Letzter Flug gelandet Nach elf Jahren ist Ryanair-Basis in Bremen dicht

Schluss, Aus, Vorbei: Letzmals landete am Sonntagabend eine in Bremen stationierte Ryanair-Crew am Flughafen Bremen. Die Crew verabschiedete sich in einem offenen Brief, in dem sich zu Bremen bekannte.
04.11.2018, 22:15
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Von Nina Willborn Florian Schwiegershausen Max Seidenfaden

Als um 22.06 Uhr der Flug FR6662 am Bremen Airport Hans Koschnick landete, schloss sich die letzte Seite eines elfjährigen Kapitels. Letztmals landete eine in Bremen stationierte Ryanair-Crew in der Hansestadt und steht nun teilweise vor einer ungewissen Zukunft. Ab jetzt wird Bremen nur noch aus dem Ausland angeflogen. Die Gewerkschaft Verdi verabschiedete am Sonntagabend offiziell die letzte Bremer Crew, für die sie in der Ankunftshalle einen roten Teppich ausgerollt hatte. „Bis zu 11 Jahren haben die Beschäftigten einen guten Dienst geleistet, durften nicht krank werden, haben sehr viel Druck aushalten müssen und nun bekommen sie nicht mal einen Dank von Ryanair, sondern müssen sogar noch um das Arbeitslosengeld fürchten“, sagt Markus Westermann, Verdi-Bezirksgeschäftsführer in Bremen.

„Ich war beim ersten Ryanair-Flug von Bremen aus vor elfeinhalb Jahren dabei. Jetzt auf dem letzten, das ist ein komisches Gefühl“, sagte eine Flugbegleiterin. Auch bei der letzten Durchsage nach der Landung gab es Tränen - und Applaus der Passagiere. Wo sie und die anderen Crew-Mitglieder in Zukunft arbeiten werden, ist unklar. Der Wechsel zu einer anderen Ryanair-Basis in Frankfurt kommt für viele aus familiären Gründen nicht in Frage.

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Der irische Billigfluganbieter hatte Ende September erklärt, dass die 2007 eröffnete Basis in Bremen geschlossen wird und beide Flugzeuge vom Standort abgezogen werden. Obwohl Gewerkschaften auf eine Lösung für die 90 Beschäftigten in Bremen drängten, gibt es bis heute keine endgültige Lösung. Von den etwa 90 Mitarbeitern wird die Mehrheit an einen anderen Standort wechseln. Einige aber stehen vor einer ungewissen Zukunft. "Viele haben Familie und Wohnungen in Bremen, so dass sie nicht so ohne Weiteres zu einer neuen Basis wechseln könnten", so Westermann.

In einem offenen Brief, der im Flieger verteilt wurde und dem WESER-KURIER vorliegt, kritisierten die Mitarbeiter die Verkündung der Schließung unmittelbar nach den europaweiten Streiks. "Ihr habt allen gezeigt, dass wenn man für seine Recht eintritt, mit harten Konsequenzen rechnen muss. Wir sind der lebende Beweis für euer konstant repressives Verhalten uns gegenüber, denen weder erlaubt wird euren Praktiken zu widersprechen, noch Unzufriedenheit zu äußern", heißt es in dem offenen Brief. Auch sei die Bremer Basis bewusst ausgewählt worden, vermuten die Angestellten. "Wir wissen, dass sich temporär Umstände ergeben können, in denen Unternehmen schnelle Anpassungen vornehmen müssen. Hier handelt es sich aber um eine Vergeltungsaktion für unsere aktive Beteiligung am Streit. [...] Wir, die Bremen Base, wurden bestraft und an den Pranger gestellt, damit alle anderen Flugbegleiter und Piloten in Deutschland wissen, mit wem sie es zu tun haben."

Die Crew kritisiert auch, dass sie lange nicht erfahren habe, wo sie zukünftig arbeiten werde. Erst Ende der vergangenen Woche sei ihnen mitgeteilt worden, wo sie zukünftig arbeiten werden, schreibt die Crew. Auch sei man nicht auf Standortwünsche eingegangen, sondern hätte die Crew quer über Europa verteilt.

Dass an dem Ende der Bremer Basis aber auch Schicksale mit eingebunden sind, wird ebenfalls in dem Brief deutlich. "Diejenigen, die in den letzten zehn Jahren nach Bremen gezogen sind, haben sich entschlossen zu bleiben und Wurzeln in der Stadt zu schlagen [...] Wir haben Bremen nicht nur als temporären Aufenthaltsort gesehen, sondern als einen sicheren Ort, an dem wir unsere Kinder großziehen können", heißt es in dem Brief.

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Daher sei es verwunderlich, dass man noch Personal in Bremen angestellt habe, wenn man schon im Management gewusst habe, dass man die Base schließen werde. Der Grund, warum man dennoch für Ryanair gearbeitet habe, sei Bremen gewesen: "Wir haben diese Stadt und ihre Leute ins Herz geschlossen und wollten hierbleiben - bei unseren Freunden und Familien. Stattdessen werden einige von uns mit gesenktem Haupt in drei Wochen in andere Städte ziehen und es schwer haben, weiterhin mit Professionalität und Respekt für unsere Passagiere zu arbeiten." „Wir werden weiterkämpfen“, versprach eine Mitarbeiterin am Sonntagabend auf der Besucherterrasse des Flughafens.

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