Bankwesen in Bremen

Neelmeyer gibt weitere Filialen auf

Das Filialsterben in Bremen hält an: Das Bankhaus Neelmeyer gibt seine Standorte in Schwachhausen und Bremerhaven auf. Und bei dem Institut, das nun zur BKB gehört, stehen weitere Veränderungen an.
29.08.2017, 20:55
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Maren Beneke und Florian Schwiegershausen

Das Bankhaus Neelmeyer zieht sich weiter aus dem Filialgeschäft zurück, die Geschäftsstellen in Schwachhausen und Bremerhaven werden zum Ende des Jahres geschlossen. Das bestätigten das Institut und seine Eigentümerin, die Bremer Kreditbank (BKB), nun auf Nachfrage des WESER-KURIER. Von den Veränderungen sind demnach jeweils ein gutes Dutzend Mitarbeiter betroffen. Der Stammsitz am Markt soll den Angaben zufolge erhalten bleiben.

„Wir haben diese Entscheidung sehr schweren Herzens getroffen“, sagte Frank Schlaberg, Vorstandssprecher vom Bankhaus Neelmeyer. Er begründete den Schritt mit dem veränderten Kundenverhalten, höheren Kosten durch die Vorgaben für Banken, die sich überproportional bei kleineren Instituten niederschlügen, und den sinkenden Erträgen in der Niedrigzinsphase. Mitarbeiter und Kunden wurden laut Schlaberg bereits über die Filialschließungen informiert.

Nicht der erste Einschnitt

Die BKB hatte Neelmeyer offiziell im April übernommen. Aber auch schon vor dem Zusammenschluss hatte sich das Institut mehr und mehr aus seinen bisherigen Standorten zurückgezogen. 2009 gab die Bank, die da noch zur italienischen Unicredit gehörte, ihre Geschäftsstelle in der Hastedter Heerstraße auf, kurz darauf auch den Standort Oldenburg. Zwei Jahre später folgte dann ein weiterer Schnitt: Das Unternehmen trennte sich auf einen Schlag von der Hälfte seiner noch verbliebenen Filialen: die Geschäftsstellen in Vegesack, Horn und in der Neustadt wurden geschlossen.

Lesen Sie auch

Axel Bartsch, BKB-Vorstandschef und Aufsichtsratsvorsitzender bei Neelmeyer, hatte bereits im Juni im Gespräch mit dem WESER-KURIER auf die Herausforderungen für das Bankwesen hingewiesen. Weil die Kunden immer seltener Filialen besuchen und stattdessen häufiger auf Online-Angebote setzen, schrumpft vielerorts nicht nur die Zahl der Standorte, sondern auch die der Bankangestellten.

Hinzu kommt, dass die BKB und das Bankhaus Neelmeyer vor einer weiteren großen Veränderung stehen: Vorbehaltlich der Zustimmung der Behörden wird die Oldenburgische Landesbank (OLB) integriert. Ein entsprechender Kaufvertrag wurde im Juni unterzeichnet. Bartsch hofft, dass die Behörden bis Ende des Jahres ihre Zustimmung für das 300-Millionen-Euro-Geschäft geben. Bei der Übernahme von Neelmeyer durch die BKB hatte es etwas länger gedauert: Gut ein Jahr brauchte es bis zum Zusammenschluss.

Kernkapital von circa eine Milliarde Euro

Die neue Bank, die durch das Zusammengehen von BKB, Neelmeyer und OLB am Ende entsteht, wird ein echtes Schwergewicht sein: Läuft alles nach Plan, werden die Institute zusammengenommen auf eine Bilanzsumme von 17,5 Milliarden Euro und ein Kernkapital von circa eine Milliarde Euro kommen. Ende 2016 waren die drei Banken zusammengenommen noch an 166 Standorten vertreten und beschäftigten mehr als 2600 Mitarbeiter. Die Integration der um ein Vielfaches größeren OLB wird eine echte Mammutaufgabe sein.

Lesen Sie auch

Dass es bei der bisherigen Zahl der Filialen und Mitarbeiter bleibt, ist unwahrscheinlich. Neelmeyer hatte bereits im April den Abbau von 70 Stellen verkündet – gut ein Drittel aller Jobs. Der Fokus des Bankhauses soll künftig nicht mehr auf den mittelständischen Firmenkunden und dem standardisierten Privatkundengeschäft liegen, sondern nur noch auf vermögenden Privatkunden aus der Region. Damit ergänzt das Institut die Geschäftsmodelle der beiden anderen Banken, die sich ebenfalls kaum überschneiden: Die BKB hat einen bundesweit orientierten Kreditansatz, die OLB ist breit aufgestellt. Ziel sei nach dem Zusammenschluss, dass die Identität aller drei Banken auch nach der Übernahme erhalten bleibt. So bestätigte es die BKB nun nochmals.

Während die Neelmeyer-Immobilie in Schwachhausen schon länger nicht mehr im Besitz des Geldinstituts war, hat die Bank ihr Gebäude in Bremerhaven bereits vor ein paar Monaten verkauft. Nach einem Bericht der „Nordseezeitung“ will die Stadt dort das Standesamt und die Touristeninformation unterbringen. Laut der Zeitung hat die Städtische Wohnungsgesellschaft Stäwog das Haus im April von dem Geldinstitut erworben. Damals hieß es den Angaben zufolge noch, Neelmeyer wolle die Räume im Erdgeschoss längerfristig zurückmieten und am Standort festhalten.

„Keine Überraschung“

Susanne Hylla, die bei Verdi in Bremen den Fachbereich Finanzdienstleistungen verantwortet, ist von den aktuellen Entwicklungen beim Bankhaus Neelmeyer nicht überrascht. „Es war abzusehen, dass durch den angekündigten Stellenabbau Anfang des Jahres an der Filialstruktur Verschlankungen vorgenommen werden.“ Da es kaum noch Standorte gebe, sei es logisch gewesen, dass es Schwachhausen trifft. „Ob sich das als wirtschaftlich erfolgreicher Schritt darstellt, wird die Zukunft zeigen“, sagte Hylla. Schließlich würden im Umkreis der Filiale Kunden sitzen, die auch weiterhin für das Geschäft interessant seien.

Gerüchte, dass Neelmeyer seine Filiale in Schwachhausen schließt, machten schon länger die Runde. Kunde Holger Hasenkamp sagt, dass er von den Mitarbeitern bislang aber keine offizielle Bestätigung bekommen habe. „Wenn man im Unklaren gelassen wird, geht das gegen das Vertrauensverhältnis des Kunden“, so der 82-Jährige. Was er machen wird, wenn die Filiale in Schwachhausen schließt, weiß er nicht. „Aber ich glaube nicht, dass es viele Kunden geben wird, die bereit sind, immer zum Stammsitz am Markt zu fahren.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+