Nachwuchskräfte in rund 100 Berufen gesucht Noch freie Ausbildungsplätze in Bremen

Bremen. Wer für dieses Jahr noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist, hat gute Chancen. Schlecht sieht hingegen das Ergebnis des für heute angekündigten Bildungsberichts aus, nach dem 30 Prozent junger Migranten keinen Berufsabschluss haben.
17.06.2010, 12:32
Lesedauer: 4 Min
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Bremen. Wer für dieses Jahr noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz in Bremen ist , hat gute Chancen. Schlecht sieht hingegen das Ergebnis des für heute angekündigten Bildungsberichts aus, nach dem 30 Prozent junger Migranten keinen Berufsabschluss haben.

Ob in Handwerk, Handel oder Industrie – nach Auskunft der Agentur für Arbeit haben Schulabsolventen auch kurz vor Beginn der Sommerferien in Bremen noch gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz für dieses Jahr. Berufsberater geben zu den offenen Stellen und passenden Berufen Auskunft, in der Ausbildungsplatzbörse unter www.arbeitsagentur.definden sich die aktuellen Angebote unter anderem für Mediengestalter, Industriekaufleute oder Fachinformatiker.

Am 21. Juni, dem "Tag der Ausbildungschance" informiert die Handelskammer Bremen über IHK-Ausbildungsberufe und Bewerbungsverfahren. Zwischen 14 und 17 Uhr ist eine Hotline freigeschaltet, die unter 0421/3637-421, -425, und -239 erreichbar ist.

Fast jeder dritte junge Migrant hat keinen Berufsabschluss

Bundesweit ist es um die Chancen junger Menschen, im Berufsleben Fuß zu fassen, jedoch nicht gut bestellt. Ein Grund dafür sind Defizite im Bildungssystem. Das geht aus dem dritten gemeinsamen Bildungsbericht von Bund und Ländern hervor, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Die Wissenschaftler bemängeln darin vor allem unzureichende Bildungschancen für Migranten und schlechte Ausbildungs- und Berufsperspektiven für Hauptschüler.

Im Bundestag stritten unterdessen Koalition und Opposition über die Gründe für das Scheitern des Bildungsgipfels in der vergangenen Woche. Das Ziel, die Ausgaben für Bildung und Forschung bis 2015 auf zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes anzuheben, sei durch den Bund-Länder-Finanzstreit in weite Ferne gerückt.

Die Zahl der jungen Menschen in Kindergärten, Schulen, Hochschulen oder einer Berufsausbildung wird sich laut dem Bildungsbericht demografiebedingt von 16,7 Millionen (2008) auf 14,1 Millionen im Jahr 2025 verringern. Dies ist ein Rückgang von 15 Prozent.

Der Bildungsforscher Horst Weißhaupt, unter dessen Federführung der Bericht entstanden war, sagte, um auch auf dem Land ein regional ausgewogenes Bildungsangebot zu erhalten, müsse das gegenwärtige Niveau der Bildungsausgaben "mindestens erhalten bleiben". Für zusätzliche Aufgaben, wie etwa den Ausbau der frühkindlichen Bildung und Betreuung, müsse es dagegen auch zusätzliches Geld geben.

Weißhaupt forderte insbesondere zusätzliche Bildungshilfen für Kinder aus Migrantenfamilien und benachteiligten Schichten. Noch immer sei der Bildungserfolg in Deutschland abhängig von der sozialen Herkunft.

Laut Bericht sind 17 Prozent der jungen Menschen unter 30 Jahren ohne Berufsabschluss und befinden sich auch nicht mehr in einer Bildungsmaßnahme. Dies ist ein neuer Höchststand. Bei jungen Menschen aus Migrantenfamilien sind dies sogar 30 Prozent. Das deutsche Bildungssystem bringe 1,3 Millionen mehr Ungelernte hervor, als der Arbeitsmarkt in Zukunft verkraften könne, sagte Weißhaupt. Zugleich mangele es an Fachkräften.

Laut Bericht gibt Deutschland noch immer erheblich weniger Geld für Bildung aus, als andere vergleichbare Industrienationen - wenn auch in Einzelbereichen Verbesserungen zu verzeichnen sind. So stiegen die durchschnittlichen Ausgaben pro Schüler von 4300 Euro (1995) auf 5000 Euro pro Jahr (2008). Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) sanken jedoch die Gesamtausgaben von Staat und Privatwirtschaft von 6,8 Prozent (1995) auf 6,2 Prozent (2008).

Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Ludwig Spaenle (Bayern/CSU), forderte, künftige Einsparungen durch den Schülerrückgang vollständig im Bildungsbereich zu belassen und besonders für die Förderung von Benachteiligten einzusetzen.

Die Kultusministerin von Rheinland-Pfalz, Doris Ahnen (SPD), sagte: "Der Bildungsbericht belegt klar, dass die Länder dauerhaft mehr Geld für Personal in Kindergärten, Schulen und Hochschulen ausgeben müssen." Dauerhafte Ausgaben erforderten aber auch dauerhafte Einnahmen. Deshalb seien sich die Länder einig, dass der Bund ihnen einen höheren Anteil vom Mehrwertsteuereinkommen abtreten müsse.

Der alle zwei Jahre erscheinende Bericht zeigt erneut Licht und Schatten der deutschen Bildung auf: So besuchen inzwischen 95 Prozent aller Vier- und Fünfjährigen einen Kindergarten. In Westdeutschland stiegt die Zahl der Zweijährigen in der Kindertagesbetreuung von 17 auf 30 Prozent. Die Zahl der Sitzenbleiber pro Jahr sank von 2,7 auf 2,2 Prozent der Schüler. Bundesweit sank die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss von 8,5 Prozent (2004) auf 7,4 (2008) - das waren aber immerhin noch 65 000 Schüler. Im Westen ging die Zahl sogar auf 6,7 zurück, während sie im Osten überraschend auf 11,6 Prozent anstieg.

Zugleich wurden in Deutschland aber auch wieder mehr Kinder zur Sonderschule geschickt. Die 3300 Förderschulen zählen derzeit etwa 400 000 Schüler - das sind 4,9 Prozent, 0,4 Prozentpunkte mehr als 1999. Deutschland hat damit unter den EU-Staaten den höchsten Anteil von Förderschülern.

40 Prozent des gesamten Bildungspersonals in Deutschland ist älter als 50 Jahre. Bei den Lehrern ist dies sogar jeder zweite. In der Kindertagespflege verfügen im Westen 55 Prozent der Kräfte immer noch nicht über die geforderte Minimalqualifikation. Im Osten sind dies 36 Prozent.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), bezeichnete die nach wie vor schlechten Bildungs- und Berufschancen für Kinder mit Migrationshintergrund als "dramatisch". Der Bericht zeigt unter anderem auf, dass fast jede zweite junge türkische Frau zwischen 20 und 30 Jahren in Deutschland ohne Beruf ist und sich auch nicht mehr weiterbildet.

(dpa, gor)

 

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