466. Schaffermahlzeit

Niederländer serviert Käse zum Dessert

Bremen. Ein Niederländer als 1. Schaffer und dann auch noch Gouda auf dem Käseteller zum Dessert – so etwas hat es noch nie gegeben bei der Schaffermahlzeit. Heute findet das älteste Brudermahl der Welt im Bremer Rathaus statt.
10.02.2010, 14:34
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Niederländer serviert Käse zum Dessert
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Ein Niederländer als 1. Schaffer und dann auch noch Gouda auf dem Käseteller zum Dessert – so etwas hat es noch nie gegeben bei der Schaffermahlzeit, eine Palastrevolution, raunte gestern jemand während der Pressekonferenz vor dem großen Ereignis, das am Freitag im Rathaus über die Bühne geht. 300 Männer werden an dem Brudermahl von Haus Seefahrt teilnehmen. Einer der illustren Gäste ist Mercedes-Chef Dieter Zetsche.

Der Niederländer – das ist Peter Hoedemaker, Chef von KAEFER Isoliertechnik. Zusammen mit den anderen kaufmännischen Schaffern Stephan Ilsemann (Heino Ilsemann GmbH) und Christian Koopmann (Peter W. Lampke GmbH) richtet er die 466. Schaffermahlzeit aus. Als Ehrengast haben die drei Niedersachsens Ministerpräsidenten Christian Wulff eingeladen. „Ich habe ihn gestern angerufen, er feilt noch an seiner Rede“, verriet Hoedemaker. Wulff, so die Ankündigung, will über den Geist der Nachbarschaft von Bremen und Niedersachsen sprechen, über das Schöne und Gute daran, über das Schlechte vielleicht auch, denn gerade streiten sie ja wieder, es geht um Verkehrspolitik.

Die Teilnahme an der Schaffermahlzeit ist streng geregelt: 100 kaufmännische Mitglieder von Haus Seefahrt, das sind die ehemaligen Schaffer. Dazu 100 Kapitäne und 100 Gäste aus dem In- und Ausland – lauter hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kirche und Kultur. Einige Botschafter sind dabei und neben Zetsche solche Wirtschaftsbosse wie der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG, Hartmut Ostrowski, der Chef von E.ON Ruhrgas, Bernhard Reutersberg, und Friedrich Caspers, der die R&V Versicherungen anführt. Der Hochadel ist auch vertreten, erwartet wird Fürst Hans-Adam II von und zu Liechtenstein.

Frauen bleiben wieder außen vor, und das, obwohl im Sommer einige ehemalige Schaffer angekündigt hatten, weibliche Gäste vorzuschlagen. „Zwischen der Ankündigung und dem Tun gibt es Schwellen“, sagte der Verwaltende Vorsteher von Haus Seefahrt, Michael Schroiff. Es sei offenbar einfach noch nicht so weit, die Tafel des Brudermahls generell auch für Frauen zu öffnen. Schroiff: „Erst wenn wir merken, dass es dazu unter den Teilnehmern einen größeren Bedarf gibt, werden wir die Damenfrage behandeln. Momentan sehe ich das noch nicht.“

Streng traditionell auch der Ablauf des Mahls in der Oberen Rathaushalle: Fünf Stunden, sechs Gänge, zwölf Reden. Aufgetragen wird von Küchenchef Stefan Madaus unter anderem Hühnersuppe, Stockfisch, Braunkohl und Rigaer Butt. Dazu Wein und Seefahrtsbier, ein dickflüssiges Braunbier, das ausschließlich zur Schaffermahlzeit gebraut wird. Satt und zufrieden werden die Teilnehmer dann erfahrungsgemäß tief in die Tasche greifen und für Haus Seefahrt spenden. Das Sozialwerk unterstützt in Not geratene Kapitäne, ihre Witwen und neuerdings auch bedürftige Nautikstudenten. Die Schaffer und ihre Gäste tragen Frack und Lackschuhe. Nicht einfach, damit unfallfrei über den vereisten Marktplatz zu kommen. „Vielleicht sollten wir Herrn Loske anrufen“, flachste Hoedemaker.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+