2019 von 70 auf 80 Ladepunkte erweitert

Mehr Strom-Tankstellen in Bremen

E-Autos soll bald der Durchbruch auf dem Massenmarkt gelingen. Doch beim Ausbau der Lademöglichkeiten gibt es regionale Unterschiede. Bremen hat sich zuletzt verbessert.
10.01.2020, 21:24
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Andreas Hoenig und Stefan Lakeband
Mehr Strom-Tankstellen in Bremen

Tanken an der Weser: Im Land Bremen gibt es rund 120 öffentliche Lademöglichkeiten. Auf einen Ladepunkt kommen rund 9,9 Autos mit E-Antrieb.

Bernd Kramer

In Deutschland gibt es deutliche Fortschritte beim Aufbau von Ladepunkten für Elektroautos – aber noch große regionale Unterschiede. Während in Großstädten und Ballungsräumen inzwischen vergleichsweise viele Ladestationen zu finden sind, bestehen auf dem Land noch viele „weiße Flecken“. Das geht aus einer Auswertung des Energieverbandes BDEW hervor, die am Freitag vorgelegt wurde. Der Verband sieht insgesamt eine „Dynamik“ beim Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Insgesamt gibt es in Deutschland derzeit mit Stand Ende 2019 rund 24.000 öffentliche Ladepunkte – das sind fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anteil der Schnellladestationen liegt laut BDEW-Ladesäulenregister bei rund 15 Prozent. Demgegenüber stünden derzeit rund 220.000 E-Autos und Plug-in-Hybride, so der BDEW. Im Durchschnitt würden sich damit gerade einmal neun E-Autos beziehungsweise Plug-in-Hybride einen Ladepunkt teilen. In Niedersachsen kommen auf jeden Ladepunkt rechnerisch 9,1 Autos mit Elektro- oder Plug-in-Hybrid-Antrieb, in Bremen sind es 9,9.

Lesen Sie auch

80 Prozent der Ladevorgänge würden zu Hause oder am Arbeitsplatz stattfinden. „Umso wichtiger ist es, dass im privaten Bereich jetzt endlich die Hürden für den Aufbau von Ladeinfrastruktur abgebaut werden. Das sollte sich die Politik weit oben auf ihre Agenda für das neue Jahr setzen“, sagte BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae. In den kommenden Jahren sollen E-Autos den Durchbruch auf dem Massenmarkt schaffen. Die Elektromobilität spielt eine zentrale Rolle im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung, mit dem die Klimaziele 2030 vor allem im Verkehr erreicht werden sollen. Dafür wird bis 2030 eine Zahl von sieben bis zehn Millionen E-Autos in Deutschland als notwendig angesehen. Die Bundesregierung hat einen „Masterplan Ladeinfrastruktur“ vorgelegt, mit dem der Ausbau beschleunigt werden soll. Ziel ist ein flächendeckendes und kundenfreundliches Ladenetz.

Der BDEW kündigte an, alleine im Bereich der Schnellladepunkte würden Unternehmen bis Jahresende 4000 zusätzliche Ladepunkte errichten. „Die Energiewirtschaft treibt die Elektromobilität in Deutschland voran – keine Elektromobilität ohne Energiewirtschaft“, sagte Andreae.

80 öffentliche Ladepunkte in Bremen im Jahr 2019

Unter den Großstädten gibt es laut BDEW die meisten Lademöglichkeiten in München (1103) und Hamburg (1070). Die größte Stadt Berlin (974) folgt an dritter Stelle. Dahinter liegen Stuttgart (405), Düsseldorf (225) und Leipzig (215). In Bremen gab es 2019 nun 80 öffentliche Ladepunkte und damit zehn mehr als ein Jahr zuvor. Im Ranking hat die Stadt trotzdem verloren und fiel um drei Plätze auf Rang 21 – weil andere Kommunen stärker ausgebaut haben. Bremerhaven landet mit 40 Ladepunkten auf Platz 65.

Hannover erreicht derweil Platz neun: Mit jetzt 170 öffentlichen E-Tankstellen hat die niedersächsische Landeshauptstadt ihren Vorjahreswert (59) fast verdreifacht. Der Energieversorger Enercity hatte im Sommer angekündigt, bis Ende 2020 in der Region rund 600 öffentlich zugängliche Ladestellen zu schaffen, davon 480 im Stadtgebiet. Ziel ist das dichteste E-Ladenetz Deutschlands – gemessen an der Einwohnerzahl von etwa 535.000 Menschen.

Lesen Sie auch

Betrachtet man die einzelnen Bundesländer, liegt in absoluten Zahlen Bayern vorne – mit 5656 öffentlich zugänglichen Ladepunkten. Es folgen Baden-Württemberg (4094) und das einwohnerstärkste Bundesland Nordrhein-Westfalen (3880). Auf den vierten Platz kommt Niedersachsen. Zwischen Nordsee und Harz gibt es demnach 1923 Ladepunkte: Das sind rund 600 mehr als vor einem Jahr.

Hamburg und Berlin an der Spitze

Bei der Anzahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte je 1000 Quadratkilometer sind Hamburg (1417) und die Hauptstadt Berlin (1093) an der Spitze. Es folgen Bremen (286), Baden-Württemberg (115), NRW (114), Hessen (82) und das flächenmäßig größte Bundesland Bayern (79). Die wenigsten Ladepunkte je 1000 Quadratkilometer gibt es in den Ländern Sachsen-Anhalt (16), Brandenburg (zwölf) und Mecklenburg-Vorpommern (neun).

Mitte Dezember hatte es ein Spitzentreffen von Bundesregierung und Energiewirtschaft gegeben. „Unser Ziel ist, dass bald niemand in Deutschland noch sagt: ,Ich kaufe mir kein E-Auto, weil ich nicht weiß, wie und wo ich es laden soll'“, hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gesagt. Vereinbart wurde, dass die Energiewirtschaft im kommenden Jahr einen Leitfaden für die Betreiber von Ladeinfrastruktur erstellen soll. Außerdem sollen Genehmigungsverfahren und Prozesse für den Netzanschluss beschleunigt werden.

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+