Northern Germany Innovation Office

Eine Brücke für Bremer Unternehmen in das Silicon Valley

Das Silicon Valley ist bekannt für innovative Firmen. Damit auch der Bremer Mittelstand davon profitieren kann, gibt es mit dem NGIO einen Kontakt vor Ort.
03.09.2020, 15:38
Lesedauer: 3 Min
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Eine Brücke für Bremer Unternehmen in das Silicon Valley
Von Stefan Lakeband
Eine Brücke für Bremer Unternehmen in das Silicon Valley

Innovativ und futuristisch wie hier der Apple Park – dafür ist das Silicon Valley bekannt. Der Techologiekonzern hat dort erst kürzlich eine neue Zentrale gebaut.

Carles Rabada /Unsplash

Parallelen gibt es nur auf den ersten Blick. Das Silicon Valley sei nicht viel größer als Bremen, sagt Tim Ole Jöhnk, beide Regionen sehr kompakt. Damit hörten die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Denn anders als in Bremen gebe es im Silicon Valley drei internationale Flughäfen, jährlich 17.000 neue Start-ups und 40 Prozent des weltweiten Risikokapitals.

Jöhnk muss es wissen, denn er kennt beide Welten sehr gut. Er vertritt die Bundesländer Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein in den USA. Genauer: im Silicon Valley, dem Hotspot für Unternehmen wie Google, Apple oder Facebook. Mit Anfang 30 ist es sein Job, eine Brücke zwischen zwei Welten zu schlagen: dem deutschen Mittelstand und amerikanischen Tech-Firmen. Im besten Fall so, dass beide Seiten profitieren.

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In der Zeit vor Corona hieß das vor allem: immer unterwegs sein. „Ich war fast jeden Tag bei irgendwelchen Veranstaltungen“, sagt Jöhnk. Denn es gibt wohl kaum einen anderen Ort, an dem ein gutes Netzwerk so wichtig ist wie hier. „Ökosystem“ – dieses Wort fällt immer wieder, wenn man sich mit Jöhnk über das Silicon Valley unterhält. Eine eigene Welt aus Start-ups, Tech-Firmen, Investoren und Accelerator-Programmen – also Programmen, die den Firmengründern helfen. Hinzu kommen Unternehmen und Institutionen aus der ganzen Welt, die von diesem Mikrokosmos profitieren wollen. Kurzum: „Alle sind hier“, sagt Jöhnk. Das ist ein Segen: weil es so unzählige Ideen an einem Ort gebe und jeder irgendwen kennt. Das ist aber auch Fluch: weil man irgendwie auf sich aufmerksam machen muss und schwer zu überschauen ist, wer der richtige Ansprechpartner ist.

Genau deswegen gibt es seit August 2018 das NGIO, das Northern Germany Innovation Office, das Jöhnk mit einer Kollegin repräsentiert. Es wird getragen von den drei Bundesländern und mehreren Partnern aus der Industrie, darunter OHB. Grundsätzlich steht es erst einmal aber jedem norddeutschen Unternehmen offen. Die Firmen können anfragen und vom Netzwerk des NGIO profitieren. Jöhnk kennt nicht nur viele Leute, sondern auch die Trends, die künftig wichtig werden könnten. Ein Beispiel: Für ein Unternehmen in Schleswig-Holstein, das Maschinen baut, die Fische filetieren, sollten Jöhnk und seine Kollegen herausfinden, wie es eventuell vom Silicon Valley profitieren könne.

Alternative Proteine statt Fischkonsum

„Hier wird drauf gewettet, dass in den nächsten 20 Jahren etwa zwölf Prozent des weltweiten Fischkonsums verschwindet und durch alternative Proteine ersetzt wird“, sagt Jöhnk. Er und seine Kollegin hätten sich viel mit Firmen unterhalten, die Produkte zu diesem Trend entwickeln. Dabei hätten sie immer wieder gehört: Für diesen künstlichen Fisch seien Mungobohnen wichtige Zutaten. Die seien aber schwer zu schälen. Mit diesem Wissen sei eine Idee entstanden: „Warum kann eine Firma, die Filetiermaschinen baut, sich nicht zusammen mit einem Start-up überlegen, wie ein Gerät zum Schälen von Mungobohnen aussehen kann?“

Genau wegen solcher Dinge könne ein Blick ins Silicon Valley interessant sein. „Wir wissen nicht, was wir nicht wissen“ – diese Denkweise sei wichtig für jemanden, der von der Kreativität der Region profitieren wolle. Deutschen Firmen falle das manchmal schwer, sagt Jöhnk. Sie seien zwar gut in der klassischen Forschung und Entwicklung, manchmal müsse man aber auch in andere Industrien schauen, um auf neue Ideen und Geschäftsfelder zu kommen. Innovation von außen laute das Stichwort.

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Besonders dem Mittelstand bereite das Probleme. Allein schon, weil der Zugang fehlt. „Die großen Firmen haben natürlich alle ihre Leute im Silicon Valley“, sagt der NGIO-Leiter. Für viele ist das aber schlichtweg zu teuer. Sie könnten daher vom norddeutschen Innovationsbüro profitieren. Doch nicht nur die.

Das NGIO hilft auch Start-ups, versucht Kontakte zu vermitteln. Schließlich ist das Silicon Valley die Wiege von Firmen wie Uber, Paypal oder AirBNB. Gleichzeitig gibt es hier viele potenzielle Investoren. Ein Start-up, mit dem auch das NGIO Kontakt hatte, habe kürzlich einen Erfolg verbucht: Das Hamburg Jungunternehmen Localyze hat es in den Y-Combinator geschafft, einem der angesehensten Förderzentren für Start-ups weltweit.

Delegationsreisen fallen vorerst aus

Wie in Deutschland so hat Corona auch in den USA einiges durcheinandergebracht. Das Silicon Valley ist da keine Ausnahme. Delegationsreisen von deutschen Unternehmen, die das NGIO auch organisiert, fallen vorerst aus. Genauso Veranstaltungen. Manche werden in anderer Form abgehalten – davon könnten wiederum Firmen in Norddeutschland profitieren. Der Y-Combinator beispielsweise bietet zum ersten Mal ein rein digitales Förderprogramm an. „Normalerweise muss ein Start-up einen Mitarbeiter für drei Monate hier hinschicken.“ Jetzt könnten Jungunternehmen aus der ganzen Welt teilnehmen – ohne reisen zu müssen.

Für Jöhnk ist San Francisco mittlerweile zur zweiten Heimat geworden. Aufgewachsen ist er in Kiel, studiert hat er aber unter anderem in den USA. Dort sammelte er auch selbst Start-up-Erfahrung und leitete bei einer Innovations- und Investorenplattform das Deutschlandgeschäft.

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