Gastbeitrag über Unternehmensgründungen

Ohne Misserfolg kein Erfolg

Der Weg in die Selbstständigkeit ist steinig, und viele Gründer scheitern. Die Angst vor dem Scheitern sollte man über Bord werfen, um am Ende Erfolg haben zu können, fordert Gastautor André Wollin.
01.12.2017, 15:39
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von André Wollin
Ohne Misserfolg kein Erfolg

André Wollin Gastkommentar

Wollin, FR

Bremen erwacht langsam aus dem Gründer-Winterschlaf. Ich spüre, dass die Zeit gekommen ist, hier gemeinsam etwas ganz Großes auf die Beine zu stellen. Seit ein paar Wochen wird in Hamburgs Coworking Spaces verwundert über Bremen gesprochen. Hamburgs Gründer sind erstaunt darüber, was gerade hier passiert, und fragen sich, was da noch kommen wird. Ich weiß, dass wir es schaffen können, dass auch in Berlin, London, Singapur und dem Silicon Valley anerkennend über Bremen gesprochen wird. Gründer aus aller Welt werden kommen, um sich vor Ort ein Bild zu machen von der digitalen Erfolgsgeschichte.

Das nur unwesentlich größere Helsinki hat gerade der ganzen Welt mit dem Startup-Event Slush gezeigt, dass dies möglich ist. Ende November fuhren 20 000 Leute nach Finnland, um das nächste Facebook, Amazon und Google ins Leben zu rufen.

Um so etwas in Bremen zu schaffen, passiert trotz guter städtischer Initiative und großem Engagement der Gründer insgesamt immer noch viel zu wenig. Das Start-Haus ist ein guter Anfang, den Menschen, die bereits den Entschluss gefasst haben, etwas aufzubauen, den Weg in die Selbstständigkeit zu vereinfachen. Bürokratische Hürden werden abgebaut, und alle wichtigen Ansprechpartner sitzen an einem Ort. Doch werden dadurch mehr Bremer motiviert, ein Unternehmen aufzubauen?

Wie wäre es, wenn an jeder Schule in Bremen Gründer in jeder Klasse über ihren aufregenden und steinigen Weg zum eigenen Unternehmen sprechen? Wie wäre es, wenn auch Gründer sprechen, die gescheitert und wieder aufgestanden sind? Wie wäre es, wenn die neuen, jungen Gründer von morgen in der Schule lernen, Rückschläge als etwas Erstrebenswertes anzusehen? Ohne Misserfolg kein Erfolg.

Um mehr Leute in Bremen zu motivieren, etwas aufzubauen, müssen wir dafür sorgen, dass Menschen, die gescheiterte Menschen belächeln, weniger werden. Der gesellschaftliche Druck, der schon vor einem möglichen Scheitern entsteht, hindert viele daran, etwas zu wagen und mutig nach vorn zu gehen. Wir sollten es genau anders herum angehen und gescheiterte Gründer dabei unterstützen, gestärkt wieder aufzustehen und weiter zu machen. Die Möglichkeiten, neue Ideen umzusetzen, sind mitten in der digitalen Revolution ausgezeichnet.

Wenn wir Bremer unsere Angst vor dem Scheitern über Bord werfen und alle zusammen mutig Vollgas geben, können wir es schaffen, im digitalen Wandel ein weltweites Ausrufezeichen zu setzen. Schaffen wir es nicht, werden wir in Bremen digitales Schlusslicht sein – und wir werden zuschauen, wie andere die Welt von morgen gestalten.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+