Ehemaliger Beluga-Chef

Niels Stolberg versucht es als Rudolf

Der Ex-Chef der Beluga-Reederei hat eine neue Branche entdeckt: Er will Baumhäuser bauen. Für ein Projekt an der Schlei legte sich der zu Haft verurteilte Geschäftsmann eine etwas zu spärliche Tarnung zu.
12.04.2019, 06:00
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Niels Stolberg versucht es als Rudolf
Von Jürgen Hinrichs
Niels Stolberg versucht es als Rudolf

Niels Stolberg hat stets einen forschen Schritt drauf. Jetzt engagiert sich der Bremer Ex-Reeder unter anderem im Baumhaus-Geschäft.

Frank Thomas Koch

Niels Stolberg hat ein neues Geschäftsfeld entdeckt, ist damit aber vorerst gescheitert. Der wegen Betrugs verurteilte ehemalige Bremer Reeder wollte an der Schlei in Schleswig-Holstein ein Hotel mit luxuriösen Baumhäusern bauen. Die zuständige Gemeindevertretung hat diesen Plan in einer Sitzung am Dienstag indes abgelehnt, wie die „Eckernförder Zeitung“ berichtet. Die Entscheidung hängt möglicherweise damit zusammen, dass die Ratsmitglieder bis unmittelbar vor der Versammlung nicht wussten, mit wem sie es bei dem Projekt zu tun hatten. Ein Grund dafür ist, dass Stolberg mit einem anderen Vornamen auftrat. Er nannte sich nicht Niels, wie sonst immer, sondern benutzte seinen zweiten Vornamen: Rudolf. Nach einem Tipp eines Journalisten aus Berlin, der die lokale Berichterstattung verfolgt hatte, flog die Tarnung auf.

Im Februar hatte der Bauausschuss der Gemeinde den Plänen für den Bau von acht Stelzenhäusern mit einer Grundfläche von je 45 bis 50 Quadratmetern zugestimmt. Die Sache war also auf einem guten Weg. „Das war damals von Stolberg und dem anderen Vertreter der Projektgesellschaft ein überzeugender Auftritt“, berichtet Frank Frühling im Gespräch mit dem WESER-KURIER. Frühling ist stellvertretender Bürgermeister der 2700-Einwohner-Gemeinde Rieseby.

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Er war wie die anderen im Rat vollkommen ahnungslos, dass Stolberg bis zur Pleite seines Unternehmens Beluga im Jahr 2011 ein berühmter Reeder war und sich selbst als Weltmarktführer im Schwergutgeschäft bezeichnete. Die Ortspolitiker wussten in der Folge genauso wenig davon, dass der 58-Jährige wegen Kreditbetrugs, Bilanzfälschung und Untreue im März vergangenen Jahres zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde und nur deshalb nicht im Gefängnis sitzt, weil das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Stolberg hat Revision eingelegt.

„Wir sind am Nachmittag kurz vor der entscheidenden Sitzung von unserer Bürgermeisterin über die Personalie informiert worden“, erzählt Frühling. Der Tagesordnungspunkt Baumhäuser sei daraufhin in den nicht öffentlichen Teil verlegt worden. „Wie dort beraten wurde, darf ich Ihnen nicht sagen“, so der Vize-Bürgermeister. Da es vorher im Bauausschuss mit einer Mehrheit von fünf zu zwei Stimmen ein positives Votum gab, muss davon ausgegangen werden, dass es weniger die Inhalte des Projekts waren, die dem Gemeinderat nicht gefielen, sondern mehr die überraschenden Details zu einer der involvierten Personen.

Gemeinde war grundsätzlich einverstanden

Laut Beschlussvorlage der Gemeinde Rieseby sollten die Stelzenhäuser auf einem rund 3500 Quadratmeter großen Grundstück errichtet werden. Die Fläche liegt im Landschaftsschutzgebiet „Schwansener Schleilandschaft“. Das geplante Hotel hätte von den Investoren deshalb nur mit erheblichen Auflagen der Behörden gebaut werden dürfen. Die Gemeinde war grundsätzlich einverstanden und peilte eine vorhabenbezogene Bauleitplanung an. Doch dazu kommt es jetzt nicht mehr.

„Unser Ziel ist es, eine luxuriöse Variante mit zeitgenössischer und moderner Ausstattung zu kreieren und so unter den bisherigen Baumhausangeboten einen Nischenmarkt zu bedienen“, heißt es in der Projektvorstellung, die von der Gemeindeverwaltung in Auszügen zitiert wird. Nischenmarkt – das ist ein Ausdruck, den Stolberg früher gerne benutzte, als er in der Öffentlichkeit wortreich erklärte, warum Beluga in den Jahren nach 2008 trotz der Schifffahrtskrise angeblich immer noch gut dastand. Mit der Sparte Schwergut könne man gegen den Trend als Reederei überleben, behauptete der Unternehmer. Tatsächlich hatte er zu der Zeit längst mit seinen Betrügereien angefangen.

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Die Baumhäuser sollten über ein eigenes Badezimmer mit Fliesen aus Naturstein und Sauna verfügen. Geplant waren neben einem Wohnzimmer mit Kochnische zwei Schlafzimmer mit jeweils einem eigenen Zugang zur großen Terrasse in der Höhe von sechs bis sieben Metern. „Die Fenster bieten einen traumhaften Ausblick in die wunderschöne Natur“, schreiben die Investoren. Für den Innenausbau und den Boden war hochwertiges Kastanien- oder Eichenholz vorgesehen.

In Malente sollten bis zu 35 Baumhäuser entstehen

Antragsteller war die Krummsee Projektierung GmbH. Neben Stolberg, der sich im Bauausschuss der Gemeinde als Projektbetreuer vorstellte, trat dort Krummsee-Geschäftsführer Udo Siegmund auf. Es war nicht das erste Mal, dass die beiden Männer in Rieseby ihr Glück versuchten. Sie taten es nach Darstellung der Gemeinde bereits im Januar 2018, damals war das Projekt von der Kommune vorerst zurückgestellt worden. Ein Jahr vorher hatte das Unternehmen ein ähnliches Vorhaben in Malente forciert. Dort sollten bis zu 35 Baumhäuser entstehen. Passiert ist allerdings nichts.

Stolberg ist geschäftlich nicht nur in Schleswig-Holstein aktiv. Im November 2011, ein halbes Jahr nach dem Untergang seiner Beluga-Reederei, hatte er das Unternehmen Best Ship Consult GmbH gegründet. Der Firmenzweck: Beratung innerhalb der Schifffahrt, An- und Verkauf von Schiffen und das Betreiben von Schiffen. Ein zweites Unternehmen, das Stolberg zur selben Zeit aus der Taufe hob, heißt Best Building and Property Consult GmbH. Hier wird der Zweck in den einschlägigen Registern mit Beratung für Hotels und Gastronomie, dem Betreiben von Hotels und Gastronomie, der Vermietung von Ferienwohnungen und dem An- und Verkauf von Food-Artikeln angegeben.

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Der ehemalige Reeder war nach mehr als zwei Jahren Verhandlungsdauer von der Großen Wirtschaftsstrafkammer 2 des Bremer Landgerichts zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Die drei anderen Angeklagten erhielten in unterschiedlicher Höhe eine Haftstrafe auf Bewährung. Möglich ist das bei einem Strafmaß von bis zu zwei Jahren. Sowohl Stolberg als auch die Staatsanwaltschaft hatten gegen das Urteil Revision eingelegt.

Die Anklagebehörde zog dieses Rechtsmittel wieder zurück. Stolberg nicht. Er bleibt so lange von Gefängnis verschont, wie das Urteil gegen ihn nicht rechtskräftig ist. Ob die Revision zugelassen wird, entscheidet der Bundesgerichtshof (BGH) in Leipzig. Nach Auskunft von Donnerstag hat das Gericht zu dem Fall bislang keine Unterlagen erhalten. Sie liegen noch bei der Generalbundesanwaltschaft, teilte der BGH mit.

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