Schnellerer Mobilfunk

Ausbau des 5G-Netzes schreitet voran

Für das neue Standalone-5G-Netz von Vodafone gibt es noch keine Smartphones, die es nutzen können. Für Nutzer sei daher keine Eile geboten, meint ein Experte.
22.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Ausbau des 5G-Netzes schreitet voran
Von Maurice Arndt
Ausbau des 5G-Netzes schreitet voran

Vodafone hat als erster Anbieter ein 5G-Netz gestartet und die Sendeanlage als Teil eines bundesweiten 5G-Probebetriebs mit inzwischen 80 Masten in Betrieb genommen.

Sören Stache/dpa

Mit Vodafone hat der erste Mobilfunknetzbetreiber ein echtes 5G-Netz an den Start gebracht. Die Konkurrenten Telekom sowie die hinter O2 stehende Telefonica wollen in den kommenden Monaten folgen, der neue Anbieter 1&1 Drillisch in den kommenden Jahren. Experte Henning Gajek vom Branchenmagazin teltarif.de erklärt, was das für Nutzer nun bedeutet. Einen schnellen Wechsel etwa hält er für nicht nötig, da sich für den Endverbraucher zunächst nicht viel ändere.

Vodafone hat nun ein 5G-Standalone-Netz freigeschaltet: Was ist das?

Bisher zeigen kompatible Handys zwar 5G an, empfangen aber eine Mischform aus 5G und 4G. Dabei wird unter anderem der Verbindungsaufbau über 4G gesteuert und 5G übernimmt den Up- oder Download. Das ist bei den Standalone-Masten, mit denen Vodafone nun vorgeprescht ist, anders: Hier läuft alles über den neuen Mobilfunkstandard. „Dazu braucht es ein komplett neues Netz und neue Rechenzentren. Das wird gerade aufgebaut“, erklärt Gajek. Derzeit ist das Standalone-Netz (SA) noch langsamer als das gemischte Netz, das maximal ein Gigabit schafft. Das wird sich in Zukunft ändern, dann sollen bis zu fünf Gigabit über SA möglich sein.

Wie weit verbreitet ist die neue Technologie?

300 SA-Funkmasten in 170 Kommunen hat Vodafone aufgestellt. Daneben gibt es im 5G-Netz die bisher schnellste 5G-Technologie mit 3,6 Gigahertz, die bisher nur in Großstädten verfügbar ist, sowie die Dynamic-Spectrum-Sharing-Technologie (DSS). Die ist langsamer und stellt je nach Bedarf 4G oder 5G zur Verfügung. Rund 80 Prozent der Bevölkerung haben theoretisch die Möglichkeit, auf DSS zuzugreifen, sofern sie bei der Telekom sind, sagt Experte Gajek. Die Konkurrenten Vodafone und Telefonica kommen auf ähnliche Abdeckungswerte.

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Mit welchen Smartphones ist 5G-SA nutzbar?

Bisher mit gar keinem. Zuerst nutzbar sein wird die Technologie mit dem Find X3 Pro 5G des chinesischen Herstellers Oppo. Das Smartphone gibt es bei Vodafone mit Vertrag, ohne Vertrag findet man es ab 880 Euro. Im Laufe dieses Monats soll ein Update das Handy bereit für 5G-SA machen. Angekündigt sind auch entsprechende Updates für das Samsung Galaxy S21 und das Apple iPhone. Wann diese ausgerollt werden, steht noch nicht fest.

Ist für 5G ein neuer Vertrag notwendig?

Ja, ohne ist es nicht möglich, 5G zu empfangen – unabhängig von der Art des 5G-Empfangs. Einige Verträge gibt es bereits. Sie sind preislich in etwa so teuer wie 4G-Tarife. „Bei neuen Verträgen ist 5G schon mit dabei“, sagt Gajek. Perspektivisch könnten 5G-Verträge den DSL-Vertrag ablösen, derzeit sei das aber unrealistisch, da das Kabelnetz nochmal größere Kapazitäten besitze.

Welchen Anbieter sollte man für einen 5G-Vertrag wählen?

Gerade in der Anfangszeit der 5G-Technologie empfiehlt der Experte, auf die Platzhirsche Telekom und Vodafone zu setzen, vor allem mit Blick auf die neuen Standalone-Masten. „Gerade bei einer neuen Technologie sollte man einen Ansprechpartner haben, falls es Probleme gibt.“ Auf kleinere Serviceprovider würde Gajek deshalb nicht setzen, zumal es auch noch etwa zwei Jahre dauern werde, bis diese in der breiten Masse 5G-Angebote haben.

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Lohnt sich die neue Technologie für den Endverbraucher?

Eher nein. Der Experte rät: „Man sollte jetzt nicht nur wegen 5G seinen Vertrag wechseln oder sich ein neues Handy zulegen.“ Der Geschwindigkeitszugewinn gegenüber 4G sei derzeit für den gewöhnlichen Nutzer zu vernachlässigen. Das sei eher für Firmen wichtig, die ihre Roboter über 5G steuern, oder für Nutzer, die 5G für Onlinespiele und Augmented-Reality-Brillen nutzen wollen. Bei wem ohnehin gerade ein neuer Vertrag ansteht, der sollte aber nicht bewusst auf 5G verzichten.

Welchen Vorteil hat 5G gegenüber 4G?

Neben der erhöhten Geschwindigkeit bietet die Technologie vor allem den Vorteil, dass sich viele Menschen gleichzeitig mit einer Funkzelle verbinden können. Bis zu einer Million Geräte pro Quadratkilometer sollen sich ohne nennenswerten Geschwindigkeitsverlust einwählen können. Quasi ausgefallene Netze wie bei einem Konzert gäbe es dann kaum noch.

Hat 5G noch weitere Vorteile?

Das sogenannten Slicing (zu Deutsch: schneiden). Das ist vor allem für Unternehmen oder Einsatzkräfte relevant. Dabei handelt es sich um die Möglichkeit, das Netz einer Funkzelle für einen begrenzten Zeitraum in mehrere virtuelle Netze aufzuteilen. Bei einem Fußballspiel könnte dann eines dieser Netze für die Liveübertragung genutzt werden. Damit diese stabil läuft, würden die anderen virtuellen Netze, etwa das des Stadionbesuchers, im Zweifelsfall gebremst. Die Bildregie wäre in so einem Fall vom Küchentisch aus möglich. Wie berichtet wird, hat Vodafone dies bereits mit dem Sender Sky erfolgreich getestet. Auch der Polizeifunk oder Ampelschaltungen könnten über so ein separates Netz laufen, meint Gajek.

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