Bremenports-Chef Howe im Interview

"Neustädter Hafen ist alternativlos"

In Bremen findet die sogenannte Breakbulk statt - Europas größte Messe für Projektladung und Schwergut. Warum Bremen einer der führenden Breakbulk-Standorte ist, erklärt Bremenports-Chef Robert Howe.
28.05.2018, 18:59
Lesedauer: 5 Min
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Von Peter Hanuschke

In diesem Jahr findet die größte europäische Messe für Breakbulk in Bremen statt. Wie haben Sie es geschafft, diese bedeutende Messe für Schwergut von Antwerpen nach Bremen zu bekommen?

Bremen ist ein bedeutender Hafen, gerade für Breakbulk, also für große schwere Ladung, die nicht in Container verpackt wird. Auch sonst sind die Voraussetzungen für eine solche Großveranstaltung bestens. Der Flughafen liegt in der Stadt, wir haben sehr gute Hotelkapazitäten, hier ist fast alles fußläufig erreichbar – alles ideal für eine solche Veranstaltung. Als klar war, dass Antwerpen für einige Zeit als Veranstaltungsort ausfällt, haben wir gemeinsam mit der Messe und der Touristikzentrale den Hut in den Ring geworfen. Und unsere Bewerbung hat sich gegen starke Konkurrenz durchgesetzt. Bremen spielt in der ersten Liga. Das wird zu selten wahrgenommen.

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Welche Bedeutung hat das für den Standort?

Eine sehr große Bedeutung. Da ist zum einen der regionalwirtschaftliche Effekt, wenn bis zu 10.000 Menschen über mehrere Tage in der Stadt sind. Da ist aber auch der imageprägende Charakter der Veranstaltung. Das liegt uns als Hafengesellschaft natürlich besonders am Herzen. Hafen wird ja doch überwiegend mit Bremerhaven, dem Containerterminal und den Autotransportern in Verbindung gebracht. Dabei wird übersehen, dass die Stadt Bremen nicht nur maritime Tradition hat, sondern auch Gegenwart und Zukunft der bremischen Häfen ist. Im letzten Jahr haben 1400 Schiffe alleine in der Stadt Bremen Ladung aufgenommen oder gelöscht. In den Industriehäfen, im Holz- und Fabrikenhafen und im Neustädter Hafen arbeiten mehrere tausend Menschen. Die bremischen Hafenwirtschaft hat zur Recht den treffenden Slogan „Zukunft Hafen.“ Die Breakbulk gibt beste Gelegenheit, ins Bewusstsein zu rufen, wie wichtig die maritime Wirtschaft gerade auch für die Stadt Bremen ist.

Bremen und Bremerhaven gehören in Europa bereits zu den größten Breakbulk-Umschlagsstandorten. Wird es durch die Messe ein weiteres Wachstum geben?

Bremen und Bremerhaven sind natürlich in der internationalen Szene wichtige Standorte auf der Breakbulk-Landkarte. Aber wir werden die Möglichkeit intensiv nutzen, mit unseren Pfunden zu wuchern. Bremenports hat den Gemeinschaftsstand der bremischen Hafenwirtschaft organisiert. Der Stand war mit knapp 30 Unternehmen in kürzester Zeit ausgebucht. Das zeigt auch die große Erwartung, mit der die Hafenwirtschaft in diese Messe geht. Insofern bietet die Messe die große Chance, den Breakbulkhafen Bremen noch besser zu positionieren.

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Der Neustädter Hafen spielt eine wesentliche Rolle, wenn es um den Umschlag von Breakbulk geht. Können Sie die Diskussion nachvollziehen, dass es dort eine andere Nutzung geben könnte – eventuell in Kombination mit Wohnbebauung?

Das ist natürlich eine politische Frage. Aber aus der Sicht einer Hafengesellschaft ist das nicht nachvollziehbar. Wir brauchen für die Menschen in der Region nicht nur Wohnungen, sondern auch Arbeitsplätze. Das darf doch nicht als Gegensatz definiert werden. Gerade dieser Hafen mit seinen Flächen und seinen Hallenkapazitäten bietet hervorragende Gelegenheiten für noch mehr Arbeitsplätze. Hier kann man Industrieproduktion direkt an die Kaje bringen. Das ist doch eine große Chance für die bremische Wirtschafts- und Hafenentwicklung. Im Übrigen gibt es in Bremen deutlich bessere Flächen, wenn über integrierte urbane Wohnstandorte nachgedacht wird. Und mit dem Bau des Wesertunnels und dem Ausbau der Mittelweser wird die trimodale Erreichbarkeit deutlich verbessert.

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Gibt es eine Alternative zum Neustädter Hafen?

Zum Wohnen ja, für die Hafenwirtschaft nein – der ist alternativlos.

In welchen Bereichen müssen sich Bremen und Bremerhaven verbessern, um auch künftig einer der führenden europäischen Breakbulk-Standorte zu sein?

Für Bremerhaven bleibt das Thema Offshore und die damit verbundene Projektladung für die nächsten Jahrzehnte ein Riesenthema. Für Bremen wird es darum gehen, eine noch engere Verzahnung von industrieller Produktion und Hafenwirtschaft zu erreichen. Für Unternehmen wird es immer schwieriger, riesengroße und schwerste Güter weite Wege über die Autobahn zu bringen. Unternehmen denken darüber nach, wie sie mit ihrer Produktion näher an die Küste kommen. Dafür ist gerade Bremen als südlichster Seehafen prädestiniert.

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Freuen Sie sich mehr darüber, dass jetzt die erste Breakbulk-Messe stattfindet oder darüber, dass die Veranstalter bereits fürs nächste Jahr zugesagt haben?

Die Freude auf die Messe ist noch größer geworden, weil wir wissen, dass sie auch im nächsten Jahr hier stattfinden wird. Dies bietet Chancen, auch im nächsten Jahrzehnt große Veranstaltungen der Hafenwirtschaft in unser Bundesland zu ziehen.

Info

Zur Person

Der Bremerhavener Robert Howe ist seit 2012 Geschäftsführer der Hafengesellschaft Bremenports. Howe studierte nach seiner Ausbildung zum Bauzeichner bis 1992 Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Braunschweig.

Zur Sache

Rotterdam und Hamburg sind beim gesamten Umschlagvolumen zwar die ganz großen Player in Europa, aber trotzdem hatten sie sich vergeblich um die Ausrichtung der größten Fachmesse für Projekt- und Schwergutladung in Europa beworben. Den Zuschlag für die Breakbulk Europe, die von Dienstag bis Donnerstag in den Bremer Messehallen stattfindet, bekam die Hafengesellschaft Bremenports. Das Ladungsvolumen insgesamt, dessen größter Anteil der Containerumschlag ausmacht, war dafür offenbar nicht ausschlaggebend. Schließlich geht es bei Breakbulk genau um schwere Ladung, die nicht in den Container passt. Und da ist Bremenvom Umschlagvolumen neben Antwerpen führend in Europa.

"Wir sind seit Jahren stark im Bereich Schwerlastumschlag und wir werden immer stärker", sagt Heiner Heseler, Vorsitzender der Initiative Stadtbremische Häfen. Der Grund dafür liege darin, "weil in den verschiedenen Häfen – etwa im Neustädter Hafen und im Industriehafen – Kunden die gesamte Palette der Dienstleistung in Anspruch nehmen können." Und die gebe es quasi aus einer Hand, auch wenn daran mehrere Firmen beteiligt seien. Das liege an den "hervorragenden Vernetzung unter den Unternehmen der verschiedenen Bereiche".

Im Neustädter Hafen, Europas größtem Terminal für Stück- und Schwergut, der von der BLG Logistics Group betrieben wird, lag der Umschlag 2017 bei etwa 1,3 Millionen Tonnen – ein Zuwachs von mehr als 25 Prozent im Vergleich zu 2016. Die High-und-Heavy-Ladung läuft auch gut in Bremerhaven: Mit einem Umschlag von 1,35 Millionen Tonnen (15 Prozent mehr als 2016) gab es in der Seestadt einen neuen Rekord.

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