Kundgebung in Bremen

Aktionstag bei Airbus in Bremen

IG Metall und Betriebsräte fordern ein Zukunftskonzept für den Airbus-Standort in Bremen. Das Werk beteiligt sich an einem bundesweiten Aktionstag, mit dem Druck auf die Verhandlungen ausgeübt werden soll.
06.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Aktionstag bei Airbus in Bremen
Von Maren Beneke

Die Gewerkschaft IG Metall will gemeinsam mit Betriebsräten und der Belegschaft des Luft- und Rüstungskonzerns Airbus den Druck auf das Management erhöhen. Derzeit befinden sich Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter in Verhandlungen um einen Interessenausgleich und einen Sozialplan.

Konkret geht es in den Gesprächen unter anderem darum, wie Aufhebungs- und Vorruhestandsverträge aussehen können. Auch über eine Ausweitung der Kurzarbeit auf bis zu 24 Monate wird diskutiert. Zudem will die Gewerkschaft den Konzern am Montag zu Tarifverhandlungen über den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen auffordern.

Die Verhandlungen werden am Dienstag von einem bundesweiten Aktionstag begleitet. Auch das Bremer Werk soll sich unter dem Motto „5 vor 12 Uhr“ daran beteiligen. Als Gastredner wird Konzernbetriebsratschef Holger Junge bei der Kundgebung erwartet.

Es sei nicht zu akzeptieren, dass das Unternehmen ausschließlich auf den massiven Abbau von Arbeits- und Ausbildungsplätzen setze, begründet die Bremer IG-Metall-Geschäftsführerin Ute Buggeln. „Die aktuelle wirtschaftliche Situation stellt hohe Anforderungen an die Maßnahmen und Instrumente, um die Zeiten der Krise bei Airbus zu überbrücken.“ In den Verhandlungen wird laut Buggeln derzeit um innovative Lösungen gerungen, um Beschäftigungen und Kernkompetenzen an den Standorten zu sichern.

Die Voraussetzungen waren für den Bremer Airbus-Standort auch vor der Corona-Krise nicht einfach. Noch Anfang März hatten die Betriebsräte von Airbus Operations, Ariane Group, Premium Aerotec, A400M und Airbus Defence and Space zu Betriebsversammlungen eingeladen, um die Belegschaft für die Situation zu sensibilisieren.

In der Hansestadt sind mit Ausnahme der Helikopter-Sparte alle Geschäftsbereiche der Airbus-Group vertreten. Damit ist der Standort bundesweit einzigartig. Eine Schwierigkeit dabei ist, dass die Unternehmen teilweise in Abhängigkeiten zueinander stehen. Zudem treten die Sparten im Wettbewerb mit anderen Standorten, an denen sie ebenfalls vertreten sind. Die Kritik von Bremer Betriebsräten und Gewerkschaft: Die Strategien der Zentralen der jeweiligen Unternehmen seien nicht abgestimmt und würden sich negativ auf den Standort in der Hansestadt auswirken. So hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. In mehreren Sparten liefen zu dem Zeitpunkt bereits Stellenabbauprogramme.

Weltweit hatte die Pandemie in den darauffolgenden Monaten noch einmal zusätzliche gravierende Auswirkungen auf den Konzern: Das zweite Quartal schloss Airbus unterm Strich mit einem Minus von mehr als 1,4 Milliarden Euro ab. Im Juli war bekannt geworden, dass der Konzern allein im zivilen Flugzeugbau gut 15 000 Arbeitsplätze streichen will. 5100 der Stellen sollen auf Deutschland entfallen, Bremen soll 441 Arbeitsplätze abbauen.

Die IG Metall fordert laut einer Mitteilung, die am Sonnabend veröffentlicht wurde, „verbindliche und konzernübergreifende Zukunftskonzepte für den Airbus-Standort Bremen und für die Premium Aerotec AG“. Die Kritik: Die Hansestadt sei vom geplanten Stellenabbau besonders hart betroffen. Zudem gebe es erste Anzeichen, dass am Standort innerhalb der Umstrukturierung die Kernkompetenz der Flügelausrüstung des A330 und A350 erneut infrage gestellt werde. „Die Debatte um die Zukunft der Flügelausrüstung als eine der zentralen Kernkompetenzen des Standorts führt zu großer Unruhe bei den Beschäftigten“, sagt Torsten Olthoff, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender von Airbus Operations Bremen. „Wir erwarten daher vom Unternehmen ein klares Bekenntnis zur Zukunft des Standorts.“

Der Konzern hatte erklärt, seine weltweite Produktion und auch die Auslieferungen um 40 Prozent drosseln zu wollen. Seit Beginn der Corona-Krise trennte sich Airbus bereits von 1100 Leiharbeitern allein in den norddeutschen Werken. In Bremen arbeiten derzeit gut 2900 Menschen in der Verkehrsflugzeugsparte. Dazu kommen noch einmal 600 Mitarbeiter beim Joint Venture Ariane Group, 800 Angestellte bei Airbus Defence and Space, 700 Mitarbeiter im Teilbetrieb A400M. Das Tochterunternehmen Premium Aerotec hat in der Hansestadt 500 Angestellte.

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