Bremer Werk reagiert auf gestiegene Nachfrage Mercedes stellt 300 Leiharbeiter ein

Bremen. Nach Monaten der Kurzarbeit brummt es wieder im deutschen Automobilbau. Die Absatzeinbrüche sind überwunden. Damit zusätzliche Autos vom Band laufen können, werden im Bremer Mercedes-Werk jetzt mehrere hundert Leiharbeiter eingestellt.
23.06.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Mercedes stellt 300 Leiharbeiter ein
Von Petra Sigge

Bremen. Nach Monaten der Kurzarbeit brummt es wieder im deutschen Automobilbau. Die Absatzeinbrüche sind überwunden. Von Produktionsstillständen ist keine Rede mehr. Die Hersteller luxuriöser und teurer Fahrzeuge, BMW, Audi, Porsche und Daimler, profitieren vor allem von der starken Nachfrage aus den USA, China, Japan und Indien. Besonders in China reißen sich die Käufer um die Nobelkarossen. Damit zusätzliche Autos vom Band laufen können, werden im Bremer Mercedes-Werk jetzt mehrere hundert Leiharbeiter eingestellt.

Wie Daimler mitteilt, sind derzeit das in Bremen gebaute E-Klasse-Coupé und -Cabrio, der C-Klasse-Kombi sowie das kleinere der beiden Geländewagen-Modelle GLK besonders gefragt. Um mit der Produktion überhaupt noch nachzukommen, sollen - so der Betriebsrat - ab Ende Juli rund 300 Leiharbeiter beim Bau der C-Klasse mithelfen, damit die Autos künftig im Drei-Schicht-Betrieb gebaut werden können.

Wie Betriebsratsvorsitzender Uwe Werner sagt, ist es schon länger her, dass im Bremer Mercedes-Werk zuletzt Leiharbeiter eingesetzt wurden. Mehr als die Hälfte von ihnen sei bereits angeheuert und werde gerade qualifiziert. Die übrigen sollen in den nächsten Wochen nach und nach eingestellt und eingearbeitet werden.

Zahl der Zeitarbeiter gedeckelt

An anderen Daimler-Standorten sind Leiharbeiter kontinuierlicher im Einsatz. Nach Konzernangaben hat sich ihre Zahl von 900 im Frühjahr auf mittlerweile 1800 verdoppelt. Durch eine Betriebsvereinbarung sei hier allerdings eine Obergrenze gesetzt, erklärt der Bremer Betriebsratsvorsitzende.

Danach dürfe die Zahl der Zeitarbeiter den Anteil von acht Prozent gemessen an der Gesamtzahl der gewerblichen Arbeitnehmer im einzelnen Werk nicht überschreiten. Im Bremer Werk könnten damit maximal etwa 600 Leiharbeiter eingestellt werden. Und das nicht für weniger Lohn, betont Uwe Werner. Anders als viele auf Zeit Beschäftigte in anderen Betrieben bekommen die Leiharbeiter bei Daimler 'gleiches Geld für gleiche Arbeit'.

Um die Produktion weiter zu steigern, werden die Werksferien im Sommer im Bereich der C-Klasse von drei auf zwei Wochen verkürzt, bestätigt ein Unternehmenssprecher. In Bremen werden im zweiten Halbjahr zudem zusätzliche Sonnabendschichten gefahren. Als Ausgleich sollten die Beschäftigten dann freie Tage zwischen Weihnachten und Neujahr nehmen, sagt Betriebsrat Werner.

Auch bei BMW wird mittlerweile mit der Arbeitnehmervertretung über Möglichkeiten gesprochen, 'die Kapazitäten im zweiten Halbjahr zu erhöhen', erklärt ein Münchner Konzernsprecher. Bei Audi gibt es bereits verlängerte Schichten. Von Euphorie ist aber bei den Herstellern trotz des Auftragsbooms aus Asien keine Rede. Noch, so heißt es, seien die großen Autofirmen dabei, die Lücken zu füllen, die die Krise gerissen hat.

Ob etwa BMW bald die Rekordmarke aus dem Jahr 2007 von 1,5 Millionen Fahrzeugen knacken wird, ist nicht absehbar. Bislang hat die Konzernleitung ihre Prognose nicht nach oben korrigiert. Sie rechnet weiter damit, in diesem Jahr 1,3 Millionen Autos zu verkaufen.

Auch Audi bleibt bei seiner ursprünglichen Ansage, dieses Jahr gut eine Million Fahrzeuge an die Käufer zu bringen. Daimler dagegen hatte seine Prognose schon im Frühjahr deutlich nach oben gefahren. Die Produktion von Mercedes-Benz Cars, so ließ Vorstandschef Zetsche kürzlich wissen, werde im zweiten Quartal deutlich über 300000 Fahrzeugen liegen. Das wäre fast wieder das Niveau von vor der Wirtschaftskrise.

Angetrieben wird die Erholung der Automobilindustrie vor allem von der starken Nachfrage in den USA und den asiatischen Märkten. Im Mai wurden sowohl aus den USA als auch Russland, Japan, China und Indien zweistellige Zuwachsraten bei den Neuzulassungen gemeldet. Allein in China wurden im vergangenen Mai 30,5 Prozent mehr Autos verkauft. In der Summe kommt China in den ersten fünf Monaten dieses Jahres auf 4,53 Millionen neu zugelassene Pkw, das sind 57 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Damit hat China fast das Niveau der USA (4,62 Millionen Pkw) erreicht.

Während der Markt in Asien boomt, ist die Lage in Europa und dem einstigen Vorzeigemarkt Deutschland weiter düster. Das geht aus aktuellen Zahlen hervor, die der europäische Branchenverband ACEA und der Verband der Automobilindustrie (VDA) vorgelegt haben.

Demnach sind in Europa im Mai das zweite Mal in Folge weniger Autos zugelassen worden. Die Pkw-Neuzulassungen in den 27 EU-Staaten sanken den Angaben zufolge um 9,3 Prozent auf knapp 1,13 Millionen. Als Gründe werden das Auslaufen der staatlichen Abwrackprämien und die weiterhin schwierige Wirtschaftslage genannt. In Deutschland sei das Minus mit 35,1 Prozent am größten ausgefallen.

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