Im Zeichen der Digitalisierung

Neuer Masterstudiengang an der Hochschule Bremerhaven

Studierende der Hochschule Bremerhaven setzen sich in einem neuen Studiengang mit Digitalisierung und Innovation auseinander. Ihr theoretisches Wissen wenden sie direkt in Firmen an.
16.07.2017, 23:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Neuer Masterstudiengang an der Hochschule Bremerhaven
Von Maren Beneke

Die Begriffe Digitalisierung und Innovation sind aktueller denn je. Es gibt so gut wie kein Unternehmen, in dem sich die Arbeitsprozesse nicht schon verändert haben und sich auch weiterhin wandeln werden. Die Digitalisierung stellt alle Abläufe noch einmal auf den Prüfstand.

Das gilt auch für den Verdener Lager- und Logistikdienstleister VS Heibo Logistics. Einen Großteil seiner Lagerprozesse hat das Unternehmen bereits automatisiert. Nachholbedarf gibt es aber im Flottenmanagement der firmeneigenen Lkw. „Es gibt Daten, die werden nur auf Papier erfasst“, sagt Thomas Krieshammer, Geschäftsführer der VS-Heibo-Tochter Logitecs. Andere Daten etwa zu den Fahrerkosten und den Tankfüllungen würden in unterschiedliche Programme eingepflegt. „Wir brauchen aber umfassende eine Auswertung aller Daten“, erklärt er. Daher hat sich das Unternehmen an den Bremer IT-Dienstleister Abat gewandt.

Und Abat hat eine ungewöhnliche Lösung gefunden, um VS Heibo zu unterstützen: Die Bremer haben sich mit der Hochschule Bremerhaven zusammengeschlossen. Seit dem Sommersemester kooperiert die Firma mit dem neuen Masterstudiengang „Digitalisierung, Innovation und Informationsmanagement“, in dem sich die Studierenden aus unterschiedlichen Fachrichtungen den Themen aus verschiedenen Blickwinkeln annähern. Wirtschaftsinformatiker, Betriebswirte, Tourismusmanager und Bachelor-Absolventen aus dem Bereich Transport und Logistik lernen zusammen und arbeiten mit Abat an einer Software für VS Heibo.

„Challenge“ entstanden

Einer von ihnen ist Burak Gök. Mit seinen 19 Kommilitonen tüftelt der studierte Wirtschaftsinformatiker seit einigen Monaten an dem neuen Programm. Aufgeteilt haben sich die Studierenden in vier Gruppen: Sie setzen sich mit den wiederkehrend auftretenden Daten bei VS Heibo, den möglichen Zusatzkosten etwa durch Reparatur sowie der Rentabilität auseinander, die vierte Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Übersetzung in eine App. Etwa einen Tag pro Wochen arbeiten die Studenten an dem auf der Unternehmenssoftware SAP basierenden Programm. Begleitet werden sie dabei von zwei Abat-Mitarbeitern. „Bislang sind wir sehr zufrieden“, sagt Christian Diestelkamp, Mitglied der Geschäftsleitung bei Abat.

Wichtig war Diestelkamp, dass das Projekt, das das Unternehmen der Hochschule als Lernprojekt vorgeschlagen hat, auch unabhängig von den Studenten umgesetzt werden kann. Denn VS Heibo ist ein langjähriger Kunde des IT-Dienstleisters. Und verändert sich dessen Bedarf, sollte das nicht von der Arbeit der Studenten abhängen.

Genau dieser Fall ist vor Kurzem eingetreten. „Wir brauchten die Daten nun dringend“, sagt Krieshammer. Das habe nicht mehr bis zum Winter, wenn die Studenten das Projekt abgeschlossen haben, Zeit gehabt. Daher sind Abat-Mitarbeiter eingesprungen und haben für die Verdener ein entsprechendes Programm umgesetzt.

Frustrierend sei das für die Studenten nicht, sagt Gök. „Für uns ist daraus eine Challenge geworden.“ Ihr Ziel: am Ende ein besseres Programm zu haben, als das der Abat-Mitarbeiter. Ansätze dafür, dass das tatsächlich passieren könnte, seien schon jetzt zu sehen, sagt Diestelkamp. Auch Karin Vosseberg, Konrektorin für Studium und Lehre an der Hochschule Bremerhaven, spricht von einem Lernprojekt, über das auch mit den Lehrenden immer wieder diskutiert wird. „Die Studierenden müssen auch scheitern dürfen“, sagt sie. Die Unternehmen, mit denen die Hochschule zusammenarbeitet, seien alle sehr offen und freuten sich, wenn am Ende einer Projektarbeit etwas Gutes dabei rumkommt.

Win-win-Situation

Vosseberg ist Mitbegründerin des neuen Studiengangs. Auch wenn die Hochschule häufig mit Firmen zusammenarbeitet: Eine Kooperation wie nun mit Abat sei bislang einmalig. Auch, dass interdisziplinär gearbeitet werde, sei in dieser Form neu. Denn auch die Lehrenden bilden Tandems aus Informatik und Betriebswirtschaftslehre und behandeln die Themen daher immer aus zwei Fachrichtungen. „So wird das, was exemplarisch im Praxisprojekt erarbeitet wird, auch mit der Theorie unterfüttert.“ Auch weiter gefasste Themen wie „die digitale Stadt“ kann Vosseberg sich für die Zukunft vorstellen.

Für Abat ergibt sich aus der Kooperation eine Win-win-Situation. Das Unternehmen, das immer nach geeigneten Mitarbeitern Ausschau hält, hat schon früh Kontakt zu potenziellen Angestellten. Gleichzeitig kann am Ende der Zusammenarbeit ein Programm entstanden sein, von dessen Ergebnissen wiederum Abat profitieren kann.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+