Kommentar über Industrie der Zukunft

Nicht jeder Schaltkreis ist gleich Künstliche Intelligenz

Geht es um Künstliche Intelligenz, scheint sich die erste Welle der Euphorie gelegt zu haben, schreibt Philipp Jaklin.
31.03.2019, 20:59
Lesedauer: 1 Min
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Nicht jeder Schaltkreis ist gleich Künstliche Intelligenz
Von Philipp Jaklin
Nicht jeder Schaltkreis ist gleich Künstliche Intelligenz

An einem Stand des Technologieunternehmens ABB steht ein Lackieroboter, der auf einer Simulation ein Auto lackiert.

Christophe Gateau/dpa

Zumindest rhetorisch ist die deutsche Wirtschaft in der industriellen Zukunft angekommen. Wer in Hannover die heute beginnende größte Investitionsgüter-Messe der Welt besucht, wird umhüllt sein vom oft vollmundigen Vokabular der digitalen Revolution. Alle reden über Künstliche Intelligenz („KI“), über die „Smart Factory“, über „Edge Computing“. Wer diesen Jargon nicht beherrscht, steht im Abseits.

Nicht jeder Schaltkreis ist gleich Künstliche Intelligenz. Spötter verweisen darauf, dass auch vor 30 Jahren die „Elektronische Datenverarbeitung“ in der Industrie eine gewisse Rolle spielte. Aber klar: Das Internet und digitale Produktionstechnik verändern die Wirtschaft rasant – durch neue Möglichkeiten der Automatisierung, des Datenaustauschs mit Kunden und Zulieferern.

Geht es um Künstliche Intelligenz, scheint sich die erste Welle der Euphorie indes gelegt zu haben. Umfragen zeigen, dass zum Beispiel in der Autoindustrie eine wachsende Zahl von Unternehmen ganz auf KI-Projekte verzichtet. Offenbar hat sich bei manchen Ernüchterung breitgemacht. Denkbar ist vieles, heute schon machbar und wirtschaftlich vertretbar deutlich weniger.

Den Chancen stehen auch Risiken gegenüber: etwa die steigende Gefahr von Hackerangriffen, wenn industrielle Fertigung immer stärker in den weltweiten Datenfluss eingebunden ist. Völlig unbeantwortet bleibt die Frage nach einem Ersatz für Millionen von Industriejobs, die in den kommenden Jahrzehnten mit zunehmender Automatisierung der Fabriken wegfallen dürften.

Das alles ändert nichts daran, dass die Deutschen nicht nachlassen dürfen im Anspruch, industriell an der Weltspitze zu stehen. Deswegen ist es bedenklich, wenn manche chinesische Städte mehr in KI investieren als für ganz Deutschland Fördermittel bereitstehen. Und wenn Lizenzen für den superschnellen 5G-Standard versteigert werden, bevor überhaupt alle Funklöcher gestopft sind.

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