Erste spanische Mercedes-Azubis

„Moin“ statt „Buenos dias“

Zuerst war es nur ein Versuch, den Mercedes und andere Unternehmen 2013 wagten: Die Suche nach jungen Menschen in Spanien, die eine Ausbildung in Deutschland machen möchten, zeigte sich mehr als erfolgreich.
24.01.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Florian Schwiegershausen
„Moin“ statt „Buenos dias“

Garikoitz Hernandorena de la Cruz (links) und Iñigo Astiz Zugarramurdi sind ein letztes Mal im Ausbildungszentrum bei Mercedes. Nun sind die Spanier fertige Mechatroniker.

Christina Kuhaupt

Zuerst war es nur ein Versuch, den Mercedes und andere Unternehmen 2013 wagten: Die Suche nach jungen Menschen in Spanien, die eine Ausbildung in Deutschland machen möchten, zeigte sich mehr als erfolgreich.

Da stehen Garikoitz Hernandorena de la Cruz und Iñigo Astiz Zugarramurdi ein letztes Mal im Ausbildungszentrum von Mercedes-Benz in Sebaldsbrück. Hier haben sie in den letzten drei Jahren während ihrer Ausbildung zum Mechatroniker viel Zeit verbracht. Aber es hat sich für die zwei Nordspanier aus Pamplona gelohnt. Seit Montag sind sie fertig mit ihrer Ausbildung.

Zur Feier des Tages überreichte ihnen ihr Ausbildungsmeister eine Flasche Sekt. Mit ihnen sind noch zwei weitere Spanier fertig geworden, die eine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker gemacht haben. Damit gehören sie zum ersten Jahrgang Spanier bei Mercedes in Bremen, die den Schritt von Spanien nach Deutschland gewagt haben.

Suche nach jungen Azubis in Spanien

Es ist anfangs ein Versuch gewesen, den neben Mercedes auch andere Unternehmen im Jahr 2013 gewagt haben. Sie haben in Spanien gezielt nach jungen ­Menschen gesucht, die bereit waren, in Deutschland eine Ausbildung zu machen. Angesichts der Tatsache, dass in Spanien infolge der Wirtschaftskrise jeder Zweite unter 29 Jahren arbeitslos ist, begannen die jungen Menschen ihre Ausbildung in der Hansestadt, um eine berufliche Perspektive zu haben.

Längst sagen sie „Moin“ statt „Buenos dias“, sind in Bremen angekommen und haben die Stadt lieben gelernt. Garikoitz Hernandorena de la Cruz mag in der Kantine am liebsten Kohl und Pinkel, Iñigo Astiz Zugarramurdi schwört dagegen auf die Currywurst. Auch haben sie gelernt, das Wetter in Bremen so zu nehmen, wie es kommt.

Während de la Cruz in Bremen bleibt, geht Zugarramurdi zurück in seine Heimat. „Meine Freundin wartet dort auf mich. Wir haben schon vor meiner Ausbildung zu­sammen gewohnt. Sie hat dort eine Arbeit, außerdem haben wir eine Drei-Zimmer-Wohnung gekauft.“

Zukunft in Bremen

Eventuell hat der 31-Jährige auch eine Arbeit in Aussicht im Mercedes-Werk in Vitoria. Das wäre eine Stunde von seiner Heimat entfernt. Als ­Zugarramurdi 30 Jahre alt wurde, ließ ihn Ausbildungsmeister Patrick Schmidt vor dem Werkstor fegen – statt vor dem Bremer Dom.

Anfangs spielte er sogar bei Werder und stand bis zu einem Kieferbruch im Tor. Dann ließ er es sein mit Fußball. Stattdessen ging er morgens oft zu Fuß den Weg von seiner Wohnung in der Neuen Vahr Nord zum Werk nach Sebaldsbrück. Das sind immerhin 40 Minuten. Für seine Arbeit in Pamplona wird er jetzt wohl das Auto nehmen müssen.

De la Cruz sieht seine Zukunft dagegen in Bremen. Ab jetzt wird er in Halle 9 arbeiten, wo die C-Klasse und der GLC montiert werden. In sechs bis zwölf Monaten kommt er dann zu seinem Zieljob als Mechatroniker. Dabei war es für den 26-Jährigen anfangs nicht sicher, ob er nach Bremen kommt.

Unterschied in der Ausbildung

Sein Ausbildungsmeister Patrick Schmidt berichtet, dass er über die Warteliste nachgerückt ist. Innerhalb von zehn Tagen musste er sich entscheiden, ob er seine Zelte abbricht und nach Bremen geht. Dieser Schritt entpuppte sich für ihn als Volltreffer. Zu Beginn wohnte er sogar nur 400 Meter weiter als sein Ausbildungsmeister. Da sind sie oft zusammen zur Arbeit gegangen.

De la Cruz sagt, wo der Unterschied in der Ausbildung ist: „In der Heimat gehen wir zwei Jahre zu einer Art Berufsschule. Danach machen wir 300 Stunden Praktikum und sind fertig. Hier in Deutschland haben wir viel mehr Praxis und verdienen vom ersten Tag an Geld.“ In Pamplona hat De la Cruz noch bei seinen Eltern gewohnt. Er gibt auch zu bedenken: „So in ein anderes Land zu gehen, ist nichts für jemanden, der nur bei seiner Familie leben möchte.“

Viele Spanier machen es so wie er. Über das EU-Projekt „Mobipro“ haben vergangenen August 2200 EU-Bürger eine Ausbildung in Deutschland angefangen. 60 Prozent davon kommen nach Angaben der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) aus Spanien. Vor Ort in Bremen werden sie von Oliver Schneider und seinen Kollegen betreut. 65 sind es insgesamt.

Kontakt per Whatsapp

Schneider sagt: „Die meisten sehen nach der Ausbildung ihre Zukunft auch hier in Deutschland. Die Verdienstmöglichkeiten sind bei uns einfach besser.“ Zu den spanischen Azubis hält er per Whatsapp Kontakt. Einmal im Monat trifft sich die Gruppe. Yerold Sanabria ist noch am Anfang seiner Ausbildung. Der 26-Jährige ist aus Málaga und macht im Güterverkehrszentrum bei der Firma Transgourmet eine Ausbildung zum Facharbeiter Lagerlogistik. „In Spanien war ich arbeitslos“, erklärt der junge Mann.

Seine Vorgesetzten sind mit ihm absolut zufrieden und erkennen dessen Ehrgeiz an, unbedingt alles auf Deutsch erklären zu wollen. Wenn das nicht klappt, gibt es bei dem Unternehmen, das Gastronomie-Betriebe mit Zubehör rund ums Kochen beliefert, noch Lagerleiter Sebastian Ahrens und einen Azubi, der Halb-Spanier ist. Der hilft ihm auch in der Berufsschule. Denn gerade dort sei es schwierig. Aber ein Ziel hat er schon für das neue Jahr: „Ich möchte gern mal an die Nordsee.“

Lagerleiter Ahrens schaut, dass Sanabria demnächst einen Fahrer bei der Warenauslieferung auf die ostfriesischen Inseln begleitet. Noch macht der Azubi weiter seinen Deutschkurs. Aber so langsam wird es. Etwas wehmütig sagt Mercedes-Ausbildungsmeister Schmidt: „Trotz aller Distanz, die man wahren muss, da entstehen Freundschaften.“ Sollte Zugarramurdi mal heiraten, will Schmidt ihn in Pamplona besuchen, zusammen mit Ex-Azubi De la Cruz.

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