Schutz auf Windrädern

Mit Absicherung hoch hinaus

Vor sechs Jahren gründeten Fritz Mahrholz und Marco Büntzow das Unternehmen MEB-Services, das für Schutz in großen Höhen sorgt. Zuvor hatte aber einer der beiden noch eine Prüfung zu bestehen.
25.11.2017, 20:45
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Von Helge Hommers
Mit Absicherung hoch hinaus

Auch die Geschäftsführer von MEB-Services müssen schwindelfrei sein: Fritz Mahrholz (links) und Marco Büntzow sind tagtäglich in großen Höhen im Einsatz

Christina Kuhaupt

Marco Büntzow blickt in die Tiefe. Etwa 30 Meter trennen ihn vom Grund. Es ist windig, sehr windig. Wohl fühlt er sich nicht, er klettert das erste Mal in solch einer Höhe. Später wird er sagen, dass er keine Sicherheitsgurte gebraucht hätte. So sehr habe er sich an der Windkraftanlage festgekrallt. Die Tauglichkeitsprüfung, auch in mehr als zehn Metern schwindelfrei zu bleiben, hat er dennoch bestanden, wie ihm sein Begleiter und potenzieller Geschäftspartner Fritz Mahrholz bestätigt. Das ist inzwischen etwa sechs Jahre her, einer Zusammenarbeit stand somit nichts mehr im Wege.

Der Windkraft den Rücken kehren

Heute sind Mahrholz und Büntzow Geschäftsführer von MEB-Services, das seinen Sitz in der Überseestadt hat. Der dritte Mitgründer, der für den mittleren Buchstaben im Firmennamen steht, zog sich bereits nach kurzer Zeit aus dem Unternehmen zurück. Spezialisiert ist es auf die Sicherungstechnik bei Windkraftanlagen, sowohl aus dem On- als auch dem Offshore-Bereich. MEB-Services kümmert sich um die Überprüfung und Wartung von Aufzügen, der Schutzausrüstung und Gerätschaften, die in großen Höhen Lasten bewegen und heben. Aber auch auf Kränen, im Hochbau oder bei Kanalsystemen bieten Mahrholz und Büntzow ihre Hilfe an. „Im Prinzip überall dort, von wo man abstürzen kann“, sagt Büntzow.

Kennengelernt haben Mahrholz und er sich im Jahr 2010 über ihre Kinder, die damals in denselben Kindergarten gingen. Es dauerte nicht lange, bis die beiden beschlossen, beruflich zusammenzuarbeiten – obwohl sie aus völlig unterschiedlichen Branchen stammen. Der gebürtige Ostfriese Büntzow ist promovierter Meeresbiologe, war aber viel zu wenig auf dem Ozean, wie er sagt. Schließlich stufte er die große Liebe zur Meeresbiologie notgedrungen zum Hobby herunter.

Mahrholz hingegen hatte schon viele Berufe. Unter anderem war er Elektriker, Tischler und Schlosser. Bereits Anfang der 1980er-Jahre kam er in die damals noch an ihren Anfängen stehende Windkraftbranche und half beim Bau der ersten Anlagen Deutschlands. „Alles, was mit Höhe zu tun hat, hat mir immer schon Spaß gemacht“, erzählt er. In den nächsten Jahren bildete er Windkraftmonteure aus und war Berater bei vielen großen Firmen. Irgendwann gefiel ihm die Arbeit jedoch nicht mehr, er wollte der Windkraft den Rücken kehren. „Das hat aber zum Glück nicht so richtig geklappt“, sagt Mahrholz lächelnd.

Mängel an Drahtseilen

Gemeinsam haben er, Büntzow und ihr damaliger Partner ein Geschäftsmodell erarbeitet – und dann ging alles ganz schnell: Im März 2011 meldeten sie in Axstedt im Landkreis Osterholz das Gewerbe MEB-Services an. Die Gründer gingen damals einem Fulltime-Job nach: Sie waren ständig auf Geschäftsreisen, schliefen vorwiegend im Hotel und schrieben am Ende des Tages im Bett ihre Berichte.

Ihren ersten Sitz hatten sie im Axstedter Gemeindebüro, das sie schon im Jahr darauf verließen und in die Überseestadt zogen. Kurze Zeit später stellten sie den ersten Angestellten ein. „Wir hatten irgendwann so viel zu tun, da musste einfach jemand im Büro sitzen“, sagt Mahrholz. Inzwischen gehören dem Unternehmen neben vier Bürohunden insgesamt 36 Mitarbeiter an. Und die werden auf Augenhöhe behandelt, wie Büntzow sagt. „Denn Arbeitszeit ist Lebenszeit“.

Er und Mahrholz orientieren sich an der Mitarbeiterphilosophie von Götz Werner, dem Gründer der DM-Drogeriemärkte. Vertrauen in die Mitarbeiter und ihre Einbeziehung in Entscheidungen stehen im Vordergrund. Autoritäres Auftreten der „Mannschaftskapitäne“, wie Mahrholz und Büntzow auf der Homepage des Unternehmens genannt werden, gibt es nicht.

Aktuell arbeitet MEB-Services zusammen mit dem Institut für Produktion und Logistik der Uni Bremen an einem Forschungsprojekt zur Überwachung von Mängeln an Drahtseilen, die etwa für Fahrstühle verwendet werden. „Die meisten Schäden sind in den Drahtseilen, von außen sind sie daher nicht erkennbar“, sagt Büntzow. Oft erfolgt jedoch die Sicherheitskontrolle nur durch eine einfache Sichtprüfung, was aber nicht immer genügt. Durch „Mobistar“, so der Projekttitel, soll ein System entwickelt werden, das die Schäden in und am Seil automatisch erkennt. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt das auf etwa zwei Jahre ausgelegte Projekt mit 400 000 Euro.

26 Meter hoher Windkraftanlagenturm

Inzwischen expandiert das Unternehmen – wenn auch in Sichtweite: Seit Anfang Oktober gehört MEB-Services ein Trainingszentrum, das in 382 Meter Entfernung vom Hauptsitz liegt. Fünf Jahre lang stand das ungefähr 2000 Quadratmeter große Gebäude leer, dann haben es Mahrholz und Büntzow gekauft. Seit den aufwendigen Renovierungsarbeiten, die ein großer Wasserschaden erforderte, werden hier Sicherheitsschulungen für Fachkräfte angeboten, die auf hochgelegenen Arbeitsplätzen zum Einsatz kommen.

Das Angebot umfasst aber noch weitere Seminare, wie etwa Erste-Hilfe-Kurse oder die Brandbekämpfung in der Höhe. „Bei uns können verschiedene Schulungen in einem Trainingspaket gebucht werden, die sonst nur separat an vielen verschiedenen Orten angeboten werden“, sagt Mahrholz. Nehmen pro Jahr zwischen 700 und 1000 Personen an den Schulungen teil, war es ein gutes Jahr.

Das Trainingszentrum entspricht aber noch nicht ganz den Vorstellungen der Geschäftsführer. An einem Anbau wird bereits gearbeitet. Der soll, ebenso wie die vollständige Renovierung des Trainingszentrums, im ersten Quartal des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Vorgesehen ist unter anderem ein 26 Meter hoher Windkraftanlagenturm, der neben dem Gebäude errichtet wird. Dass von den Schulungsteilnehmern einer nicht „hochgeht“, wie Mahrholz sagt, ist eher unwahrscheinlich. Der 56-Jährige kann sich nur an zwei Personen erinnern, die er während seiner Schulungen am Boden zurücklassen musste.

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