Mitarbeiter fordern mehr Lohn

Nachtschicht von Mercedes in Bremen tritt in Warnstreik

In der Nacht zu Donnerstag sind die Mitarbeiter der Nachtschicht bei Mercedes in Bremen in einen Warnstreik getreten. Es geht um sechs Prozent mehr Lohn, verkürzte Arbeitszeiten und mehr Schichtzulage.
11.01.2018, 06:28
Lesedauer: 2 Min
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Nachtschicht von Mercedes in Bremen tritt in Warnstreik
Von Florian Schwiegershausen
Nachtschicht von Mercedes in Bremen tritt in Warnstreik

Die Nachtschicht von Mercedes in Bremen hat kurz nach Mitternacht die Arbeit niedergelegt.

Florian Schwiegershausen

Die Nachtschicht von Mercedes hat mobil gemacht. War es kurz vor Mitternacht noch eine überschaubare Gruppe von etwa 200 Kundgebungsteilnehmern, hatte sich nach Mitternacht der Platz vor dem Tor 7 des Bremer Mercedes-Werks innerhalb kürzester Zeit gefüllt. Denn kurz nach Mitternacht legten die Mitarbeiter im Bremer Mercedes-Werk die Arbeit nieder und zogen gemeinsam mit ihren Transparenten und Trillerpfeifen vor das Tor. Dort warteten bereits Mitarbeiter des Automobilzulieferers Lear, die ebenso in der Nachtschicht die Arbeit ruhen ließen. Als der Betriebsratsvorsitzende des Bremer Mercedes-Werks, Michael Peters, bei der Kundgebung gegen 0.30 Uhr das Wort ergriff, standen dichtgedrängt mehr als 1000 Arbeiter um ihn herum. Seine Rede wurde begleitet von Feuerwerk und Knallkörpern.

Mancher Böller explodierte passenderweise genau in dem Moment, in dem Peters eine weitere Forderung gestellt hatte: Die IG Metall verlangt bei der aktuellen Tarifrunde sechs Prozent mehr Lohn sowie die Wahlfreiheit für eine verkürzte Arbeitszeit auf 28 Stunden, um sich um Kinder zu kümmern oder einen Angehörigen zu pflegen. Dies solle bis zu zwei Jahre möglich sein, verbunden mit einem Lohnausgleich.

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Foto: Florian Schwiegershausen

Die Arbeitgeber haben dagegen bisher eine Einmalzahlung von 200 Euro sowie zwei Prozent mehr Lohn angeboten. Die Arbeitszeitverkürzung lehnen sie komplett ab. Der Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander bezeichnete dies verbunden mit dem Lohnausgleich als "Stilllegungsprämie für Facharbeiter".

Volker Stahmann, der erste Bevollmächtigte der IG Metall Bremen, sagte, dass sich in Bremen noch nie so viele Mitarbeiter an einem Warnstreik beteiligt hätten. Er wie auch der Betriebsratsvorsitzende Peters forderten für die Arbeiter im Bremer Mercedes-Werk die gleichen Schichtzulagen wie für die Mercedes-Mitarbeiter in Baden-Württemberg. Hier gibt es große Unterschiede: Laut Gewerkschaft erhalten die Mercedes-Mitarbeiter in Bremen in der Zeit von 20 Uhr abends bis 6 Uhr morgens 15 Prozent Schichtzulage. Die Kollegen in Baden-Württemberg erhielten dagegen in der Zeit von 19 bis 6 Uhr 30 Prozent Schichtzulage. Für diese Forderung gab es beim Warnstreik in Bremen viel Beifall und Trillergepeifen von den Anwesenden, die sich mit Kaffee warmhielten und Laugenstangen dazu aßen.

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Foto: Florian Schwiegershausen

Alexander Stavenhagen, der Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei Daimler, forderte zudem für die Auszubildenden vor ihrer Abschlussprüfung einen Tag Freizeit. Alle Redner schworen die Anwesenden darauf ein, notfalls auch länger zu streiken als eine Nachtschicht, sollten die Arbeitgeber nicht auf die Forderungen der Metaller eingehen.

Bei der Kundgebung vor dem Tor 7 des Daimler-Werks erhielten die Mercedes-Mitarbeiter außerdem Unterstützung von Mitarbeitern der Lürssen-Werft, von Airbus und anderen Betrieben. Auch die Mitarbeiter von Bosch Automotive legten gegen 4 Uhr die Arbeit nieder und fuhren nach Hause. Das machten auch die Kollegen von Mercedes gegen 1.30 Uhr. So schnell wie alle da waren, waren sie plötzlich auch wieder weg, um im Stau des Abreiseverkehrs nicht ganz hinten zu stehen.

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