Immobilienpreise steigen weiter

„Money, Money, Money“

Die Nachfrage nach Häusern und Wohnungen ist weiter groß. So steigen auch die Preise in Bremen immer noch an. Ein Niveau wie in Hamburg und Berlin erwarten Experten aber nicht.
14.08.2019, 19:14
Lesedauer: 3 Min
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„Money, Money, Money“
Von Lisa Boekhoff
„Money, Money, Money“

Baustelle Gartenstadt Werdersee: In Bremen entstehen derzeit viele neue Wohnhäuser. Die Nachfrage nach Immobilien bleibt konstant hoch.

Roland Scheitz

Im Moment gibt es für den Markt nur eine Richtung: Immobilien werden stetig teurer. In Zeiten, in denen Anlagen kaum Zinsen abwerfen und Strafzinsen für Guthaben bei immer mehr Banken drohen, sind Häuser und Wohnungen als Anlageform weiter beliebt. „Viel Nachfrage, wenig Angebot“, fasst Sven-Markus Buck von Engel & Völkers Commercial Bremen die Situation zusammen. In seinem Bereich konnte der Immobilienberater für Wohn- und Geschäftshäuser sowie Investment im vergangenen Jahr 22,7 Prozent mehr Umsatz im Vergleich zum Vorjahr erzielen. „Wir hatten ein gutes Jahr."

Die Zahlen von Robert C. Spies spiegeln ebenfalls die Entwicklung. Im Geschäft mit Mehrfamilienhäusern verzeichnete das Bremer Immobilienunternehmen ein Umsatzplus von 37 Prozent. Obwohl die Zahl der Transaktionen im Vergleich zum Vorjahr leicht sank, stieg der Umsatz auf 195 Millionen Euro. Das hängt laut Jon-Hendrik Harms, Immobilienberater für Anlageimmobilien bei Robert C. Spies, damit zusammen, dass viele größere Objekte verkauft worden seien. Außerdem ziehen die Preise aufgrund der großen Nachfrage weiter an. Derzeit gebe es einen Preisanstieg „über alle Lagen hinweg“. In Hamburg stieg das Transaktionsvolumen des Unternehmens bei Immobilienobjekten, die dort Zinshäuser genannt werden, ebenfalls kräftig auf knapp 1,9 Milliarden Euro.

Das Preisniveau in Bremen gilt im Vergleich zu Hamburg oder München als moderat. Sven-Markus Buck nimmt trotz steigender Preise an, dass es so bleibt. Die „Sphären von Hamburg, Berlin oder München“ werde man nicht erreichen. „Da werden wir definitiv nicht hinkommen.“ Harms betont zudem, dass das Tempo aus dem Zuwachs in Bremen abgenommen hat. „Wir haben nicht mehr die rasante Preissteigerung.“

Auf der Suche nach mehr Rendite sieht sein Kollege Carsten Rieckhoff, der Leiter der Forschung von Robert C. Spies, bereits einen neuen Trend. "Die Strategie ABBA gibt es fast nicht mehr", sagt Rieckhoff. Wie bei der schwedischen Band stehen die Buchstaben im Immobilienjargon für Abkürzungen, für A-Lagen in B-Städten oder B-Lagen in A-Städten. Selbst in B-Städten – wie Bremen – seien die Erträge jedoch schwerer zu erzielen. Darum komme ACDC ins Spiel: die C- und D-Städte. Allerdings gibt es laut Harms in Bremen weiter noch interessante Renditen. "Bremen gerät zunehmend in den Fokus institutioneller Investoren", konstatiert der Experte. Das Interesse richtig großer Investoren halte sich in Grenzen, relativiert dagegen Wettbewerber Buck von Engel & Völkers Commercial etwas, da es hier selten Objekte mit mehr als 100 Einheiten gebe. Investoren bräuchten aber ein bestimmtes Volumen, um am Standort überhaupt aktiv zu sein. Da seien selbst 20 Einheiten noch zu klein, wenn bisher kein Engagement in der Stadt bestehe.

Zu Objekten zählen Mehrfamilienhäuser mit mindestens drei Einheiten, die vom Eigentümer nicht selbst bewohnt werden. Die Käufer dieser Immobilien von Robert C. Spies kamen 2018 vor allem aus Bremen und der Umgebung. Beliebt sind bei ihnen nach Angaben des Unternehmens zentrale Lagen mit guter Verkehrsanbindung und vielen Geschäften wie Schwachhausen, Findorff, Bremen-Mitte, die Neustadt sowie die Östliche Vorstadt. Buck beobachtet, dass auch hintere Teile der Neustadt, Woltmershausen und Walle an Beliebtheit gewinnen – oder Hastedt. „Da sehen wir noch sehr viel Potenzial.“

Im Bestand sind die Mieten 2018 laut Robert C. Spies um rund sieben Prozent gestiegen auf im Schnitt 8,55 Euro pro Quadratmeter. Im oberen Segment werden sogar 13 Euro oder mehr aufgerufen. Harms prognostiziert, dass die Nachfrage auf dem Bremer Wohnungsmarkt voraussichtlich weiter hoch sein wird „verbunden mit weiter leicht steigenden Kaufpreisen und Mieten“. Angst vor einer Immobilienblase gibt es bei den Experten trotz des anhaltenden Trends aber nicht – etwa wegen langfristiger Finanzierungen in hierzulande. Nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) liegt das Risiko einer spekulativen Übertreibung am Immobilienmarkt jedoch bei 92 Prozent. Die Forscher erwarten, dass es bis Ende des Jahres leicht abnehmen wird. „Für Deutschland stehen die Signale zumindest auf Gelb: Es gibt eine explosive Preisentwicklung, die sich von den Immobilienerträgen entkoppelt hat“, so Studienautor Konstantin Kholodilin.

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