Fachkräftemangel

Nächster Halt: Raumfahrt

OHB will 2019 mehr als 100 neue Stellen in Bremen schaffen. Fachkräfte sind aber immer schwerer zu finden. Nun soll ganz klassische Straßenbahn-Werbung helfen – doch das ist nicht die einzige Marketingmaßnahme.
22.01.2019, 17:46
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Nächster Halt: Raumfahrt
Von Stefan Lakeband
Nächster Halt: Raumfahrt

"Raumfahrt ist konjunkturrobust", sagt OHB-Vorstand Klaus Hofmann. Mit einer Straßenbahn will das Unternehmen Bewerber auf sich aufmerksam machen.

Christina Kuhaupt

Bremen. OHB hat in diesem Jahr Großes vor. Nicht nur im All gibt es für das Bremer Unternehmen viel zu tun, auch auf der Erde steht es vor etlichen Herausforderungen. Eine davon: das eigene Wachstum. Allein in Bremen will OHB mehr als 100 neue Stellen schaffen. Die alle zu besetzen, ist jedoch nicht einfach.

„Der Ingenieursmarkt in Deutschland ist hart umkämpft“, sagt Personalvorstand Klaus Hofmann am Dienstag. Deswegen setzt OHB ganz klassisch auf Werbung. So fährt seit einigen Tagen eine Straßenbahn im OHB-Design durch Bremen. Sprüche wie „Werden Sie ein Teammitglied der OHB-Familie“ oder „Ihr Countdown läuft“ sollen auf die freien Stellen beim Familienunternehmen hinweisen. „Wir versprechen uns davon, den einen oder anderen auf uns aufmerksam zu machen und vielleicht auch als neuen Mitarbeiter bald bei uns begrüßen zu können“, sagt Hofmann.

Für mindestens ein Jahr soll die OHB-Straßenbahn auf der Linie 6 fahren. Weil sie in ihrer Werbekraft nur auf Bremen beschränkt ist, setzt das Raumfahrtunternehmen auch noch auf andere Marketingmittel, die auch international wirksam sind. So hat OHB nach eigenen Angaben seine Aktivitäten in sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram verstärkt, und auch auf der Karriereplattform Linkedin sind die Bremer sehr aktiv. „Sonst hätten wir überhaupt keine Chance.“ Schon jetzt kommt ein großer Teil der Angestellten aus anderen europäischen Ländern.

Mit den geplanten neuen Stellen setzt OHB seinen Wachstumskurs aus dem vergangenen Jahr fort. 2018 hatte das Familienunternehmen allein in Bremen 220 neue Jobs geschaffen. „Jetzt gehen wir in der Hansestadt stramm auf die Marke von 1000 Mitarbeitern zu“, sagt Hofmann. Gesucht würden vor allem Ingenieure, aber auch Naturwissenschaftler und kaufmännische Mitarbeiter.

Dass OHB auch 2019 so stark wächst, hat mit einer Reihe von Projekten zu tun, die viel Arbeit versprechen. Neben der neuen Serie an Galileo-Satelliten, die bei OHB gefertigt wird, sorgen vor allem der Spionagesatellit Georg für den Bundesnachrichtendienst und die Plato-Mission für volle Auftragsbücher. Bei Plato geht es darum, erdähnliche Planeten in der Umlaufbahn anderer Sonnensysteme zu finden und zu erforschen.

„Raumfahrt ist relativ konjunkturrobust“, sagt Hofmann. Dennoch könnte OHB künftig auch von schwächelnden Mitbewerbern profitieren. So hatte Airbus im vergangenen Jahr angekündigt, Stellen abbauen zu wollen. Auch der Raketenbauer Ariane Group, der in Bremen die Oberstufen der Trägerraketen Ariane 5 und 6 baut, will europaweit 2300 seiner insgesamt 9000 Stellen streichen. „Bislang spüren wir das noch nicht“, sagt Hofmann. Aktiv Mitarbeiter abwerben wolle man auch nicht. Wenn sich ein Airbus-Mitarbeiter aber nach einem anderen Job umschaue, stehe die Tür natürlich offen.

Allerdings steht OHB auch in der Kritik: Vergangenes Jahr hatte der Betriebsrat das Unternehmen verklagt, weil in mehreren Fällen die Einstiegsgehälter für Ingenieure ein Drittel unter dem im Flächentarifvertrag vorgesehenen Niveau gelegen haben sollen. Das sei nicht rechtens, auch wenn OHB nicht dem Flächentarif angehört, argumentierte der Betriebsrat damals. OHB erwiderte, dass es sich um zwei Einzelfälle gehandelt habe, die längst korrigiert seien. Außerdem sei der Satellitenhersteller erst 2018 vom FAZ-Institut mit dem Siegel ‚Deutschlands begehrteste Arbeitgeber‘ ausgezeichnet worden.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+