Raumfahrtindustrie in Bremen OHB-Chef fordert mehr Geld für Raumfahrt-Forschung

OHB-Chef Marco Fuchs fordert von der Bundesregierung mehr Geld für das nationale Raumfahrtprogramm. Was Thomas Jarzombek als Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung dazu sagt.
20.08.2018, 20:08
Lesedauer: 4 Min
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Von Peter Hanuschke und Florian Schwiegershausen

Mehr Geld für die deutsche Raumfahrtforschung – dafür setzt sich OHB-Chef Marco Fuchs ein. Nicht nur für seinen Bremer Raumfahrttechnologie-Konzern, der regelmäßig zu den Unternehmen gehört, die Ausschreibungen nationaler Raumfahrtprogramme gewinnen. Fuchs fordert in seiner aktuellen Kolumne auf der firmeneigenen Internetseite eine schrittweise Erhöhung des Nationalen Programms für Weltraum und Innovation in Deutschland. Er hat damit die gesamte Branche im Blick, die mit ihrer Forschung und ihren Projekten für wegweisende Entwicklungen der Technologie sorge.

"Der Staat ist der größte Akteur in der Raumfahrt, spielt er doch auf beiden Seiten des Spielfelds mit", so Fuchs. Denn einerseits sei er ein wichtiger Kunde, der den Bürgern wichtige Raumfahrtanwendungen zur Verfügung stelle, etwa die Satellitennavigation oder die Satelliten zur Wetterbeobachtung. Andererseits unterstütze der Staat die Raumfahrt mit Technologieförderprogrammen, um wichtige Fähigkeiten zu erhalten, auszubauen oder aufzusetzen.

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Ein starkes Nationales Programm für Weltraum und Innovation alleine könne zwar keinen Industriezweig wie die Raumfahrt über Wasser halten, es ermögliche aber viele Entwicklungen, die ein Unternehmen aus der eigenen Tasche nicht finanzieren könnte, so der OHB-Vorstandsvorsitzende. "Daher lohnt auch der Blick über den Tellerrand und der offenbart, dass etwa in Frankreich das nationale Entwicklungsprogramm finanziell deutlich besser ausgestattet ist." Dort stelle der Staat jährlich rund eine Milliarde Euro für Förderungen zur Verfügung, in Deutschland sei es etwa nur ein Drittel dieser Summe.

Dieser Unterschied mache sich derzeit noch nicht bemerkbar – "sonst wäre Frankreich uns um Längen voraus" –, aber an manchen Stellen werde schon deutlich, dass für nationale Pläne zur Entwicklung von neuen Technologien und Produkten "tiefer in die Tasche gegriffen wird, dass es mehr nationale Satellitenprogramme gibt, die die französischen Wettbewerber dann natürlich in den entsprechenden Programmen der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa in eine bessere Ausgangsposition bringt."

Industrieeigene Forschungsausgaben

Wie wichtig Forschung und Entwicklung für die Branche sind, unterstreichen Zahlen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWI). Danach lagen die industrieeigenen Forschungsausgaben im vergangenen Jahr weiterhin auf sehr hohem Niveau. Laut BMWI hatten sie ein Volumen von vier Milliarden Euro; diese Zahl entspricht einem Anteil von zehn Prozent des Branchenumsatzes. Allerdings bezieht sich das nicht nur auf die Raumfahrt, sondern auch auf die deutsche Luftfahrtindustrie.

"Das nationale Programm für Weltraum und Innovation ist eine zentrale Säule der deutschen Raumfahrtpolitik", so Cornelia von Ammon, Sprecherin des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), deren Vorstand Fuchs angehört. Eine kontinuierliche budgetäre Steigerung sei unerlässlich, um die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Raumfahrtbranche in ihrer ganzen Breite – vom Systemhaus bis zum Klein- und mittleren Unternehmen (KMU) – zu sichern und auszubauen, sagte die BDLI-Sprecherin. "Nur eine ausreichende Finanzierung auf nationaler und europäischer Ebene sichert den unabhängigen europäischen Zugang zum All und erhöht die Kooperationsfähigkeit im bilateralen und internationalen Rahmen."

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Unterstützung bekommt Fuchs auch von politischer Seite – zumindest aus Bremen, Bayern und Baden-Württemberg. In diesen drei Bundesländer hat die Raumfahrt traditionell eine große Bedeutung. "Zusammen mit Bayern und Baden-Württemberg hatten wir ja bereits im vergangenen Jahr vor der Bundestagswahl in einem sogenannten Drei-Länder-Papier die Empfehlung ausgesprochen, dass das nationale Budget jährlich erhöht werden sollte", sagt Tim Cordßen, Sprecher von Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD). Das sei vor allem notwendig, um nicht den Anschluss an andere Nationen zu verlieren. Vielleicht habe dieses Papier dazu beigetragen, dass diese Empfehlung im Koalitionsvertrag Berücksichtigung gefunden habe. In welchem Umfang dies geschehen soll, darauf werde allerdings nicht eingegangen. Insofern müsse man das von politischer Seite her jetzt weiter eng begleiten. "Wir teilen auf jeden Fall die Auffassung von Herrn Fuchs und können das zu hundert Prozent unterstützten", so Cordßen.

Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Raumfahrtindustrie

Im „Nationalen Programm für Weltraum und Innovation“ würden die Grundlagen für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Raumfahrtindustrie gelegt, so Fuchs. "Hier werden wichtige Zukunftstechnologien entwickelt, die es uns mit Förderunterstützung des Staates erlauben, unsere Produkte auf dem neuesten Stand der Technik weiterentwickeln zu können." Dazu gehöre auch, dass Technologien aus der Raumfahrt heraus entwickelt werden, die dann auch in anderen Industrien eingesetzt werden – jüngst im Bereich der Carbonfaserverbundstoffe.

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Im Haushaltsetat für dieses Jahr sind für das Nationale Programm für Raumfahrt und Innovation 278 Millionen Euro veranschlagt. Das sind zwei Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant. Und für 2019 sieht der Etat, der vom Bundestag noch verabschiedet werden muss, 285 Millionen Euro vor. Thomas Jarzombek, der Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, sagte dem WESER-KURIER: „Da sollte Herr Fuchs doch eigentlich sehen, dass wir hier schon auf dem Weg sind.“ Zusätzlich zu dem Nationalen Programm fließen ja auch über die Mittel des DLR noch zusätzlich Gelder in die Raumfahrt. Laut Jarzombek kann man die Summen auch so beispielsweise mit Frankreichs nationalem Etat nicht vergleichen: „Frankreich hat einen Schwerpunkt bei Launchern und übernimmt rund die Hälfte der europäischen Mittel des Ariane-Programms, das spiegelt sich dann auch in deren nationalen Mitteln wider.“

Abschließend sagte der Raumfahrtkoordinator zu den deutschen Mitteln: „Insgesamt sind das gute Schritte. Was wir brauchen, ist eine neue Raumfahrtstrategie, die bei unseren Bürgern den Wunsch nach mehr Engagement in der Raumfahrt auslöst." Neben den staatlichen Mitteln sei für die Zukunft auch ein vernünftiger Wettbewerb in der Raumfahrtindustrie erstrebenswert.

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