Nachhaltige Geldanlage

Mit gutem Gewissen investieren

Der Markt für grüne Geldanlagen ist undurchsichtig. Wer sein Depot nachhaltig gestaltet, kann nicht nur von einem guten Gewissen profitieren.
01.04.2020, 05:57
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Mit gutem Gewissen investieren
Von Stefan Lakeband
Mit gutem Gewissen investieren

Einer Sache sollte sich Anleger immer klar sein, sagt Annabel Oelmann. Nachhaltige Investments funktionierten genauso wie herkömmliche.

Christin Klose

Gewinn und Gewissen – zwei Begriffe, die für viele Menschen auf den ersten Blick ein Gegensatz sein dürften. Besonders dann, wenn es um das Thema Geldanlage geht. Das ist aber falsch: Nachhaltigkeit und Rendite schließen sich nicht aus, wie mittlerweile etliche Studien belegen. Mehr noch: Sie sind in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Kein Wunder, schließlich verzichten auch mehr Menschen auf Plastik, vermeiden Flüge und fahren lieber Bahn, essen weniger Fleisch und kaufen regional.

Wer sein Geld nachhaltig anlegen will, muss aber einiges beachten. Denn anders als bei der Bio-Milch im Supermarkt, gibt es keinen Standard, kein offizielles Siegel, aus dem hervorgeht: Diese Geldanlage ist gut mit dem Gewissen zu vereinbaren. Jede Bank kann ihre Finanzprodukte als "klimafreundlich", "sozial", "fair", "ethisch" oder „ökologisch" bewerben und dabei etwas anderes meinen.

„Geldanlage ist an sich schon ein komplexes Thema, das viele Menschen überfordert“, sagt Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen und Expertin für nachhaltige Sparprodukte. Durch fehlende Standards werde der Dschungel bei grünen Investments noch einmal dichter, der Aufwand für Verbraucher größer. Daher komme auch das große Missverhältnis. Denn laut Oelmann interessieren sich viele Kleinanleger für grüne Investments – aber nur wenige setzen dieses Interesse am Ende auch um.

Dass diese Anlageart aber Potenzial biete, zeigt schon ein Blick ins Internet. Das Internetportal geld-bewegt.de, das von den Verbraucherzentralen Bremen und Hamburg betrieben wird, listet derzeit 14 Banken, die die Nachhaltigkeit zu ihrem Geschäftsmodell gemacht haben. Sie bieten die gleichen Leistungen wie herkömmliche Banken an, haben aber klare ethische, soziale und ökologische Kriterien, nach denen sie Kredite vergeben, ihre Eigenanlagen und das Geld ihrer Kunden investieren.

Zu den beliebtesten nachhaltigen Produkten dürften aber wohl Fonds gehören. Sie gibt es mittlerweile auch bei vielen herkömmlichen Banken: Erst vergangenen Sommer hat etwa die Sparkasse Bremen mit dem Fairinvest einen Aktienfonds aufgelegt, der mit dem Wort „nachhaltig“ beworben wird. Die passenden Unternehmen dafür zu finden, sei „nicht ganz trivial“ gewesen, sagt Sascha Otto, Leiter des Wertpapier- und Portfoliomanagements der Sparkasse.

Im ersten Schritt hätten er und seine Kollegen weltweit 800 Unternehmen identifiziert, die eine gute Dividende zahlten. Die Firma ISS-Oekom habe dann für die Sparkasse anhand von zahlreichen Merkmalen untersucht, welche davon als nachhaltig bezeichnet werden könnten. Zu den Kriterien gehören etwa, dass Menschenrechte eingehalten werden, keine geächteten Waffen hergestellt oder vertrieben werden sowie der Umweltschutz Beachtung findet. Von anfangs 800 Firmen blieben nach gründlicher Analyse noch 100 Unternehmen übrig. „Ölfirmen“, sagt Otto, „sind etwa nicht in dem Fonds, obwohl sie oft gute Dividenden zahlen.“

Laut Otto kommt dieser Fonds gut bei den Kunden an; er habe mittlerweile ein Volumen von 20 Millionen Euro. Das sei ein Erfolg verglichen mit anderen Aktienfonds. Überrascht ist er davon aber nicht: „Bremen ist ein guter Markt für Nachhaltigkeit.“ Diesen Eindruck hat auch Lars Köhler, Direktor für das Private Banking bei der Bremischen Volksbank. „Ich habe sogar den Eindruck, dass in Wertpapieranlagen bisher unerfahrene Sparer gerade unsere Nachhaltigkeitslösungen besonders gerne wählen und sie ihr Geld hier gut aufgehoben wissen“, sagt er.

Über die Union Investment, laut Bundesverband Investment und Asset Management Marktführer bei nachhaltig anlegenden Investmentfonds, könne das Geldinstitut etliche Geldanlagen für das gute Gewissen anbieten. Köhler zufolge werden auch hier die Unternehmen einerseits auf ihre Wirtschaftlichkeit, andererseits auch auf ethische, soziale und ökologische Kriterien untersucht und ausgewählt.

Wer in Produkte wie diese investieren und vorab wissen will, welche Merkmale zugrunde gelegt werden, müsse sich das Kleingedruckte anschauen, sagt Oelmann. „Man findet in den Unterlagen zum Fonds viel, muss aber genau suchen.“ Manche Banken bewerben ihre Produkte zwar mit Siegeln, sie sollten aber maximal bei der Vorauswahl der Fonds hilfreich sein – einen verlässlichen Standard stellen sie nicht dar.

Oelmann rät Verbrauchern daher, sich selbst erst einmal Kriterien zu überlegen. Dabei gebe es unterschiedliche Vorgehensweisen: Verbraucher könnten bestimmte Unternehmen oder Branchen aus ihrem Portfolio ausschließen, beispielsweise Fluggesellschaften, weil sie schlecht für das Klima sind. Eine Alternative sei der „Best in Class“-Ansatz. Er sorgt für eine große Spannbreite im Portfolio, weil er die Unternehmen mit den höchsten ökologischen oder ethischen Standards ihrer Branche einbezieht.

Das kann aber dazu führen, dass Verbraucher ihr Geld in Firmen stecken, die Waffen herstellen oder Öl fördern – dabei aber immerhin die angelegten Kriterien besser erfüllen als andere Konzerne in diesem Feld. „Oder man investiert gezielt in eine Branche, etwa erneuerbare Energien“, sagt Oelmann. Hierdurch begrenze man aber sein Portfolio: Wenn die Branche Probleme bekomme, spürten das Verbraucher deutlich. Einer Sache sollte sich Anleger immer klar sein, sagt Oelmann. Nachhaltige Investments funktionierten genauso wie herkömmliche. Auch hier gelte die Regel: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+