Die Astronautin „Mir lief der Schweiß richtig runter“

Schon ihr Vater war Astronaut: Insa Thiele-Eich ist unter den letzten sechs Kandidatinnen der Initiative "Die Astronautin". Im Interview spricht die gebürtige Heidelbergerin über ihren Weg zu diesem Ziel.
01.03.2017, 19:26
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„Mir lief der Schweiß richtig runter“
Von Stefan Lakeband

Schon ihr Vater war Astronaut: Insa Thiele-Eich ist unter den letzten sechs Kandidatinnen der Initiative "Die Astronautin". Die 33-Jährige betreibt Grundlagenforschung für verbesserte Wetter- und Klimavorhersagen. Im Interview spricht die gebürtige Heidelbergerin über ihren Weg zu diesem Ziel.

Frau Thiele-Eich, Sie sind unter den letzten sechs und könnten Deutschlands erste Astronautin werden. Was war bislang das Schwerste auf dem Weg dahin?

Insa Thiele-Eich: Als wir im Auswahltest etwas mit einem Joystick am Bildschirm bewegen mussten, war das eine große Herausforderung. Das war eine neue Situation für mich. Außerdem saßen mit mir 40 andere Bewerberinnen im Raum und ich wusste: Jetzt kommt es drauf an. Da lief mir richtig der Schweiß runter.

Wie haben Sie sich auf die Tests vorbereitet?

Ich habe ein naturwissenschaftliches Studium, da lernt man schon vieles, was man als Astronautin braucht. Für die kognitiven Tests haben wir Übungsmaterial bekommen. Das war gut, um noch einmal die Grundlagen in Physik und Mathematik aufzufrischen.

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Konnte Ihnen Ihr Vater keine Tipps geben? Er war schließlich auch Astronaut.

Als er in den 80er-Jahren ausgewählt wurde, musste er Schrauben von einem Becher in den anderen Werfen – so wurde seine Motorik getestet. Mittlerweile sind die Auswahlverfahren natürlich weiter. Mein Vater hat mir aber zwei Ratschläge gegeben: ,Mach das, wofür du eine Leidenschaft hast und was dir Freude bereitet.‘ Und: ,Keep calm‘, also bleib ruhig. Das hat mir tatsächlich geholfen.

Ist die Raumfahrt eine Familientradition bei Ihnen?

Jeder bekommt von seinen Eltern Interessen weitergereicht. Bei meiner Mutter ist es die Liebe zur Natur und das Kulturelle, bei meinem Vater eben die Begeisterung für die Raumfahrt.

Und was geben Sie Ihren Kindern weiter?

Meine Kinder bekommen natürlich sehr viel mit, was mit dem Weltraum zu tun hat. Sie können die Planeten auswendig und die Farben des Regenbogens in der richtigen Reihenfolge aufsagen, seitdem sie drei Jahre alt sind. Mein Mann arbeitet im Finanzbereich. Von ihm bekommen die das Verständnis für wirtschaftliche Prozesse.

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Sie wollten schon als Kind Astronautin werden. Wie hoch haben Sie die Wahrscheinlichkeit eingeschätzt, dass es tatsächlich so weit kommt?

Es war immer nur ein Plan B. Schon früh war mir klar, dass es selten Auswahlprozesse gibt. US-Staatsbürgerin zu werden, um bei der Nasa unterzukommen, erschien mir auch schwierig. Deswegen habe ich einfach gehofft, dass zum richtigen Zeitpunkt die richtige Ausschreibung kommt.

Was möchten Sie als Erstes machen, wenn Sie die Raumstation ISS betreten?

Die Zeit an Bord ist sehr stark durchgetaktet. Ich müsste wahrscheinlich recht schnell mit der Arbeit anfangen. Der obligatorische Blick aus dem Fenster darf aber natürlich nicht fehlen.

Die Fragen stellte Stefan Lakeband.

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