Verbraucherzentrale Bremen

Mehrwertsteuer-Senkung wird nicht immer an Verbraucher weitergegeben

Am 1. Juli wurde die Mehrwertsteuer gesenkt. Doch sparen die Verbraucher tatsächlich? Die Verbraucherzentrale Bremen berichtet über mehrere Wochen, welchen Preiseffekt es in den Läden gibt.
02.07.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Annabel Oelmann
Mehrwertsteuer-Senkung wird nicht immer an Verbraucher weitergegeben

Die Mehrwertsteuer wurde am 1. Juli von 19 auf 16 Prozent gesenkt. Allerdings müssen Unternehmen die Steuersenkung nicht an die Kunden weitergeben.

Oliver Berg /dpa

Die Mehrwertsteuer wurde am 1. Juli gesenkt – von 19 auf 16 Prozent und bei dem vergünstigten Steuersatz für bestimmte Güter zur Grundversorgung von sieben auf fünf Prozent. Sparen Verbraucherinnen und Verbraucher tatsächlich?

Unternehmen müssen die Steuersenkung nicht an die Kunden weitergeben. Ihnen steht es frei, ob und wie sie die Reduzierung weiterreichen. Der Lebensmitteleinzelhandel hat sich auf breiter Front dafür ausgesprochen, die geringeren Preise an die Kunden weiterzugeben. Doch ich befürchte, das werden wir im Portemonnaie kaum spüren: Zwei Prozent Preisnachlass sind beispielsweise bei einem Wocheneinkauf für eine Familie von 150 Euro gerade einmal 2,67 Euro Ersparnis. Deutlich größer könnte die Ersparnis bei Luxusgütern wie teuren Autos, der neuen Skiausrüstung oder Elektrogeräten ausfallen. Gerade bei größere Anschaffungen ist es wichtig, vor dem Vertragsabschluss mehrere Angebote der verschiedenen Unternehmen zu vergleichen.

Um einen Überblick über die eigenen Ausgaben und somit auch Veränderungen der Preise zu haben, lohnt es sich gerade jetzt, ein Haushaltsbuch zu führen. Dadurch können Sie sinkende oder steigende Preise und die gesamten Ausgaben auf einen Blick erkennen. Nur so lässt sich feststellen, ob wirklich gespart wird und Geld für andere Anschaffungen übrig bleibt.

Preisveränderungen exemplarisch beobachten

Außerdem sollten Sie den Stromzähler ablesen und den aktuellen Stand dem Anbieter mitteilen, so kann ab Juli der Verbrauch mit dem neuen Steuersatz berechnet werden. Andernfalls wird der Verbrauch für diese Monate einfach geschätzt. Zusammen mit dem WESER-KURIER wird die Verbraucherzentrale Bremen die Preisveränderungen exemplarisch beobachten und darüber berichten. Dafür haben wir einen nicht repräsentativen Warenkorb zusammengestellt. Er setzt sich zusammen aus Gütern der verschiedenen Bereiche des täglichen Lebens, darunter Lebensmittel und Kleidung, aber auch Möbel, Elektrogeräte und Tickets für Nah- und Fernverkehr. Mitte Juni wurden mittels einer Online-Recherche die Preise der Waren erstmalig erhoben und nun mit den Preisen vom 1. Juli verglichen.

Dabei zeigt sich, dass nur bei etwa der Hälfte der Güter die Vergünstigung weitergegeben wurde. Ein Produkt sticht heraus, bei dem der Preis sogar angehoben wurde: der Zehn-Liter-Eimer Wandfarbe des Baumarktes Obi. Im Bereich Mobilität wurde der Preis für ein Einzelticket der BSAG (Preisstufe I), eine Hin- und Rückfahrt von Bremen nach München mit dem ICE der Deutschen Bahn und eine Tagestour mit einem Mittelklassewagen des Carsharing-Anbieters Cambio nach Hamburg verglichen.

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Bei allen drei Beispielen stellte sich am Ende heraus, dass die Mehrwertsteuersenkung nicht an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurde. Dass es auch Artikel gibt, bei denen die Preise gesenkt wurden, zeigt der Vergleich ebenso. Dies war der Fall bei der Waschmaschine, dem iPhone, beim Schokomüsli, beim T-Shirt und beim Rasierschaum. Weitere Vergleiche werden in den kommenden Wochen folgen.

Weitere Informationen

Die Verbraucherzentrale Bremen berichtet über mehrere Wochen im WESER-KURIER, welchen Preiseffekt es in den Läden gibt.

Zum Serienauftakt hat die Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen, Annabel Oelmann, über eine erste Preisanalyse nach der gesenkten Mehrwertsteuer geschrieben. Der Preisvergleich geht weiter, mit wöchentlichen Berichten ab dem 21. Juli.

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