als im Bundesdurchschnitt die Arbeitslosigkeit in Bremen gestiegen ist, kommt nicht überraschend. Schon vergangene Woche war bekannt geworden, dass die bremische Wirtschaft im ersten Halbjahr geschrumpft ist, während sie in den meisten anderen Bundesländern zulegte. Die Hansestadt ist allerdings stark exportabhängig und spürt daher internationale Handelskonflikte besonders stark.

Insgesamt sei die Situation aber noch „nicht dramatisch“, sagt der stellvertretende Chef der Bremer Arbeitsagentur. Auch die Kurzarbeit gebe noch keinen Anlass zu Sorge. Sie ist ein Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Zwar hätten sich mehr Arbeitgeber zu dieser Maßnahme beraten lassen, die Zahl sei aber noch immer sehr niedrig. Im gesamten Bezirk der Agentur, zu dem auch der Landkreis Osterholz gehört, hatten zuletzt nur fünf Unternehmen Kurzarbeit angemeldet. Davon waren 65 Beschäftigte betroffen.

Diese Zahlen könnten sich vielleicht bald ändern. Vor allem in der Autoindustrie und bei ihren Zulieferern denken die Arbeitgeber offenbar vermehrt über Kurzarbeit nach. Das geht aus einer Umfrage unter 500 Betrieben des Arbeitgeberverbands Niedersachsen-Metall hervor. „Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen, dass die niedersächsische Industrie einem kritischen Winterhalbjahr entgegensteuert“, heißt es in der Auswertung. Demnach wird Kurzarbeit in 60 Prozent der Firmen mehr als die Hälfte der Mitarbeiter treffen.

Gleichzeitig, das macht Zubrägel deutlich, gibt es noch viele Chancen am Arbeitsmarkt – vor allem im Gast- und Baugewerbe, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der Logistik würden noch viele Mitarbeiter gesucht. Am Beispiel der Transportbranche zeigt sich, wie differenziert jedoch eine Branche sein kann. In der Logistik seien vor allem Lagerarbeiter ohne Ausbildung vom Jobabbau betroffen, sagt Zubrägel, zeitgleich würden aber beispielsweise Lastwagenfahrer händeringend gesucht. Er wirbt daher für Weiterbildung. Sowohl bei der Agentur für Arbeit als auch bei den Jobcentern stehe dafür momentan viel Geld zur Verfügung. „Insgesamt gibt es für Fachkräfte noch viele Möglichkeiten“, sagt Zubrägel. Aktuell habe die Arbeitsagentur noch mehr als 8000 offene Stellen in ihrem Bestand.

In Niedersachsen machte sich die lahmende Konjunktur kaum bemerkbar. Anders als in der Hansestadt sank die Zahl der Arbeitslosen auf 4,9 Prozent (Vorjahr 5,1). Positive Impulse kamen von der jahreszeitlich üblichen Herbstbelebung. „Im Herbst nehmen viele junge Erwachsene eine Ausbildung auf und melden sich aus der Arbeitslosigkeit ab“, sagte Bärbel Höltzen-Schoh, Chefin der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen. Gleichzeitig beginnen mit dem Ende der Ferien viele Weiterbildungsmaßnahmen. Die niedrigste Arbeitslosenquote mit 2,3 Prozent gab es im Emsland, dagegen wurden mehr als acht Prozent in den kreisfreien Städten Emden, Salzgitter und Delmenhorst registriert. Spitzenreiter mit 10,2 Prozent war die Stadt Wilhelmshaven.

Bundesweit wurde für den September ein Rekord gebrochen: Die Zahl der Menschen ohne Job sank auf 2,234 Millionen – und damit auf eine Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent. Das ist der niedrigste September-Stand seit der Wiedervereinigung. Zuletzt warnte Detlef Scheele, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, allerdings vor den Folgen internationaler Handelskonflikte für den deutschen Arbeitsmarkt. „Nach unserer Einschätzung, die wir mit unserem Forschungsinstitut IAB teilen, haben wir es noch nicht mit den Vorboten eines schnelleren Strukturwandels und inländischen Konjunkturproblemen zu tun, sondern vor allem mit Problemen, die durch die Trump-Administration und die Verunsicherung im Exportgeschäft ausgelöst werden“, sagte er dem „Handelsblatt“.

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