Im Schlaf in die Schweiz Nachtzug ab Dezember von Bremen nach Zürich

Schlummernd an den Zürichsee reisen: In Bremen hält ab Mitte Dezember wieder ein Nachtzug in die Schweiz. Doch es ist unklar, ob das Angebot auch in Zukunft bleiben soll.
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Nachtzug ab Dezember von Bremen nach Zürich
Von Lisa Schröder

Am Abend in den Zug steigen, sich schlafen legen und in Zürich wieder aufwachen – im Dezember ist das auch ab Bremen möglich. Der Nachtzug der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) wird künftig auf seinem Weg von Hamburg in die Schweiz am Bremer Hauptbahnhof halten und nicht mehr nur in Hannover. Dies gilt ab dem 15. Dezember. Der Nightjet 401 fährt in der Regel täglich in elf Stunden und zwölf Minuten von Bremen nach Zürich und braucht damit drei Stunden mehr als die sonst schnellste Verbindung.

Ganz genau von 21.53 Uhr bis 9.05 Uhr ist er unterwegs. Dafür können Fahrgäste Betten im Liegewagen reservieren mit „Wiener Frühstück“ oder noch komfortabler im Schlafwagen reisen. Außerdem gibt es weitere Sitzplätze auf der neuen Strecke: Denn die Deutsche Bahn hängt sich an den Nachtzug ab Hamburg mit fünf Sitzwagen als IC. Ab Berlin, zweite Route des Nightjets nach Zürich, sind es zwei Sitzwagen. Im Zug können die Tarife der Bahn genutzt werden wie die Sparpreise oder Rabatte durch die Bahncard.

Gewohnte Trasse ist nicht frei

Die Gründe für den Schlenker über Bremen sind allerdings pragmatischer Natur: Die Trasse Hamburg-Hannover, die der Nightjet der ÖBB sonst nutzt, ist zur gewünschten Zeit nicht frei. Darum der Umweg. Es kann also sein, dass der Nachtzug Bremen nur bis zum Dezember 2020 anfährt. Dann gilt wieder ein neuer Fahrplan, und die Trassen sind neu vergeben. Dass die ÖBB die Strecke nicht freiwillig ausgesucht hat, zeigt auch der Rückweg: Wer aus Zürich mit dem Nachtzug wieder nach Bremen möchte, muss in Hamburg oder Hannover wie sonst umsteigen. Der Sprecher der ÖBB, Bernhard Rieder, bremst darum die Euphorie, Bremen werde nun nicht „das neue Nachtzugzentrum der Welt“. Denn es gebe keinen langfristigen Plan für den Zughalt Bremen. Wenngleich er nichts ausschließen will: Wenn sehr viele Menschen das Angebot nutzten, lasse man sich vielleicht überzeugen. Seine Kollegin bei der Bahn, Sprecherin Sabine Brunkhorst, hält das für möglich als eine Art Abstimmung mit den Füßen: „Warum nicht, wenn die Bremer das klasse finden?“

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Die Zusammenarbeit mit der ÖBB heißt nicht, dass die Deutsche Bahn wieder selbst Nachtzüge betreiben will; 2016 gab sie dieses Angebot auf. Dazu gibt es keine Pläne. Die Bahn sieht die Nachtzüge als Nischengeschäft, das nur von wenigen Kunden genutzt wird. Um es rentabel zu betreiben, seien große Investitionen notwendig, hieß es bereits in der Vergangenheit. Auch in der Schweiz gibt es schon seit 2009 keine Nachtzüge mehr, die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) prüfen aber derzeit, das Angebot durch die Kooperation mit der ÖBB auszubauen. „Aus Kundenbefragungen wissen wir, dass Nachhaltigkeitsüberlegungen betreffend CO2-Footprint in den eineinhalb Jahren an Bedeutung zugenommen haben“, teilt der SBB-Sprecher Raffael Hirt mit.

Die ÖBB sieht eine steigende Nachfrage nach der komfortablen Fahrt durch die Nacht. Im vergangenen Jahr nutzten laut Rieder 1,4 Millionen Reisende die Nachtzüge: „Tendenz steigend.“ Besonders beliebt sei die Verbindung von Hamburg nach Zürich und nach Wien, ebenfalls begehrt sei Hamburg-Innsbruck. Die Deutschland-Verbindungen seien das „Rückgrat des Nightjets“. Insgesamt gibt es 27 Linien in Europa: bis nach Warschau und Budapest sowie Florenz und Rom im Süden. Die ÖBB sei heute Europas größter Anbieter von Nachtreisezügen: „Unsere Entscheidung, europaweit ins Nachtzuggeschäft einzusteigen, war absolut richtig.“ Schlagwagenplätze seien oft über Wochen ausgebucht.

Weiteres Wachstum

In jüngster Zeit habe es weiteres Wachstum gegeben: In diesem Jahr erwarte die ÖBB Rieder zufolge auf einzelnen Strecke zehn Prozent mehr Fahrgäste. Die ÖBB sieht einen Zusammenhang zur Klimadebatte: „In den letzten Monaten ist in vielen Ländern eine starke Bewegung zum umweltfreundlichen Reisen entstanden.“

Und diese Bewegung werde auch verstärkt von der Politik aufgenommen. „Gerade in Skandinavien, Deutschland, Benelux und der Schweiz ist das Bedürfnis nach Nachtzügen sehr stark. Es freut uns besonders, dass Politiker und auch die Bahnen in diesen Ländern angekündigt haben, sich künftig wieder verstärkt mit dem Thema Nachtreisen beschäftigen zu wollen“, teilt Rieder mit. Neue Nightjets sind bereits bestellt: 13 Stück im Wert von mehr als 200 Millionen Euro. Anfang 2022 sollen sie unterwegs sein. Die ÖBB könnte mit den neuen Zügen dann auch einen größeren Streckenausbau angehen.

Die Fahrkarten für die Fahrt nach Zürich im Nachtzug über Bremen sollen auf der Website von ÖBB und Bahn gekauft werden können. Derzeit gibt es dabei noch Probleme, die aber im Laufe der nächsten Woche behoben sein sollen.

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