Wirtschaft Neustart für Hegemann-Werften

Bremen. Für die angeschlagene Hegemann-Werftengruppe ist der Weg für dringend benötigte Millionen-Bürgschaften und Kredite endgültig frei. Denn am Montag war eine letzte Bedingung erfüllt worden: Ein Treuhänder wurde eingesetzt und somit steht einer Verlängerung und Erhöhung eines Darlehens nichts mehr im Wege.
07.01.2010, 04:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Krischan Förster

Bremen. Für die angeschlagene Hegemann-Werftengruppe ist der Weg für dringend benötigte Millionen-Bürgschaften und Kredite endgültig frei. Denn am Montag war eine letzte Bedingung erfüllt worden: Vor allem die beiden finanzierenden Banken Nord/LB und KfW Ipex hatten darauf bestanden, einen Treuhänder für die Gesellschaftsanteile der Werftengruppe einzusetzen. Nach der notariellen Beglaubigung eines entsprechendes Treuhand-Vertrages erklärte Mecklenburg-Vorpommern umgehend, das bereits gewährte Darlehen in Höhe von 28 Millionen Euro verlängern und um weitere 20 Millionen Euro aufstocken zu wollen.

Damit erhalten die Werften in Stralsund und Wolgast, die künftig als Kern der Schiffbausparte übrigbleiben sollen, das nötige Geld, um einen Liquiditätsengpass zu überbrücken und die Baufinanzierung der derzeit bestellten Schiffe zu sichern. Volker Kröning, Vorstandschef der gesamten Hegemann-Unternehmensgruppe, zeigte sich erleichtert: 'Jetzt kann die Sanierung der Werften endlich beginnen', sagte er gegenüber unserer Zeitung.

Derzeit wird auf der Volkswerft (Stralsund) an mehreren Flusskreuzfahrtschiffen für die Münchner Premicon und Offshore-Spezialschiffen für Maersk gearbeitet. In Wolgast entsteht der zweite von insgesamt vier Mehrzweckfrachtern für die Hamburger Reederei Scanscot, danach folgen vier Schiffe für die schwedische Küstenwache und der Kasko (Rumpf) für den dritten Einsatzgruppenversorger der Deutschen Marine. Die Rolandwerft in Berne, die ihre rund 140 Mitarbeiter zwischenzeitlich in Kurzarbeit schicken musste, wird bis Mai einen in Wolgast begonnenen Hebeponton fertigstellen, ebenfalls für die Marine.

Der Traditionsbetrieb an der Weser soll allerdings aus dem Hegemann-Verbund ausgegliedert werden, derzeit laufen Gespräche mit mehreren potenziellen Investoren. 'Ich bin zuversichtlich, dass wir bis März eine Lösung finden', so Kröning.

Der einstige SPD-Haushaltsexperte im Bundestag war im Sommer vom Bremer Unternehmer Detlef Hegemann als neuer Vorstandschef für die Firmengruppe angeheuert worden. Nur wenige Wochen später gerieten die Hegemann-Werften durch die Stornierung von Aufträgen und den Zusammenbruch der bestehenden Kreditlinien in akute Schwierigkeiten. Der Bund, die Länder Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen sowie die Banken hatten in letzter Sekunde ein Rettungspaket geschnürt, um die drohende Insolvenz zu verhindern.

Die damals gewährten rund 65 Millionen Euro hatten das Überleben der Werften bis Dezember gesichert. Nun folgt eine zweite Tranche in Höhe von bis zu 130 Millionen Euro, die den Geldbedarf bis Ende März abdecken soll. Danach steht, ebenfalls abgesichert durch weitere Bund-Landes-Bürgschaften, ein sogenannter revolvierender Kreditrahmen in Höhe von 326 Millionen Euro, der bei Bedarf sukzessive für die Abwicklung aller bestehenden und künftigen Aufträge genutzt werden kann. Grundlage dafür war ein kurz vor Weihnachten vorgelegtes Gutachten der Wirtschaftsberatung KPMG, das der Schiffbausparte die Sanierungsfähigkeit bescheinigt hatte. 'Die Werften und mit ihnen die ganze Hegemann-Gruppe haben jetzt ihre Kreditwürdigkeit zurückerlangt', sagt Kröning.

Das gilt als wichtigste Voraussetzung, um das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen und neue Aufträge an Land ziehen zu können. Das soll jetzt verstärkt geschehen. Aber auch so haben die Werften noch ein vergleichsweise gutes Auftragspolster.

Nach Angaben des noch von Hegemann eingesetzten Sanierungsbeauftragten Martin Hammer, eines Hamburger Unternehmensberaters, umfasst das Orderbuch momentan Projekte im Wert von zwei Milliarden Euro. Dazu zählen feste Aufträge, von diversen Reedern noch einzulösende Optionen auf Schiffsneubauten und Projekte, die kurz vor dem erfolgreichen Abschluss stehen. So will die Reederei Scandlines zwei Fähren für je 1500 Passagiere und 460 Pkw bestellen, eine verbindliche Absichtserklärung liegt bereits vor, der Vertrag soll in der übernächsten Woche unterschrieben werden. Auch der Bau eines Offshore-Spezialschiffes, von der Bremer Reederei Harren&Partner im Sommer angekündigt, muss noch vertraglich besiegelt werden.

Die Perspektiven sind daher so schlecht nicht. Hammer hat als Sanierungsvorstand künftig das Sagen im operativen Geschäft. Über die Gesellschaftsanteile wacht ein Treuhänder - der Frankfurter Wirtschaftsanwalt Christopher Seagon. Eine gängige Praxis bei Sanierungsfällen: Dabei sollen vorrangig die Interessen der finanzierenden Gläubiger, also der Banken, und nur nachrangig die der bisherigen Gesellschafter gesichert werden. Werfteigner Detlef Hegemann bleibt da zunächst nur noch eine Zuschauerrolle.

Dem Vernehmen nach hatte es ein hartes Ringen um ein zuletzt kompliziertes und fein austariertes Vertragswerk gegeben. Hammer hatte wohl befürchtet, dass er zu sehr an einer erfolgreichen Neuausrichtung der Werften gehindert werden könnte. Daher wird zusätzlich ein fünfköpfiger, mehrheitlich von Hegemann nominierter Beirat installiert, der bei unternehmerischen Entscheidungen wie etwa den anstehenden Personalentscheidungen das letzte Wort haben soll. Laut Sanierungsplan sollen 600 der zuletzt 2300 Stellen auf den Werften gestrichen werden.

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